19.08.2004

"Matthias Hagemann, geht es um Stolz?"

Die Basler Zeitung hat diese Woche, kurz vor ihrem Relaunch, gleich zwei mal von sich reden gemacht: zum einen wegen des Zusammengangs mit Tamedia und Berner Zeitung beim neuen Inseratekombi MetroPool. Andererseits wegen der Stellenanzeiger-Kooperation mit der Konkurrentin Basellandschaftliche Zeitung. Hat die BaZ ihre Minderheitsaktionärin PubliGroupe brüskiert? Und mit wem erfolgt die nächste Zusammenarbeit? "persoenlich.com" hat mit BaZ-Verleger Matthias Hagemann (Bild) gesprochen. Das Interview:
"Matthias Hagemann, geht es um Stolz?"

Die PubliGroupe hält 37 Prozent an der Basler Zeitung Medien sowie Kreditforderungen in unbekannter Höhe. Statt an "P" und NZZ lehnt sich die BaZ nun aber an Tamedia an. Wie hat man diese Ohrfeige in Lausanne empfangen?

(Lacht) Sie provozieren mit Unterstellungen, so ist das natürlich nicht. Wahr und bekannt ist, dass die PubliGroupe 37 Prozent an der BZM hält. Daraus ergeben sich ganz normale Aktionärsforderungen. Kreditforderungen existieren hingegen keine. Ausserdem hat PubliGroupe-CEO Hans-Peter Rohner bereits öffentlich gesagt, dass er keinen Anlass für eine Veränderung der Besitzverhältnisse sieht. Und auch wir sind mit dem gegenwärtigen Zustand zufrieden, es besteht auf Aktionärsstufe ein guter Dialog. Wie gut diese Partnerschaft ist, mag der Umstand belegen, dass "P Basel" demnächst zu uns an die Hochbergerstrasse zieht. Im weiteren gibt es im Rahmen von Metropool keinerlei "Anlehnung" irgendeines beteiligten Partners. Wir haben ganz einfach gemeinsam mit Tamedia und Berner Zeitung eine Anzeigenkombination gegründet, und kommen damit den Bedürfnissen des Werbemarkts nach.

Immerhin wären auch andere "Kombis" denkbar gewesen...

Aber keines, das gleich viel Sinn gemacht hätte.

Sie selber waren der Tamedia bis anhin nicht eben grün und haben sich auch schon gegen Kooperationen mit der Werdstrasse ausgesprochen. Was hat Sie umgestimmt?

Für mich gilt im Zusammenhang mit den Zürcher Grossverlagen immer die gleiche Devise: Ich ärgere mich, wenn man uns nicht auf gleicher Höhe begegnen will und uns etwas vorzuschreiben versucht. Sobald man uns aber mit Respekt behandelt und gute, faire Angebote macht, haben wir keine Probleme, mit einem der beiden zusammenzuarbeiten. Im vorliegenden Fall ist uns Tamedia fair begegnet, die Verhandlungen waren gut.

Geht es also letztlich um Stolz?

Nein, um Win-Win-Situationen. Kooperationen müssen für beide Parteien vorteilhaft sein, und beide müssen ihre Interessen einbringen können.

Dennoch: Man sagt Ihnen nach, Sie besässen zur NZZ eine grössere Affinität als zur Tamedia.

Das ist falsch. Es gibt keine unterschiedlichen Affinitäten. Es geht darum, in was für einem Klima konkrete Gespräche stattfinden.

Tamedia stand unter Zugzwang, weil Sie beim "P"-NZZ-Deal das Nachsehen hatte. Welche Zugeständnisse haben Sie den Zürchern abgerungen?

Wir können keine Verhandlungsdetails ausplaudern. Sicherlich sind wir mit den Bedingungen aber zufrieden, sonst hätte sich kein Vertrag ergeben.

Konkret: Der Kombi-Rabatt soll kundenfreundlich ausfallen. Wie setzt sich die Verteilung unter den einzelnen Titeln im Detail zusammen?

Darüber geben wir keine Auskunft. Auch nicht zu einem späteren Zeitpunkt.

Oder haben Sie Tamedia davon überzeugen können, sich vom TV-Markt Basel fern zu halten?

Der Fernsehmarkt Basel ist besetzt. Es gibt TeleBasel als Stiftung, die vom Kabelgebührenzahler indirekt mit zwei Millionen Franken querfinanziert wird. Der zweite Lokalsender, NordWest 5, ist in einer etwas unübersichtlichen Situation.

Rein theoretisch zumindest könnte man sich ein Interesse der Tamedia an NW5 aber vorstellen, um die Position im "goldenen Dreieck" Zürich-Basel-Bern zu stärken. Das wäre für Ihr Haus nicht nur angenehm.

Ich gehe davon aus, dass ein Engagement im Basler Fernsehmarkt eher eine Verlustbeteiligung wäre. Zudem gehe ich davon aus, dass wir bei einer guten Partnerschaft mit Tamedia über diesbezügliche Pläne frühzeitig unterrichtet würden.

Haben Sie das schriftlich vereinbart?

Nein.

Als Bittstellerin muss man Tamedia wohl auch in Bezug auf das "Tagi-Magi" sehen. Die BaZ fordert sehr weitgehende Mitspracherechte. Lassen Sie sich hier erweichen?

Wir wollen in all unseren Geschäften sehen können, dass wir für unser Unternehmen das richtige tun. Sollte das Magazin des Tages-Anzeigers der Basler Zeitung beigelegt werden, müsste es ein nationaler Titel werden und wir müssten ein publizistisches Mitspracherecht erhalten.

Die Weichenstellung wird bereits für nächste Woche erwartet. Verhandeln Sie noch, oder ist es nun allein an Tamedia zu entscheiden?

Über den Stand der Gespräche kann ich nichts sagen.

Verblüfft haben Sie die Branche auch mit Ihrer Annäherung an die Basellandschaftliche Zeitung, bezeichnete es Verlagsleiter Mathis Lüdin doch vor kurzem noch als "unsinnig", würde "die einzige Baselbieter Tageszeitung" mit der BaZ kooperieren. Womit haben Sie Ihren Konkurrenten geködert?

Es geht hier keineswegs um einen Köder, sondern um die Philosophie, die wir auch sonst haben: Wir wollen mit einem sinnvollen Zusammenarbeitsmodell an einzelne Verlage herantreten -- allerdings keinesfalls mit Übernahmen, sondern unter Wahrung der Selbständigkeit. Unser Stellenanzeiger Stellefant ist offensichtlich so ein Fall.

Welche weiteren Kooperationsmöglichkeiten sehen Sie?

Momentan keine.

Ist das nicht enttäuschend, nachdem Sie mutig in aller Öffentlichkeit die Hand zur Zusammenarbeit geboten haben?

Nein, was wir erreicht haben, ist sehr vielversprechend. Mein Angebot erfolgte vor nicht einmal einem Jahr, und bereits arbeiten wir mit dem Fricktaler Boten und der Basellandschaftlichen Zeitung zusammen. Damit hätte ich in dieser kurzen Zeit nicht gerechnet.

Sind Ihre Kooperationsbedürfnisse demnach bereits gestillt?

Nein. Bei anderen Verlagen liegt der Ball derzeit bei uns.

Das sagten Sie uns bereits vor ein paar Monaten...

Sie wissen vielleicht, dass die BaZ derzeit gerelauncht wird. Das braucht Zeit, ebenso wie die Verhandlungen zu den neuen Kooperationen. Wir machen einen Schritt nach dem anderen.


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