Herr Prange, warum kauft der "persönlich Verlag" das "du"?
Das "du" zu machen, ist ein alter Lebenstraum von mir. Wir waren schon dabei, als die Tamedia das Kunst- und Kulturmagazin vor vier Jahren ausschrieb. Damals landeten wir auf dem zweiten Platz. Das "du" ist eine wundervolle Marke. Die besten Schriftsteller und Maler erschienen im "du". Als ich bei Verleger Viktor Heer in den Keller hinabstieg, um die 70 Paletten des "du"-Lagers zu besichtigen, wurde ich von Ehrfurcht erfüllt. Ich nahm eine Ausgabe aus dem ersten Erscheinungsjahr 1941 aus dem Gestell. Darin war ein Text von Robert Walser über Heinrich von Kleist. Da wurde mir wirklich bewusst, welches Erbe ich angetreten habe. Ich freue mich darauf.
Wird das Heftkonzept verändert?
Das Kapital von "du" ist sein Erbe. Nur muss man es in die heutige Zeit transferieren. Das "du" war immer etwas zwischen Zeitschrift und Buch. Das möchten wir beibehalten. Wir möchten weiterhin Themenhefte machen, aber nicht immer. Nur müssen die Themen offen sein, so dass es auch spannend bleibt, wenn man es episch aufrollt. Auch dem künstlerischen Bild soll wieder mehr Gewicht beigemessen werden. Das Format soll aber bleiben. Schliesslich wird es die Aufgabe des Chefredaktors sein, den wir momentan suchen, dem "du" neues Leben einzuhauchen.
Gibt es überhaupt einen Markt für das "du"?
Ich glaube schon. Kunst und Kultur sind ein boomender grosser Markt. Es gibt heute Zeitschriften im Fachbereich für ein kleines professionelles Zielpublikum und anderseits die Kultur-Bünde in den Zeitungen, die sich an ein Massenpublikum richten. Ich glaube, dazwischen gibt es Platz für eine gut gemachte Zeitschrift für den interessierten Bildungsbürger, der neugierig auf die Welt als Ganzes ist. Zudem kommunizieren immer mehr Wirtschaftsunternehmen und Touristik-Orte über Kunst und Kultur, wodurch sich immer mehr Menschen mit der Materie beschäftigen.
Die früheren Verleger haben mit "du" kein Geld verdient. Was wollen Sie besser machen?
Für die früheren Verleger kann ich nicht sprechen. Indessen scheint es mein Schicksal zu sein, dass ich etwa alle fünf Jahre nach den Sommerferien eine zusätzliche Zeitschrift antrete. 1996 lancierte ich mit meinem Kompagnon Bruno Hug das heutige "persönlich rot" innert dreier Monate. Wir gingen einen ungewöhnlichen Weg. Keine andere Werbe- und Medienzeitschrift in Europa ist wie "persönlich rot". 2000 schalteten wir das Internet-Portal "persoenlich.com" auf. 2001 starteten wir "persönlich blau", eine Wirtschaftszeitschrift mit Schwerpunkt Marketing. Beide sind heute äusserst erfolgreich. Und 2007 folgt nun das "du". Die Dezember-Ausgabe ist die erste, für die wir verantwortlich sind. Die Zeitschriften erscheinen alle zehnmal im Jahr. Damit haben wir Erfahrung und können Synergien nutzen.
Sie haben doch wenig Erfahrung mit Kultur-Magazinen, sondern machen Werbe-, Medien- und Kommunikationsmedien?
So weit entfernt sind die "persönlich"-Medien ja nicht. Bei diesen Branchen geht es ebenso um Identitäten, Botschaften, Inhalte und Formate -- nur im kommerziellen Bereich. Wobei man nicht mehr sagen kann, dass es bei der Kunst nicht um Kommerzielles geht. Aber ich freue mich auf den Chefredaktor, der sich in der Community bestens auskennt.
Wie sieht es mit dem bestehenden Personal aus?
"du" beschäftigt noch zwei Teilzeit-Redaktoren, eine Assistentin und eine Volontärin. Mit ihnen sind wir im Gespräch. Das "du" braucht aber einen Chefredaktor. Er trifft die Entscheide über sein Team.
Arbeiten Sie weiterhin mit dem Niggli-Verlag zusammen?
Ja. Wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Viktor Heer, der sehr erfolgreich ist. Er wird das "du" weiterhin drucken und distribuieren. Das ist uns sehr wichtig. Er hat die Verteilung an Kioske und Buchhändler in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Übersee hervorragend organisiert. Darauf können wir zurückgreifen. Zudem hat er ein Lager aufgebaut, so dass Interessierte immer wieder auf frühere "du" zurückgreifen können.
(Interview: Matthias Ackeret)
Zur Pressemitteilung "'du' zum persönlich Verlag"

