23.11.2021

Presserat

Journal du Jura wegen Leserbrief gerügt

Für die Leserschaft sei es nicht offensichtlich gewesen, dass es sich um einen gefälschten Leserbrief handelt.

Der Presserat klopft der Zeitung Journal du Jura wegen einem gefälschten Leserbrief auf die Finger. Eine Woche vor der Abstimmung über die Burkaverbots-Initiative rückten die Co-Chefredaktoren den Leserbrief eines gewissen Mustafa Kemal Atatürk ins Blatt, in welchem dieser Atatürk für die Burkaverbots-Initiative Stellung nahm.

Erst drei Wochen nach der Publikation legten die Zeitungsverantwortlichen offen, dass es sich bei dem vermeintlichen Leserbrief unter dem Titel «Kopftuchtragen - eine Frage der Zivilisation» um ein Zitat von Atatürk, dem Gründer der türkischen Republik handelt.

Die Beschwerde beim Presserat bemängelte, dass die Leserschaft nicht erkennen konnte, ob es sich um einen echten oder falschen Leserbrief, eine pseudonyme Unterschrift oder ein Zitat handelte. Zudem hätten die Chefredaktoren die Rubrik Leserbriefe missbraucht, da ihnen andere Gefässe zur Verfügung stehen, um sich zu äussern.

Der Presserat schliesst sich der Beschwerde an, wie er am Dienstag mitteilte. Für die Leserschaft war es demnach nicht offensichtlich, dass es sich um einen gefälschten Leserbrief handelt, der zu einem anderen Zeitpunkt verfasst worden war und den die Redaktion selbst platziert hatte.

Das Zitat und dessen Urheber hätten nicht nur als solche erkennbar sein, sondern vor allem in einer anderen Rubrik platziert werden müssen. Die Leserbriefspalte sei von der Definition her für die Beiträge der Leserinnen und Leser reserviert. Darum stellt der Presserat im Vorgehen des Journal de Jura einen Verstoss gegen den Journalisten-Kodex fest. (sda/wid)



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