13.07.2004

Medien-Ethiker

Kritik an "10vor10"

Vorwurf der "klischeehaften Emotionalisierung".

Der Geschäftsführer der Reformierten Medien und Lehrbauftragte für Medien-Ethik an der Universität Zürich, Urs Meier, kritisiert die SF DRS-Sendung "10vor10". Meier sieht die Sendung "in den Fallstricken des Boulevards". Storytelling und Infotainment sei zwar das Konzept von "10vor10", so Meier. Kritisch stösst ihm jedoch die Tendenz des Magazins "zur grösstmöglichen Emotionalisierung" auf.

Meiers Unmut bezieht sich auf zwei "10vor10"-Berichte der jüngeren Zeit: zum Einen der journalistische Umgang mit dem Amok-Schützen in der ZKB-Filiale in Zürich-Enge und zum Anderen die Reportage über die Herztransplantation der nun verstorbenen Frau Rosmarie Voser. Bei beiden Fällen sieht der Autor das primäre Problem nicht im journalistischem Fauxpas. Der Ethiker ortet die Problematik andereswo: "Mir scheint die Tendenz zur klischeehaften Emotionalisierung insgesamt noch gravierender als der eine journalistsche Fehler...". Bei der Reportage über Voser sieht Meier die Emotionalisierung redaktionell schon vorbereitet: "Der Tod der Patientin war im Konzept der Redaktion als Möglichkeit einkalkuriert." Beim Bericht über den Amok in der ZKB-Filiale wurde ein angeblicher Abschiedsbrief des Täters gezeigt, der sich als "Symbol-Bild" entpuppte.


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