08.09.2022

Angriffe gegen Journalisten

Justiz nimmt bedrohten Journalisten nicht ernst

Ein Schweizer Sportjournalist erstattet Anzeige, nachdem er bedroht und beschimpft wird. Die Zürcher Staatsanwaltschaft sieht keinen Grund für Ermittlungen.

Ein Sportjournalist eines grossen Schweizer Verlags habe Anfang des Jahres bei der Zürcher Staatsanwaltschaft wegen Beschimpfung, übler Nachrede und Drohung eine Anzeige erstattet, heisst es in einem Bericht von Watson. Der Grund: Ein Berner Unternehmer habe ihm eine beleidigende E-Mail geschickt, in der stand: «Ich würde gut aufpassen, was du von dir gibst, du hässliche linke Zecke. Man kann nicht alles schreiben, was einem gerade einfällt. Mit Konsequenzen muss man rechnen.»

Mehr als ein halbes Jahr nach der Anzeige habe die Zürcher Staatsanwaltschaft verlauten lassen, dass sie keine Strafuntersuchung eröffnen werde, schreibt Watson weiter. Was der Betroffene dazu sagt? «Dass die Justiz nicht zumindest abklärt, ob die Person der Absender ist, empfinde ich als befremdlich. Sie ist einfach zu ermitteln. Ein Telefonat hätte dem Absender aufgezeigt, dass er nicht so anonym ist, wie er zu sein glaubt. Und vor allem wäre er vielleicht zur Erkenntnis gelangt, dass solche Mails problematisch, deplatziert und geschmacklos sind. Auch, dass ich nach Stellen des Strafantrags am 22. Januar 2022 keine Eingangsbestätigung erhalten habe, ist für mich überraschend», so der Sportjournalist auf Anfrage von persoenlich.com.

Vor das Obergericht weiterziehen werde er wegen des hohen Aufwands nicht. «Ich werde mich diesbezüglich aber noch mit Impressum, dem Schweizer Berufsverband der Medienschaffenden, und dem Rechtsdienst meines Arbeitgebers austauschen», so der Journalist weiter.

Watson hat laut eigenen Angaben Kenntnis von mehreren Fällen, bei denen Polizeien und Staatsanwaltschaften tatenlos blieben oder die Verfahren nach langen Ermittlungen nicht abgeschlossen wurden. Hassverbrechen und Drohungen gegenüber Medienschaffenden seien in der Schweiz präsent, würden aber nicht immer von der Justiz ernst genommen, heisst es schliesslich. (mj/cbe)


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