In einem Interview mit dem Magazin des Tages-Anzeiger hat Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer erstmals auf die heftige Kritik an seiner Person reagiert, seit der Ringier-Konzern am vergangenen Sonntag einen Vergleich mit Borer abgeschlossen hat. Er räumte u.a. ein, dass im Zürcher Medienhaus viele Fehler gemacht worden seien. Für einen Teil sei er mitverantwortlich, im besonderen für die Ernennung von Mathias Nolte zum SonntagsBlick-Chefredaktor. Meyer: "Auch wenn das letzlich andere Gremien abgesegnet haben: Ich habe an Mathias Nolte gelaubt und ihn nach Zürich geholt. Diese Berufung hat zur verhängnisvollen Borer-Geschichte geführt. Die Mitverantwortung trage ich, und sie quält mich".
Die weitverbreitete Vermutung, er sei der eigentliche Drahtzieher hinter der Borer-Geschichte, negiert er. Richtig sei das Gegenteil: "Ich habe vor einer Veröffentlichung dieser Geschichte gewarnt. Ich habe ausserdem gar nicht die Kompentenz, irgendetwas anzuordnen." Er habe erst an besagtem Samstag Kenntnis davon gehabt und von einer Veröffentlichung abgeraten. "Mir war das von Anfang an unheimlich". Da er aber als Chefpublizist hierarchisch nicht über dem Chefredaktor stehe, hätte er eine Publikation nicht untersagen können. "Hier tragen die Chefredaktoren die volle publizistische Verantwortung. Ich konnte lediglich Kollegen warnen."
Dass er lange zum Thema geschwiegen hat, erklärt Meyer damit, dass man bei Ringier intern festgelegt habe, wer rede. "Aber jetzt, da die Kritik auf mich zielt, muss ich reden. Vielleicht war es ganz gut, dass ich zuvor nicht geredet habe. Ich gebe nicht gerne Interviews. Ich werde lieber an dem gemessen, was ich schreibe". Roger Schawinskis Vorwurf, persönlich dafür gesorgt zu haben, dass die Borer-Geschichte auf den Titel gesetzt wurde, bezeichnete Meyer als "infam und frei erfunden".

