
Herr Scaglione, Sie haben lange für eine UKW-Frequenz gekämpft, jetzt haben Sie gleich zwei bekommen. Wie gross ist die Genugtuung?
Herr Scaglione, Sie haben lange für eine UKW-Frequenz gekämpft, jetzt haben Sie gleich zwei bekommen. Wie gross ist die Genugtuung?
Sie sind nun der einzige Veranstalter auf dem Platz Zürich mit zwei Sendern. Sehen Sie sich als neuen Radiokönig in der Limmatstadt?
Im Gegensatz zu vielen Verlegern oder anderen Radiomachern, betreibe ich Radio aus Leidenschaft und nicht aus Machtüberlegungen heraus. Bei uns ist nicht der Chef der König sondern die Musik, die redaktionellen Inhalte und das Publikum. Die Tatsache, dass wir neben den bestehenden sprachregionalen Kabelprogrammen (105, Rock Nation und Radio Monte Carlo Swiss) und dem Web-Fernsehsender 105TV im grössten Kommunikationsraum der Schweiz, nämlich im Raum Zürich, auch noch mit zwei Programmen auf UKW senden können, macht uns zum grössten privaten Radioveranstalter der Schweiz. Das ist eine einzigartige Ausgangslage.
Dieses Mal haben Sie vom dem Vergabe-System profitiert. Ist es jetzt darum auch ein gutes System?
Es ist nicht an mir, zu beurteilen, ob das System gut oder schlecht ist. Fakt ist: Alle Bewerber kannten die Spielregeln und somit das System und alle haben es im Vorfeld akzeptiert. Die Behörden hatten im Vorfeld versprochen, sich strikt an die Kriterien der Ausschreibung und an das Gesetz zu halten. Sie haben ihr Versprechen gehalten und damit das einzig richtige getan. Wäre man nicht so vorgegangen, wären die Diskussionen darüber, wer nun besser sei als der andere unendlich und es würde die Gefahr von Willkür bestehen. So aber hat man nach dem Gesetz gehandelt und die Entscheide werden dadurch auch vor dem Bundesverwaltungsgericht Stand halten. Das System hat gezeigt, dass nicht automatisch nur die grossen Platzhirsche zum Zug kommen, sondern auch neue Veranstalter eine Chance erhalten, und kann deshalb nicht so schlecht sein.
Energy Zürich oder Tele Tell wird vom Staat die Existenzgrundlage entzogen. Findest Sie es in Ordnung, wenn staatliche Behörden eine erfolgreiche Firma schliessen?
Moment mal. Das stimmt so überhaupt nicht. Alle, auch Energy Zürich, wussten sehr genau, dass die Konzessionen nur für 10 Jahre gültig sind und im März 2009 auslaufen. Eine lebenslange Garantie auf eine UKW-Konzession hat niemand. Das wird von gewissen Verlagsherren anscheinend bewusst verschwiegen und man macht dadurch der Bevölkerung und den Mitarbeitern etwas vor. Es gab eine Ausschreibung und somit einen Wettbewerb. In diesem Wettbewerb gab es nun Kandidaten, die besser abgeschnitten haben als Energy. Jeder kann im Internet das Gesuch von Energy nachlesen und sich ein eigenes Bild machen. Nicht Bundesrat Leuenberger ist Schuld am Scheitern von Energy, sondern die Arroganz und die komplette Selbstüberschätzung gewisser Verlags- und Radiomanager. Anders kann man das schlecht abgefasste Gesuch von Energy nicht begründen. Sorry, aber wenn Energy in seinem Gesuch nicht einmal merkt, dass nach dem neuen Gesetz z.B. Radarwarnungen verboten sind und diese in seinem Programm anbietet, dann haben gewisse Leute einfach ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Punkt. Wenn man die Hörer- und Leserreaktionen liest, sieht man schnell: Die Bevölkerung kann mit diesem Entscheid gut leben.
Es gehen aber Arbeitsplätze verloren.
Für die Mitarbeiter von Energy Zürich ist es sicher hart, aber es gehen jetzt mit den neuen Veranstaltern im Raum Zürich auch neue Türen auf.
Glauben Sie, dass sich nun mehr Widerstand gegen die gängige Praxis regt, weil zum ersten Mal auch grosse Medienhäuser (Tamedia, Ringier) betroffen sind?
Ja, es sieht bereits jetzt danach aus. Doch das ist lächerlich. Denn ausgerechnet die Verlagshäuser haben zusammen mit der SRG dieses Gesetz gewollt und es mitgeformt. Nur weil man jetzt leer ausgeht, die ganze Schuld dem System und dem Medienminister zuzuschieben, zeugt nicht gerade von einem starken Charakter. Die Verlagshäuer haben das Ganze wohl nicht sehr ernst genommen und sich angesichts ihrer Marktmacht über dem Gesetz gesehen. Das schlimmste an der ganzen Geschichte ist, dass sich nun auch noch verschiedene Politiker von diesen Medienkonzernen einspannen lassen und dass man nun lauthals ein System kritisiert, das man selber aufgebaut hat. Das ist Populismus pur! Das BAKOM, das UVEK und Bundesrat Leuenberger haben hingegen grossen Mut bewiesen und mit ihren Entscheiden in Kauf genommen, möglicherweise die grossen Verlagshäuser gegen sich aufzubringen. Ohne diesen Mut würde eine moderne Medienlandschaft schnell alt aussehen und nur noch von 1-2 grossen Medienkonzernen dominiert. Das wollte weder der Gesetzgeber noch will es das Publikum.
(Interview: Stefan Wyss)

