Im November soll bei DRS 2 kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Wie die Medienwoche bereits am Mittwoch berichtete, wird mit der Zusammenführung von Radio DRS und Schweizer Fernsehen SF zu SRF das DRS-2-Programm neu ausgerichtet. "Wir wollen uns als Kulturradio für die Zukunft positionieren", sagt Programmleiterin Franziska Baetcke gegenüber der Medienwoche. Zudem sprach intern SRF-Kulturchefin Nathalie Wappler von einem "Befreiungsschlag".
Die grössten Veränderungen betreffen die Hauptsendezeiten. Bisher gab es zwischen 6 und 9 Uhr längere Musikstrecken und Nachrichten, künftig "kommen zum bisherigen Angebot von Musik und Moderation aktuelle kulturjournalistische Beiträge hinzu", sagt Baetcke. Dasselbe gilt für den Vorabend. Dort wird zudem die Musikauswahl verbreitert und auch Easy-Listening-Jazz, Blues und Singer-Songwriter-Musik gespielt. Eingestellt wird dafür das Magazin "Atlas" über andere Länder, ihre Menschen und Musik. Über die Klinge springen wird auch die Musiksendung "Cocktail". Und die Beiträge, die in "DRS 2 aktuell" kompakt am Mittag angeboten wurden, werden über den Tag verteilt.
Wie am Wochenende die "NZZ am Sonntag" schreibt, sorgt das neue Konzept bei den Kulturschaffenden für Aufregung. Deren Dachverband Suisse Culture fordert den Verzicht "auf den radikalen Umbau von DRS 2 von einem Qualitäts- zu einem Populärradio". Präsidentin Ruth Schweikert befürchtet, dass es zum Kurzfuttersender verkommt. "Wenn man immer nur das Neuste und Aktuellste bringen will, dann wird der Atem verkürzt, und die Tiefe der journalistischen Leistungen nimmt ab", sagt die Schriftstellerin gegenüber der NZZaS. Sie befürchtet einen Verlust an Fachkompetenz, den Abbau von Spezialisten zugunsten von journalistischen Allroundern.
Wie die NZZaS weiter weiss, kommt auch intern das neue Konzept nicht nur gut an. Kritisiert wird insbesondere, dass der neue Kulturbegriff des Senders schwammig sei und Abteilungen zusammengelegt würden. Es bleibe weniger Zeit für Recherche, sei zu hören.
Wie Baetcke sagt, ist die Neuausrichtung kein Abbauprojekt. "An unserem hohen Qualitätsanspruch ändert sich gar nichts." Es würden weder Stellen gestrichen noch das Budget gekürzt. Das Konzept sei gemeinsam mit Mitarbeitern entwickelt worden. Sie ist überzeugt, dass sich das neue SRF 2 Kulturradio neue Hörerkreise erschliessen wird, ohne die bisherigen zu verärgern. (mw/NZZaS/eh)

