Die Luftwaffenübung «Alpha Uno» vom Mittwoch hat offenbar auch Marionna Schlatter, Nationalrätin der Grünen, am Schweizer Fernsehen mitverfolgt. Allerdings war sie wenig davon angetan. «Kritische Stimmen kommen nicht zu Wort. Für mich gehört diese Form der Armeepropaganda nicht zum Service public», schrieb sie auf der Plattform X.
Auf der Autobahn A1 zwischen Payerne und Avenches im Kanton Waadt starteten und landeten F/A-18-Kampfjets – samt montierter Autobahnvignette. Im Rahmen von «Alpha Uno» testete die Armee ihre Fähigkeiten zur Dezentralisierung, um Menschen und Material in möglichst kurzer Zeit im ganzen Land zu verteilen. Die Übung wurde von SRF in einer vierstündigen Livesendung übertragen (persoenlich.com berichtete).
«Grosses öffentliches Interesse»
SRF verteidigt diese TV-Übertragung auf Anfrage von persoenlich.com. Der Service public orientierte sich am Gemeinwohl und sei der Öffentlichkeit als Gesamtheit verpflichtet. SRF habe den Auftrag zu informieren und Inhalte für alle Bevölkerungsgruppen anzubieten. «Bei der Übung der Luftwaffe handelt es sich um ein Ereignis von grossem öffentlichen Interesse. Das Gebiet rund um den Autobahnabschnitt wurde bereits am Vorabend weiträumig abgesperrt, Interessierte hatten also keine Möglichkeit, die Geschehnisse vor Ort zu verfolgen», so eine Sprecherin.
Zudem seien dutzende WK-Soldaten in die Übung involviert gewesen. «Aus diesem Grund hat SRF entschieden, die Übung der Luftwaffe zu übertragen. Auch hat SRF Videomaterial sowie den Livestream anderen Medien gratis zur Verfügung gestellt, wovon zahlreiche Medien Gebrauch gemacht haben. Dies unterstreicht das öffentliche Interesse zusätzlich», schreibt SRF.
Die Kritik etwa von Nationalrätin Marionna Schlatter kontert das Schweizer Radio und Fernsehen. Moderator Michael Weinmann habe während der Übertragung bei Vertretern der Luftwaffe immer wieder kritische Fragen gestellt, so die Sprecherin. «Ausserdem ist die Berichterstattung rund um die Militärübung mit der Liveübertragung nicht abgeschlossen.» Auch in der «Tagesschau» und bei «Schweiz aktuell» sei darüber berichtet worden – «inklusive kritischer journalistischer Einordnung» und Pro- und Contra-Stimmen aus dem ganzen politischen Spektrum. Dies war allerdings nur in der «Tagesschau» der Fall.
Von einer «Medienpartnerschaft», wie dies etwa die Weltwoche im Vorfeld bezeichnet hatte, will SRF nichts wissen. SRF habe diesen Anlass aus rein publizistischen Gründen und als «Host Broadcaster» übertragen, wie dies auch bei vielen anderen Anlässen in der Schweiz der Fall sei. «Einen Vertrag gibt es nicht. Weder SRF noch das VBS stellten Bedingungen oder erhielten Leistungen», so die Sprecherin. Die Liveproduktion sei über das laufende, ordentliche Budget von SRF finanziert worden. Die Armee habe sich nicht an den Kosten beteiligt.
Keine Livesendungen bei RTS und RSI
Eine Livesendung gab es nur auf dem deutschsprachigen SRF, nicht aber bei den anderen SRG-Sendern. Der französischsprachige Sender RTS habe sich redaktionell dafür entschieden, über die Militärübung in seinen wichtigsten Radio- und Fernsehnachrichten sowie auf seinen Websites und Apps RTSinfo.ch zu berichten, wie es dort auf Anfrage heisst. So werde das Magazin «Mise au Point» am Sonntag darauf eingehen. «Mise au Point» ist das Pendant zur «Rundschau» von SRF.
Auch in der italienischen Schweiz berichtete RSI in den Hauptausgaben der Nachrichten über die Militärübung. Es habe keine «nennenswerte Gründe» gegen eine Liveübertragung gegeben, es sei «immer ein Abwägen von vielen Faktoren», so ein RSI-Sprecher.
Mitarbeit: Sandra Porchet