Die Mediengewerkschaft comedia hat an ihrem Kongress in Basel "die neuesten Auswüchse der Medienkonzentration" kritisiert. Guter Journalismus werde "zunehmend dem Kommerz geopfert", heisst es in einer Mitteilung vom Freitag. Laut der Mitteilung verurteilten die Delegierten am Kongress den "Trend zur Profitmaximierung auf Kosten der Qualität in den Schweizer Medien". Die Schweizer Medienlandschaft gleiche einer "überdimensionalen Baustelle". Schlag auf Schlag fällten die Manager der Medienkonzerne dabei fatale Entscheide.
comedia verweist auf die Übernahme der Berner Espace Media durch die Zürcher Tamedia, die Einstellung der Wirtschaftszeitung Cash durch Ringier und des Magazins Facts durch Tamedia sowie den Verkauf der TV-Zeitschriften von Ringier an den deutschen Springer-Verlag. Bei Espace Media sei die Zukunft der Berner Zeitung, des Bund und der Druckerei Benteli Hallwag höchst ungewiss. Im Falle von Cash verlören über 40 Journalisten und technische Redaktionsmitarbeitende ihre Stelle, bei Facts würden über 60 Redaktionsmitarbeitende vor dem Aus stehen.
Auffällig sei aber, dass die beteiligten Unternehmen finanziell sehr gut dastünden. Im Falle von Cash und Facts würden sie defizitäre, aber gut positionierte Printtitel einstellen und gleichzeitig auf Einkaufstour gehen und Gratiszeitungen forcieren: Qualität und Medienvielfalt werde "überrissenen Profitzielen geopfert". Mit den Hauruck-Entscheiden werde den Betroffenen zudem jede Möglichkeit genommen, im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen Mitwirkungsverfahrens Vorschläge zur Rettung der Titel und Stellen zu machen. Tamedia versuche zudem, sich über die üblichen Gepflogenheiten zum Aushandeln von Sozialplänen hinwegzusetzen.
Allen Betroffenen sicherte der Kongress seine Solidarität und Unterstützung zu. comedia werde "alles daran setzen, den gefährlichen Auswirkungen der Medienkonzentration entgegenzutreten und dafür zu sorgen, dass den Anliegen der Arbeitnehmenden Gehör verschafft wird".
Fusion mit Gewerkschaft Kommunikation oder Unia wird geprüft
comedia prüft eine Fusion mit der Gewerkschaft Kommunikation (GEKO) oder der Unia. Das haben die Delegierten am Samstag in Basel beschlossen. Die Gewerkschaften müssten ihre Kräfte stärker bündeln, um erfolgreich zu sein. Der Entscheid über eine Fusion soll am nächsten Gewerkschaftskongress im Jahr 2009 gefällt werden.
Hauptgrund für die Fusionsabsichten ist laut comedia der Konzentrationsprozess in der Medienbranche. Dies verlange neue gewerkschaftliche Strategien und mehr Ressourcen. Guter Journalismus werde zunehmend dem Kommerz geopfert, wie die Einstellung von "Cash" und "Facts" zeige.
Der Entscheid der Delegierten steht laut Communiqué aber auch in Zusammenhang mit der negativen Mitgliederentwicklung und der Finanzlage von comedia. Zwar seien seit der Gründung im Jahr 1999 beispielsweise die Sektoren Presse und elektronische Medien kontinuierlich gewachsen. Doch in der grafischen Industrie habe comedia wegen des grossen Arbeitsplatzabbaus rund ein Viertel der Mitglieder in diesem Sektor verloren. Heute vertritt die Mediengewerkschaft die Interessen von rund 14 300 Beschäftigten. (sda)

