22.06.2022

Wikileaks

Medien fordern die Freilassung von Assange

Journalisten, Medienverbände und Verleger aus der Schweiz und anderen Ländern rufen zur Freilassung des Wikileaks-Gründers auf. Bei einer Auslieferung in die USA drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft.
Wikileaks: Medien fordern die Freilassung von Assange
Der australische Staatsbürger Julian Assange hat ab 2010 Hunderttausende geheimer Dokumente veröffentlicht, (Bild: Keystone/Frank Augstein)

Die Verfasser des Aufrufs, darunter die wichtigsten Zeitungen der Westschweiz, appellieren an die britischen und amerikanischen Behörden, den 50-jährigen Assange «unverzüglich freizulassen und die Anklagen gegen ihn fallen zu lassen». Mit ihrem Appell wollen sie den Wikileaks-Gründer, der seit drei Jahren inhaftiert und gesundheitlich angeschlagen ist, «in seinem Kampf um seine Freiheit und den Erhalt der Pressefreiheit unterstützen», wie der Schweizer Presseclub in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt.

Eine Verurteilung von Assange hätte zur Folge, dass Journalistinnen und Journalisten nicht mehr auf «undichte Stellen» und als «geheim» eingestufte Dokumente zurückgreifen dürften, selbst wenn diese Informationen von grossem öffentlichen Interesse enthalten würden.

Die Unterzeichner des Appells sehen darin darin eine «erhebliche Behinderung» ihres Berufs und gleichzeitig eine Gefahr für das Funktionieren von Demokratien, wenn Journalisten nicht mehr die Freiheit hätten, zu recherchieren und zu veröffentlichen.

Vorwurf der Spionage

Der australische Staatsbürger Julian Assange hat Wikileaks 2006 gegründet und ab 2010 teilweise in Zusammenarbeit mit grossen Zeitungen Hunderttausende geheimer Dokumente veröffentlicht, die Korruptions- und Spionageskandale sowie Menschenrechtsverletzungen aufdeckten. 

Einige der Dokumente betrafen den Krieg der USA im Irak. Ein Video zeigte einen Angriff eines Armee-Helikopters auf Zivilisten in den Strassen von Bagdad, bei dem mehrere Menschen getötet wurden, darunter zwei Reuters-Journalisten. Für diese «offenkundigen» Kriegsverbrechen und «eklatanten» Menschenrechtsverletzungen sei nie eine Anklage erhoben worden. Nur Assange sitze seit drei Jahren im Gefängnis.

Die US-Justiz will Assange wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Dieser wehrt sich schon seit mehr als zehn Jahren dagegen, dass er an die Vereinigten Staaten überstellt wird, wo ihm bis zu 175 Jahre Haft drohen. Seit 2019 sitzt er in London im Gefängnis. Zuvor hatte er sich mehrere Jahre in der ecuadorianischen Botschaft in London dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden entzogen.

Letzte Woche genehmigte der konservative britische Innenminister Priti Patel die Auslieferung Assanges an die USA. Wikileaks will gegen diesen Entscheid Berufung einlegen. (sda/mj)



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