03.10.2007

Gratiszeitungen

"Ja, aber" zu Einheitsboxen

Umfrage bei den Betroffenen.

In den Städten Bern, Basel und Zürich sollen für die Gratiszeitungen bis in einem Jahr einheitliche Zeitungsboxen aufgestellt werden. Bei den betroffenen Gratiszeitungen hat man Verständnis für das Anliegen der Tiefbauämter, wie eine Umfrage von "persoenlich.com" ergibt. Bei "20 Minuten" würde man allerdings lieber die aktuellen Boxen beibehalten. Die Abendzeitung "heute" hat es in Bern bereits jetzt schwer, eine Bewilligung für weitere Boxen-Standorte zu erhalten.

Bei Bus- und Tramhaltestellen soll in Zukunft ein Sammelsystem ähnlich einer Briefkastenanlage die bisherigen Zeitungsboxen ablösen. Jede Zeitung erhalte so ihr eigenes aber einheitlich gestaltetes Fach, schrieb die Zeitung "Der Bund" am Montag ("persoenlich.com" berichtete). "Dies ist eine mögliche Variante", präzisiert Beat Hofer, Stv. Leiter des Tiefbauinspektorats Bern, auf Anfrage von "persoenlich.com".

Bei den betroffenen Gratiszeitung verschliesst man sich einer solchen Variante nicht grundsätzlich. "Wir sind an der Fortsetzung der guten Zusammenarbeit mit den Eigentümern interessiert, auf deren Grund unsere Zeitungsboxen stehen", erklärt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer. Auch bei der Abendzeitung "heute" versteht man das Anliegen der Städte und will an einer konstruktiven Lösung mitarbeiten, so Distributions-Manager Guido Eberhard. Zudem habe man in der Stadt Zürich schon an diversen Standorten so genannte Racks platziert, die mehrere Boxen zusammenfassen.

Sacha Wigdorovits, Herausgeber von ".ch", begrüsst eine einheitliche Lösung, da ein ordentlicher Auftritt in der Box für das Image aller Zeitungen gut sei. "Wir sind davon allerdings weniger betroffen als andere Gratiszeitungen, da ein Grossteil unserer Auflage frühmorgens nach Hause geliefert wird."

20 Minuten möchte an bisherigen Boxen festhalten

Bei Tamedia würde man aber lieber weiterhin die aktuellen "20 Minuten"-Boxen verwenden. "Die Aussenmasse der heutigen Verteilboxen von 20 Minuten gehen auf eine Vorgabe der Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ und damit der Stadt Zürich zurück", erläutert Zimmer. Die Grundmasse der Zeitungsbox von 20 Minuten hätten sich mittlerweile weitgehend als Standard etabliert.

"Die Zeitungsboxen von 20 Minuten werden regelmässig kontrolliert, gereinigt und unterhalten. Wir haben mit diesen Boxen in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht und würden gerne daran festhalten." Zimmer begründet den Wunsch auch mit dem Fassungsvermögen der Zeitungsboxen. Die neuen Boxen von 20 Minuten fassen rund 800 Zeitungen. "Diese Kapazität müsste auch in Zukunft gewährleistet sein, damit wir die Bedürfnisse der Leserinnen und Leser erfüllen können".

Sollten einzelne Städte neue Leitlinien für Zeitungsboxen einführen, sei Tamedia an einer einheitlichen Regelung interessiert. "Eine Vielzahl von regionalen Insellösungen würde hohe Kosten für alle Beteiligten verursachen", so Zimmer. Keinen unmittelbaren Einfluss habe eine Neuregelung der Zeitungsboxen auf den Aufbau des Distributionsnetzes der neuen Gratiszeitung "News". Zimmer: "Wir sind zuversichtlich, dass wir das Distributionsnetz von 'News' wie geplant realisieren können.“

'heute' will mehr Boxen aufstellen -- Probleme in Bern

In Bern ist man bereits jetzt gewillt, die Zahl der Zeitungsboxen zu limitieren. So befürchtet Beat Hofer, dass sich die heutige Zahl von 200 Verteilkästen bald verdoppeln werde. So könne dies nicht weitergehen, erklärte er gegenüber der Zeitung "Der Bund". Dies hat man bei der Abendzeitung "heute" offensichtlich bereits zu spüren bekommen.

"In den letzten Wochen konnten wir in Basel und Zürich insgesamt 70 weitere 'heute'-Boxen aufstellen", so Distributions-Manager Guido Eberhard. Dies wollte die Abendzeitung auch in Bern tun, die Bewilligung steht aber noch aus. "Ich hoffe, dass sich der Entscheid der Stadt Bern, wo und wie welche Boxen aufgestellt werden dürfen, nicht in die Länge zieht", so Eberhard. Erste Gespräche mit Beat Hofer für eine Optimierung der Standorte in der Stadt Bern habe er schon Anfang dieses Jahres geführt.

Hofer bestätigt gegenüber "persoenlich.com", dass die ausstehende Bewilligung im Zusammenhang mit der Suche nach einer einheitlichen Regelung steht. Man wolle in Bern keinen "Wildwuchs" von Zeitungsboxen. "Wenn wir jetzt eine Bewilligung erteilen, geht es nicht lange, bis der nächste Antragssteller kommt", so Hofer, "bevor wir weiteren Gesuchen stattgeben, wollen wir zuerst eine einheitliche Regelung finden, die für alle gilt."

'Cash daily' fällt unter Automatengesetz

"Cash daily" ist von der Diskussion um die einheitlichen Zeitungsboxen nicht direkt betroffen. "Für die Zeitungsautomaten von 'Blick' und 'Sonntagsblick' wie auch für die Boxen von 'Cash daily' stellt die Gewerbepolizei die Kriterien auf", erläutert Beat Hofer. "Weil mit den Automaten direkt Gewerbe betrieben wird und bei 'Cash daily' durch die Kioske in unmittelbarer Umgebung, fallen diese Kästen unter das Automatengesetz."

Das Tiefbauamt in Bern ist laut Hofer aber darum bemüht, zusammen mit der Gewerbepolizei auch hierfür eine einheitliche Regelung zu finden. "Vor allem für diejenigen Standorte, an denen die Automaten bzw. Zeitungsboxen auf öffentlichem Grund stehen."

Hofer stellt abschliessend klar, dass man die Medienhäuser in die Diskussion um eine einheitliche Regelung, so weit möglich, einbinde und versuche, die Kriterien der Zeitungen zu berücksichtigen. Es liege aber auf der Hand, dass die Interessen der Städte und der Anbieter in gewissen Punkten auseinanderdriften.

(Text: Stefan Wyss)


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