15.07.2026

Marokko

Ermittlungen gegen Journalist Ali Lmrabet

Die Behörden werfen dem 66-Jährigen die «Verbreitung falscher Informationen» in den sozialen Medien vor.

Der französisch-marokkanische Journalist Ali Lmrabet ist am vergangenen Sonntag bei seiner Einreise am Flughafen in Tanger im Norden Marokkos festgenommen und nach Casablanca gebracht worden. Laut französischen und marokkanischen Medien werfen die Behörden dem 66-Jährigen die «Verbreitung falscher Informationen» in den sozialen Medien vor, die staatliche Institutionen untergraben würden. Lmrabet wurde am Mittwoch nach einer Anhörung wieder freigelassen. Die Ermittlungen gegen ihn werden aber weitergeführt.

Einer Mitteilung der Schriftstellervereinigung Pen Berlin zufolge zählt Ali Lmrabet seit Jahrzehnten zu den bekanntesten regierungskritischen Journalisten Marokkos. Er prangerte wiederholt die Monarchie, die Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht, Korruption im Umfeld des Königshauses sowie Menschenrechtsverletzungen und den wachsenden Einfluss der marokkanischen Sicherheitsbehörden an. Darüber hinaus setzte er sich öffentlich für inhaftierte Journalisten ein.

Bereits 2003 wurde er wegen kritischer Berichterstattung über das Königshaus zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, seine beiden Zeitungen Demain und Doumane wurden verboten, heisst es in der Mitteilung. Nach einer königlichen Begnadigung kam Lmrabet jedoch 2004 wieder frei. 2005 untersagte ihm ein Gericht für zehn Jahre die Ausübung seines Berufs in Marokko.

Seit 2015 setzt er seine journalistische Arbeit aus dem Exil in Spanien fort und veröffentlicht etwa für spanische Medien und auf seinem YouTube-Kanal Beiträge zu politischen Themen in Marokko. 2014 würdigte ihn Reporter ohne Grenzen als einen der «100 Helden der Information».

Marokko bei Pressefreiheit nur auf Platz 105

Der marokkanische Journalist Imad Stitou betonte, dass die Festnahme von Ali Lmrabet das jüngste Kapitel einer langjährigen Kampagne sei, die darauf abziele, die verbliebenen unabhängigen Stimmen in Marokko zum Schweigen zu bringen - jene Stimmen, die ihre Ansichten mit Integrität, Mut und Offenheit sowie frei von politischer Einflussnahme äussern. «Ziel ist es, Angst zu schüren und zu signalisieren, dass selbst Stimmen aus dem Exil nicht vor Repressionen sicher sind», erklärte der Journalist in der Pressemitteilung.

Auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt Marokko lediglich auf Platz 105 von insgesamt 180 Staaten. Unliebsame Journalisten und Journalistinnen sowie Medien- und Kulturschaffende werden dort zunehmend strafrechtlich verfolgt und eingeschüchtert. (sda/apa/spo)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen