Die neue SRF-Talksendung sei «auf dem Weg zum Flop», schreibt die NZZ am Sonntag in ihrer aktuellen Ausgabe. Nach drei Ausgaben hat die Zeitung den Start von «Gredig direkt» analysiert: «brav», «langweilig und zwar das nicht zu knapp» oder «amüsant wie die Wettervorhersage», so das Urteil. Ungenügend sei die Leistung von Moderator Urs Gredig. Er bleibe über weite Strecken «flauschig» und lege anfangs ein Schaumbad aus, statt knifflige Fragen zu stellen.
Damit sei die Talksendung «ein Fehlgriff», das würden auch die Zuschauerzahlen zeigen. 202’000 Zuschauer und 17,2 Prozent Marktanteil (MA) waren es bei der ersten Folge (persoenlich.com berichtete), 164’000 und 17,6 Prozent MA bei der zweiten, 149’000 Zuschauer bei der dritten Sendung.
Gespräch auf Augenhöhe als Ziel
Anders als die NZZaS sieht Gredig den Start gelungen. «Selbstverständlich sehe ich nach drei Sendungen noch das eine oder andere Verbesserungspotential. Punkto Stil und Tonalität der Sendung hingegen sind wir schon ziemlich genau da, wo ich mit dem Talkformat hin will», sagt er am Sonntag auf Anfrage von persoenlich.com. Ziel von «Gredig direkt» sei ein respektvoll-forderndes Gespräch auf Augenhöhe, mit einem echten Interesse am Gegenüber, welches im Idealfall auch die unbekannten Seiten einer bekannten Persönlichkeit zutage fördere, so Gredig.
«Gredig direkt» startete am 9. April als Nachfolgeformat auf die im März abgesetzte Talkshow «Schawinski». Diese hatte einen stärker konfrontativen Charakter.
Blatters Auftritt sei «bizarr» gewesen
Die Gäste der ersten drei Gredig-Sendungen waren Andreas Meyer, Ex-CEO der SBB, Giulia Steingruber, Kunstturnerin, und Sepp Blatter Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter. Diese Auswahl, die sich offensichtlich nicht primär an der politischen oder wirtschaftlichen Aktualität orientiert, kritisiert die NZZaS nicht. Wohl aber die Gesprächsführung. Bei Meyer habe Gredig zu viele zaghafte Fragen gestellt und zuwenige Kritikpunkte angesprochen.
Blatters Auftritt am Donnerstag sei sogar «bizarr» gewesen. Obwohl er die Verantwortung für mehrere Korruptionsaffären trage und schliesslich völlig diskreditiert worden sei, habe er sich bei Gredig als Opfer darstellen können. Dass seine Enkelin gemobbt worden sei an der Schule in Sitten, und zwar wegen ihres Grossvaters, das tue ihm weh – noch heute, klagte Blatter. «Urs Gredig nickte einfühlsam. Die Frage, ob sich Blatter dafür nicht mitverantwortlich fühle, kam ihm nicht über die Lippen», so die NZZaS.
Blatter-Talk zwei Wochen vorher aufzeichnet
Warum hatte Gredig Blatter nicht einmal auf den prestigeträchtigen Fifa-Prozess um das deutsche «Sommermärchen» angesprochen? Dieser wurde ja am Dienstag – also nur gerade zwei Tage vor der Ausstrahlung der «Gredig direkt»-Sendung – definitiv abgeschlossen. Wäre das nicht zwingend nötig gewesen? Dass Gredigs Fragen oberflächlich blieben, muss nicht mit seinem Know-how oder seiner Vorbereitung in Verbindung stehen. Sondern kann einen ganz simplen Grund haben: Der Talk mit Sepp Blatter wurde nämlich bereits am 9. April aufgezeichnet. Dies «aus Termingründen», so Gredig gegenüber persoenlich.com.
«In aller Regel zeichnen wir jeweils so zeitnah wie möglich auf. Eine frühere Aufnahme kann jedoch – gerade in der jetzigen Zeit, wo auch die Gästeplanung unter erschwerten Bedingungen organisiert werden muss – nicht immer ausgeschlossen werden», so Gredig. In solchen Fällen werde «aber selbstverständlich sichergestellt, dass keine für das Gespräch relevanten neuen Erkenntnisse verpasst werden».

