31.01.2021

SRF

Kulturchefin will nichts schönreden

Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht Susanne Wille über die Sparmassnahmen in ihrer Abteilung.
SRF: Kulturchefin will nichts schönreden
Die neue SRF-Kulturchefin Susanne Wille. (Bild: SRF)

SRF spart beim Kulturprogramm und baut gleichzeitig neun Stellen ab (persoenlich.com berichtete). So werden beispielsweise die Radio-Hintergrundsendung «Kontext» und das TV-Magazin «Kulturplatz» überarbeitet und an das «veränderte Nutzungsverhalten angepasst». Gleichzeitig wird eine tägliche Kulturberichterstattung bei Instagram lanciert.

«Wir müssen viel sparen»

Im Interview mit der Sonntagszeitung sagt die neue SRF-Kulturchefin Susanne Wille: «Ja, wir müssen sparen. Das will ich nicht schönreden. Wir müssen viel sparen.» Sie hätten einfach Budgets kürzen, günstiger produzieren und Sendungen öfters wiederholen können. Das aber wollte Wille nicht. «Wenn schon, dann verbinden wir diesen Prozess mit Entwicklungsaufträgen und können Sendungen auch neugestalten.» Am Beispiels des «Kulturplatz» heisse das: «Wir haben für das neue digitale Angebot Stellen reserviert.». Es gebe einen Aufbau, eine Verschiebung ins Digitale: neue Stellen für ein neues Angebot.

Keine «Alles-oder-nichts-Strategie»

Im Fernsehen werde aber weiterhin ein Kulturmagazin zu sehen sein, das Kultur abbilde. Die parallel dazu laufende Kulturberichterstattung auf Instagram werde für eine Zielgruppe aufgebaut, die nicht mehr linear Fernsehen schaue. Auf die Frage, was passiere, wenn all die Anpassungen nicht funktionierten und das Stammpublikum vergrault werde, sagt die Kulturchefin: «Wir sehen jetzt bereits, dass es bei Angeboten funktioniert, die wir explizit fürs Digitale lanciert haben.» Sie verfolgten keine «Alles-oder-nichts-Strategie». Es würden immer noch 80 Prozent der Mittel ins lineare Angebot investiert. «Unser Bekenntnis zu einem starken Radio und Fernsehen bleibt wichtig.» Und falls tatsächlich etwas nicht funktioniere, so hätten sie immerhin etwas dabei gelernt. (lom)


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KOMMENTARE

Thomas Läubli
31.01.2021 16:30 Uhr
Es wird leider viel übers Formale diskutiert (Verlagerung auf Instagram), aber nicht über die Inhalte. Seit Nathalie Wappler den Sender DRS2 zum Plaudersender herabgestuft hat, traue ich den schönen Worten aus der Marketing-Abteilung nicht mehr. Der Tagesanzeiger macht darauf aufmerksam, dass der Klassik nicht mehr der Stellenwert zukommen soll, der ihr im Gegensatz zu dem Gedudel, das auch auf den Privatsendern läuft, zukommt. Ebenso ist das Streichen bei Doku-Sendungen, Sternstunden und dem Musikjournalismus unverzeihlich. Wie soll man Musik von akustischem Schrott noch unterscheiden können, wenn man nicht mehr lernt, über Musik zu sprechen? Hingegen gehören teure Produktionen wie «Wilder» oder Folgen vom «Tatort» eindeutig nicht zum primären Leistungsauftrag der SRG. Am besten streicht man daher in der Bundesverfassung (Art. 93 Abs. 2) das Wort "Unterhaltung", damit die Bildung wieder ins Zentrum rückt.
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