12.12.2016

Doris Leuthard

«Man möchte keine Lachnummer sein»

Medienministerin Doris Leuthard war am Sonntag der letzte Talk-Gast bei «Giacobbo/Müller». Im Anschluss an die Sendung sprach sie mit persoenlich.com über satirische Interviews und sie verrät, ob die Sendung jeweils auch Thema an den Bundesratssitzungen war.
Doris Leuthard: «Man möchte keine Lachnummer sein»
War der letzte Talkgast bei «Giacobbo/Müller»: Medienministerin und Bundespräsidentin 2017 Doris Leuthard. (Bild: SRF/Mirco Rederlechner)

Frau Leuthard, ist es schwieriger von einem Satiriker interviewt zu werden als von einem regulären Journalist?
Die Situation ist eine andere. Als Politiker oder Politikerin möchte man bei «Giacobbo/Müller» keine Lachnummer sein, trotzdem will man ja nicht wie ein trockenes Guetzli rüber kommen (lacht). Ich nahm mir vor der Sendung vor, möglichst natürlich und normal Auskunft zu geben, denn als Bundesrätin kann ich auch nicht blödeln. Jetzt, im Nachhinein, hoffe ich, dass das einigermassen geglückt ist. Generell ist es tatsächlich schwieriger in einer solchen Satiresendung aufzutreten als in einer normalen Polit-Talk-Sendung.

Ist es tatsächlich so, dass die Talk-Gäste keine Ahnung über die Interviewthemen haben?
Ja, genau so ist es. Ich wusste nicht, zu welchen Themen mich Viktor Giacobbo befragen wird. Vor dem Auftritt wurde ich lediglich über die Treppenstufe informiert, damit ich dort nicht runterfalle. Zudem musste ich die Stuhlhöhe testen, damit ich richtig im Bild sitze. Das war schon alles. Abgesprochene Themen oder Fragen gab es keine.

Im Gegensatz zu Ueli Maurer oder Johann Schneider-Ammann sind Sie ja nicht regelmässig parodiert worden. War «Giacobbo/Müller» jeweils ein Thema an Bundesratssitzungen?
(lacht) Ja, in den Kaffeepausen gab es schon ab und zu Bemerkungen oder jemand sagte: «Jetzt reicht es dann aber». Die Parodien kamen bei einigen Bundesräten nicht immer gut an. Ich sehe das locker. Wenn man über sich selber lachen kann, ist das ein Zeichen der Souveränität.

Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach medienkritische Polit-Satire im Diskurs in diesem Land?
Eine sehr hohe Bedeutung. Wir könnten in der Schweiz diesbezüglich sicher noch zulegen. Sehr oft beobachten wir heute eine Polarisierung der Meinungen, der Ton ist hart und zu Teilen giftig. Diese Art der Satire, ob sie nun medienkritisch ist oder nicht, entschärft und bringt den Diskurs auf eine Ebene zurück, wo man die Art und Weise, wie man mit Kritik oder Fehlern umgeht, versachlicht. Eine Gesellschaft muss sich diese Fähigkeit aneignen.

Das tönt nach einem klaren Auftrag an die SRG.
Ja. Zu einem Service-Public-Auftrag gehört Information, Unterhaltung, Kultur – also genau die Felder der politischen Satire. Ich hoffe daher sehr, dass es qualitativ ähnliche Nachfolgesendungen geben wird.

DorisLeuthardInti

Doris Leuthard im Gespräch mit persoenlich.com. (Bild: Christian Beck)


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