Im Juli rief der US-Nachrichtensender CNN sein Publikum dazu auf, Fragen an die Präsidentschaftskandidaten per Videoclip einzusenden. Fast 3'000 Amerikaner leisteten dem Aufruf Folge und schickten ihre Clips ein. Die besten Einsendungen übertrug CNN in der live ausgestrahlten Diskussionssendung mit den acht demokratischen Bewerbern.
Offenbar hat das Gelingen der ersten "YouTube"-Debatte in den USA das Schweizer Fernsehen dazu animiert, einen ähnlichen Versuchsballon zu starten. So werden jüngere Zuschauer in kurzen Videos aufgefordert zu beschreiben, was sie tun würden, wenn sie einen Tag lang an der Macht wären. Die besten Beiträge sollten dann Ende September in der Sendung "Entscheidung 07: Die Jungdebatte" ausgestrahlt werden. Ebenfalls plant SF, die letzte Wahlarena mit den Parteipräsidenten mit einer zusätzlichen Sendung zu ergänzen, in der Parteipräsidenten Fragen beantworten, die als Videobotschaft eingespielt werden.
Die Schweiz ist jedoch in Sachen Web 2.0 noch lange nicht die USA: Denn bislang sind auf dem eigens für die Aktion eingerichteten YouTube-Channel gerade mal zwei Videos hochgeladen worden. wie "heute" berichtet. Das ist wenig -- selbst wenn man die Anzahl Videos im Verhältnis zur Einwohnerzahl der beiden Länder sieht. Das Schweizer Fernsehen hatte ausgerechnet, dass proportional zu den USA etwa 60 Videos eingehen müssten. "Ich zweifle, ob wir das schaffen, weil die Kommunikation via Kurzvideos in den USA viel stärker verbreitet ist als bei uns", gibt sich SF-Chefredaktor in seinem Weblog zurückhaltend. Auch frühere Erfahrungen mit Aufforderungen, Filme einzuschicken, seien "eher ernüchternd" gewesen.
Um zu verhindern, dass der Zusatz-Arena die Fragen ausgehen, hat das Schweizer Fernsehen nun bereits reagiert: Es wird sicherheitshalber vor der Sendung auch Fragen von Wählerinnen und Wählern mit der Kamera auf der Strasse einfangen. (dvp)

