29.01.2021

SRF

Das Kulturprogramm wird ausgedünnt

20 Vollzeitstellen werden in der Folge abgebaut – gleichzeitig werden elf Stellen geschaffen. Im Verlauf von 2021 kommt es wegen den Sparmassnahmen und der digitalen Transformation zu einer Reihe von Programmanpassungen. Die Änderungen im Detail.
SRF: Das Kulturprogramm wird ausgedünnt
Das wöchentliche TV-Magazin «Kulturplatz» – hier bei Dreharbeiten mit Moderatorin Eva Wannenmacher – soll weiterentwickelt werden. Neu soll es eine tägliche Kulturberichterstattung bei Instagram geben. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Um die Sparmassnahmen umsetzen und neue digitale Angebote realisieren zu können, passt SRF das bestehende Programm an – auch im Kulturangebot. Insgesamt gibt es laut einer Mitteilung rund 15 Entwicklungsaufträge, um bestehende Sendungen anzupassen oder neue Angebote zu realisieren.

Die von den Veränderungen betroffenen Mitarbeitenden seien in den vergangenen Tagen informiert worden. Die NZZ am Sonntag nannte Anfang Dezember die Zahl von 30 Vollzeitstellen, die in der Kulturabteilung abgebaut werden sollen. Kulturchefin Susanne Wille wollte dies damals nicht kommentieren (persoenlich.com berichtete).

Nun liegen konkrete Zahlen vor. «In der Abteilung Kultur werden insgesamt 20 Vollzeitstellen abgebaut und elf Vollzeitstellen für die geplanten neuen Angebote aufgebaut», sagt Andrea Wenger, Leiterin Media Relations bei SRF, auf Anfrage von persoenlich.com. «Es kommt also zu einer Reduktion um neun Vollzeitstellen.» Davon werden 3,6 Vollzeitstellen über Entlassungen abgebaut.

Entwicklungsauftrag bei «Kontext» und «Kulturplatz»

An das veränderte Nutzungsverhalten ausgerichtet wird die tägliche Hintergrundsendung «Kontext» von Radio SRF 2 Kultur, heisst es in der Mitteilung. Dazu habe die Redaktion einen Entwicklungsauftrag erhalten, verbunden mit einer Budgetreduktion. Die Themen und Hintergrundrecherchen, die heute vorwiegend in der 50-minütigen Sendung «Kontext» ausgestrahlt werden, gehören auch künftig zum publizistischen Kernauftrag des Formats. An die zunehmend digitale Nutzung angepasst werden die Dramaturgie und das Sendungskonzept.

Veränderungen gibt es auch in der aktuellen Kulturberichterstattung: Die Redaktion «Kulturplatz» hat den Auftrag erhalten, Form und Konzept des wöchentlichen Kulturmagazins am Fernsehen weiterzuentwickeln. Dazu lanciert SRF eine tägliche Kulturberichterstattung bei Instagram. Die entsprechenden Entwicklungsaufträge werden erteilt.

Vorgezogenes Nachtprogramm bei Radio SRF 2 Kultur

Zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens läuft bereits heute auf Radio SRF 2 Kultur das unmoderierte Klassikprogramm von Radio Swiss Classic. Ab Frühling 2021 wird das Nachtprogramm um zwei Stunden vorgezogen und startet neu um 22.05 Uhr. Die Sendungen nach 22 Uhr wie «Fiori musicali» und «Nachtflug» werden nicht weitergeführt. Auf einen anderen Sendeplatz verschoben werden die Übertragungen von Jazzkonzerten im Rahmen von «Late Night Concert».

Eine Reduktion gibt es bei den Aufzeichnungen von Konzerten im Bereich Klassik im Radio. Durch einen vermehrten Austausch von Konzertaufzeichnungen mit RTS und RSI sowie über die Austauschplattform der EBU bleibt die Anzahl der Erstausstrahlungen von Konzerten im Programm von Radio SRF 2 Kultur praktisch unverändert, heisst es in der Mitteilung weiter. Bei den Aufzeichnungen fokussiere SRF noch stärker auf Nachwuchskünstlerinnen und -künstler sowie zeitgenössische Schweizer Musik. Eine Reduktion erfährt das Budget der Koproduktionen Jazz zur Unterstützung von Master-Tape- und CD-Produktionen. Diese Massnahme habe keine unmittelbare Auswirkung auf das Programm von Radio SRF 2 Kultur.

Auch im Fernsehen sind künftig weniger Ausstrahlungen von klassischen Konzerten zu sehen. Im Programm bleiben die Musiksendeplätze an Karfreitag und an Weihnachten, das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker sowie die aktuelle Berichterstattung über klassische Musik. «Sternstunde Musik» fokussiert auf Dokumentarfilme.

Marktstudie zu Bedürfnissen des literaturaffinen Publikums

Wie bereits im Oktober 2020 angekündigt, kommt es auch im Literatur- und Religionsangebot zu Veränderungen. Die Sendungen «52 beste Bücher», «Zwischenhalt» und «Blickpunkt Religion» werden nicht weitergeführt. Schweizer Autorinnen und Autoren wehrten sich gegen das Aus der Sendung «52 beste Bücher». SRF-Direktorin Nathalie Wappler antwortete ihnen.

In diesem Zusammenhang wird nun das Literaturangebot im Radio neu ausgerichtet, die Redaktion hat einen entsprechenden Entwicklungsauftrag erhalten. In einer vertiefenden Marktstudie werden derzeit die Bedürfnisse des literaturaffinen Publikums an ein Radio- und Onlineangebot abgeklärt. Nach Vorliegen der Ergebnisse startet der Kreativprozess.

Einen Entwicklungsauftrag gibt es auch für das künftige Angebot der Fachredaktion Religion. Vorgesehen sind unter anderem neue, tagesaktuelle Angebote für die SRF News App, um die Themen rund um Religion, Gesellschaft, Ethik und Spiritualität einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Zudem gibt es bei weiteren Sendungen wie «DOK», «Sternstunden» oder im Musikjournalismus und Hörspiel Budgetreduktionen. In den kommenden Wochen erarbeiten die Redaktionen Konzepte, wie diese Kürzungen umgesetzt werden können.

Neue Formate geplant

Neue Angebote insbesondere für ein Publikum unter 45 Jahren sind auch in den Bereichen Wissen, Fiktion, Philosophie und Dokumentation geplant. Diese Entwicklungsarbeiten sind teilweise bereits angelaufen oder werden demnächst aufgenommen. Über die konkreten Neuerungen und Sendestarts wird SRF laufend informieren.

Mit «Bleisch & Bossart» ist Ende 2020 ein neues YouTube-Format für ein jüngeres, an Philosophie interessiertes Publikum an den Start gegangen. Rund die Hälfte aller Videostarts und zwei Drittel der Wiedergabedauer stammen aus der Zielgruppe der unter 45-Jährigen.

Aktuell setzt SRF wegen der rückläufigen Werbeeinnahmen ein Sparprogramm in der Höhe von 16 Millionen Franken um. Um gleichzeitig neue Angebote für die zunehmend mobile, digitale, orts- und zeitunabhängige Nutzung realisieren zu können, sind bis Ende 2022 weitere Umschichtungen im Umfang von 52 Millionen Franken nötig (persoenlich.com berichtete). (pd/cbe)



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Kommentare

  • Mark Balsiger, 29.01.2021 15:20 Uhr
    SRF lanciert also «eine tägliche Kulturberichterstattung bei Instagram». Das ist doch passgenau diejenige Plattform, auf der sich hundertausende kulturaffine Menschen tummeln und sich mit einer grosssen Treue zu einzelnen Medienmarken auszeichnen. Ironie beiseite, da beginnt ein Blindflug.
  • Bruno De Bona, 29.01.2021 14:47 Uhr
    „Auch im Fernsehen sind künftig weniger Ausstrahlungen von klassischen Konzerten zu sehen. Im Programm bleiben die Musiksendeplätze an Karfreitag und an Weihnachten, das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker sowie die aktuelle Berichterstattung über klassische Musik. «Sternstunde Musik» fokussiert auf Dokumentarfilme.“ Wirklich starke Leistung der Kulturverantwortlichen/innen. Drei Konzerte pro Jahr! Dafür werden nun immerhin die Serafe-Gebühren unter zehn Franken fallen: auch pro Jahr.... Bruno De Bona
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