Über die Lancierung der neuen Gratiszeitung .ch im Herbst macht man sich nicht nur in Zürcher Verlagshäusern Gedanken: auch Peter Wanner, Verleger und CEO der AZ Mediengruppe, überlegt derzeit, mit welchen Abwehrmassnahmen sein Verlag auf die neue Herausforderung reagieren soll. Dies, obwohl .ch im Mittelland keine Regionalsplits herausgeben will. Wanner: "Eine Art 'AZ kompakt' als Gratisprodukt für das jüngere Publikum könnte eine Antwort sein". Konkret sei das Projekt noch nicht, aber man mache sich Gedanken. "Spruchreif wird es im Jahr 2008", so der Verleger weiter.
Im Interview äussert sich Wanner auch zum umstrittenen Kombi-Abo der Tamedia/Espace für die Sonntagszeitung und das Solothurner Tagblatt. Die Titel werden zu einem Tiefpreis von 100 Franken ausgegeben, was der Vogt-Schild Gruppe, der Herausgeberin der Solothurner Zeitung -- einer Partnerin der Mittellandzeitung -- naturgemäss sauer aufstösst und sie von einer aggressiven Verdrängungsstrategie sprechen lässt ("persoenlich.com" berichtete)
Peter Wanner schlägt in die selbe Kerbe: "Das ist nicht nur unfair und unlauter, das ist auch dreist! Wenn nicht alles täuscht, ist dieses Dumping-Angebot der Anfang einer Angriffs- und Vernichtungsstrategie. Unseren Partner in Solothurn versucht man so in Bedrängnis zu bringen." Wenn das die neue Geschäftspolitik der Tamedia sei, führe dies auf die Dauer zu einem Gratiszeitungskrieg in der Schweiz. Davon könne keiner profitieren -- es werde nur Verlierer geben, so die Einschätzung des Verlegers.
Im Espace/Tamedia-Angebot ortet er einen krassen Missbrauch von Marktmacht. Die Wettbewerbskommission (Weko) werde sich deshalb gut überlegen müssen, ob sie dieser Fusion zustimmen soll. "Werden so Medienvielfalt und Wettbewerb garantiert? Auf dem Platz Bern ist dies sicher nicht mehr der Fall", so Wanner.

