18.06.2022

Digital News Report 2022

Leser sind bereit zu zahlen, vertrauen Medien aber weniger

Immer mehr Menschen in der Schweiz informieren sich über das aktuelle Geschehen online anstatt in den Printmedien. Auch die Bereitschaft, für Online-News zu zahlen, ist in den letzten Jahren gestiegen. Das Vertrauen in die Medien aber sinkt.

Der Digital News Report des Reuters Institute an der Universität Oxford untersucht seit elf Jahren jedes Jahr die Nutzung von Medien. Der diesjährige Bericht basiert auf Online-Umfragen des Meinungsforschungsunternehmens YouGov unter 93'000 Personen in 46 Ländern Ende Januar. Die zusätzliche Umfrage zum Ukraine-Krieg startete im April unter 5000 Personen in Deutschland, Grossbritannien, Polen, den USA und Brasilien. persoenlich.com hat sich die Bereiche Informationsquellen, Vertrauen in die Medien, Interesse an Nachrichten und Zahlungsbereitschaft angesehen.

Der Grossteil informiert sich online

Laut der Studie informieren sich 80 Prozent der Befragten online. Für 57 Prozent ist das Fernsehen die wichtigste Informationsquelle – das sind 12 Prozent weniger als vor sechs Jahren. Der grösste Rückgang zeigt sich bei den Printmedien: 2016 gaben noch 62 Prozent an, Zeitungen als Hauptquelle für News zu nutzen, heute sind es nur noch 40 Prozent.

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Die Zahlungsbereitschaft steigt

In der Schweiz gaben 18 Prozent der Befragten an, Geld für Online-Informationen auszugeben. Das sind sieben Prozent mehr als im Jahr 2019. Im internationalen Vergleich liegt der Wert leicht über dem Durchschnitt. Etwas höher ist diese Bereitschaft in Belgien, Finnland und den USA (je 19 Prozent), Italien (16 Prozent) und Frankreich (elf Prozent). Überdurchschnittlich zahlungswillig sind die Norweger (41) und Schweden (33). Am geringsten ist die Bereitschaft, für Online-News zu bezahlen, in Grossbritannien.

Das Vertrauen in die Medien schwindet

46 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer vertrauen dem Grossteil der Medien. Das sind fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Die nationalen Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern sind gross: In Finnland vertrauen 69 Prozent den Medien, in den USA und der Slowakei nur 26 Prozent. In Deutschland liegt die Quote bei 50 Prozent, in Frankreich bei 29 Prozent.

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SRF ist am vertrauenswürdigsten

Sowohl in der Deutschschweiz (73 Prozent) als auch in der Romandie (68 Prozent) werten die Befragten SRF bzw. RTS als die vertrauenswürdigste Informationsquelle. An zweiter Stelle liegen regionale bzw. lokale Nachrichten. In der Deutschschweiz folgen darauf die NZZ, NZZ am Sonntag und der Tages-Anzeiger. In der Romandie sind es Le Temps, 24 heures und Le Matin. Weniger Vertrauen geniessen Blue News, Watson (44 Prozent) oder der Blick (39 Prozent).

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Das Interesse an Nachrichten geht zurück

Der Bericht zeigt: Das Interesse an Nachrichten schwindet weltweit. Auch in der Schweiz hat es in den letzten Jahren abgenommen. Rund die Hälfte der Befragten Schweizerinnen und Schweizer gab an, sich «sehr» oder «sehr stark» für Nachrichten zu interessieren. Das sind neun Prozent weniger als 2016.

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Ein weiterer Trend: Insgesamt gaben fast vier von zehn aller Befragten in den untersuchten Ländern an, dass sie manchmal bewusst Informationen vermeiden. 2017 waren es noch 29 Prozent. In Brasilien (54 Prozent) und Grossbritannien (46 Prozent) hat sich dieser Anteil innerhalb von fünf Jahren fast verdoppelt. In Frankreich stieg der Anteil um sieben Prozent auf 36 Prozent. In Deutschland liegt er bei 29 Prozent (gegenüber 24 Prozent in 2017).

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Als Hauptgründe gaben 43 Prozent der Befragten an, dass die Medien zu viel über Politik und die Corona-Pandemie berichten. 36 Prozent gaben wiederum an, Nachrichten zu vermeiden, weil sie ihnen aufs Gemüt schlagen. 29 Prozent fühlen sich durch Menge an Informationen überfordert.

Den vollständigen Digital News Report finden Sie hier. (mj)

 



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