02.07.2024

Impressum

Journalistenverband geht das Geld aus und baut Personal ab

Der Berufsverband verzeichnet seit Jahren einen Rückgang seiner Mitgliederzahlen und wird dieses Jahr voraussichtlich einen Verlust von mehr als 100’000 Franken schreiben. Nun trifft Impressum Massnahmen.
Impressum: Journalistenverband geht das Geld aus und baut Personal ab
Urs Thalmann, Geschäftsführer Impressum, in einer Aufnahme von 2018. (Bild: Keystone/Christian Merz)

«Eine 60-70-Prozent-Stelle wird in den nächsten Monaten nicht wieder besetzt werden. Wir müssen sparen. Jedes Jahr sinkt die Zahl unserer Mitglieder und wir haben nun unsere finanziellen Reserven aufgebraucht», sagte Impressum-Geschäftsführer Urs Thalmann am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Diese Kürzung hat der Zentralvorstand des Berufsverbands beschlossen. Sie wird aber nur einen Teil des Verlustes auffangen, so dass weitere Massnahmen geplant sind.

Mitgliedschaft halbiert in 20 Jahren

Vor etwa 20 Jahren zählte die Organisation noch über 7000 Mitglieder, heute sind es etwa 3500, davon 1500 in der Westschweiz. Die Mitgliederbeiträge sind die einzige Einnahmequelle von Impressum. Damit finanziert der Journalistenverband in seinem Zentralsekretariat in Freiburg acht Stellen mit einer bisherigen Dotierung von insgesamt 490 Stellenprozenten. Dazu kommen noch einige Teilzeitstellen in den regionalen Sekretariaten.

Der Mediensektor befinde sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen, erklärte Geschäftsführer Urs Thalmann. Nicht nur bauten die grossen Medienkonzerne Stellen ab, auch sei die neue Generation von Journalisten weniger geneigt als frühere Generationen, einem Berufsverband oder einer Gewerkschaft beizutreten.

Impressum hat Mühe, neue Mitglieder zu gewinnen, auch deshalb, weil potenzielle Talente eine Karriere als Influencer einschlagen und damit dem klassischen Journalismus Konkurrenz machen. Gleichzeitig muss der Verband darauf achten, weiterhin ein attraktives Angebot bereitzustellen, um der steigenden Nachfrage nach Rechtsberatung seitens seiner Mitglieder gerecht zu werden, die eine Folge der härteren Arbeitsbedingungen ist, sagt Urs Thalmann.

Stiftungen sollen in die Bresche springen

Um sich Luft zu verschaffen, erwägt Impressum auch, bei Stiftungen anzuklopfen, damit diese Projekte des Verbands «mit gemeinnützigem Charakter, zum Beispiel zur Verteidigung der Pressefreiheit in der Schweiz oder für Qualitätsjournalismus» unterstützen, so Thalmann weiter.

Gemäss dem Bundesamt für Statistik ist die Zahl der professionellen Journalisten in der Schweiz stetig gesunken und wird im Jahr 2021, vor den letzten Umstrukturierungsmassnahmen, unter 10’000 liegen. (sda/DeepL/nil)


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KOMMENTARE

Urs Thalmann
03.07.2024 13:24 Uhr
Lieber Herr Aerni, danke für den positiven und konstruktiven Input! Er wird aufgenommen. Wir haben Arbeitsgruppen mit diesen Zielen. Wir haben schon eine Reihe von Angeboten, und wir müssen auch dafür sorgen, dass diese bekannt werden, und ältere Mitglieder die jüngeren Kolleginnen und Kollegen auf den Verband aufmerksam machen. Beste Grüsse! Urs Th.
Urs Heinz Aerni
02.07.2024 14:48 Uhr
Als langjähriges Mitglied bei Impressum erlebte ich mal in einer speziellen Situation eine großartige Unterstützung und eine top fachliche Beratung vom Verband. Nebst dem Mitgliederschwund wäre vielleicht auch mal die Angebote für die Mitglieder zu überdenken. Soll keine Kritik sein aber stimmt der Service noch mit den Bedürfnissen der Medienschaffenden überein? Vor allem für Freischaffende? Hätte eine Modifizierung für Mitglieder (Vernetzung, Bildung, Weiterbildung, Support, Vermittlung etc.) eine Chance für neue Mitglieder?
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