30.03.2026

Emek

«Medienpolitik ist immer auch Demokratiepolitik»

Nach viereinhalb Jahren an deren Spitze verlässt Anna Jobin Ende April die Eidgenössische Medienkommission (Emek). Gegenüber persoenlich.com erklärt sie, was die Emek zur Medienpolitik beigetragen hat – und was ihr mit Blick auf die Schweizer Medienlandschaft Sorgen bereitet.
Emek: «Medienpolitik ist immer auch Demokratiepolitik»
Von 2021 und noch bis Ende April 2026 Präsidentin der Eidgenössischen Medienkommission: Anna Jobin, Sozialwissenschaftlerin und Assistenzprofessorin in Fribourg. (Bild: Keystone/Cyril Zingaro)

Anna Jobin, Sie treten Ende April als Emek-Präsidentin zurück. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Mein Rücktritt erfolgt aufgrund einer beruflichen Neufokussierung auf die Forschung: Im letzten Jahr habe ich an der Universität Fribourg ein grosses Forschungsprojekt zu den gesellschaftlichen Aspekten von KI begonnen und bin Assistenzprofessorin geworden. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber ich gehe mit gutem Gewissen.

Inwiefern?
Die Emek konnte in den letzten Jahren wichtige medienpolitische Impulse geben und ist fachlich sehr gut aufgestellt. Dafür danke ich ausdrücklich auch den ehemaligen und aktuellen Mitgliedern der Kommission.

Die Emek berät den Bundesrat und die Verwaltung in Medienfragen. Stiessen Sie auf offene Ohren?
Das müssten Sie am besten die entsprechenden Stellen fragen. Soweit ich das beurteilen kann, wurde unsere Arbeit geschätzt. Und gerade unsere veröffentlichten Berichte wurden als wertvolle Impulse für eine zukunftsgerichtete Medienpolitik gewürdigt.

Während Ihrer Emek-Zeit erlebten Sie den Wechsel an der Uvek-Spitze von Simonetta Sommaruga zu Albert Rösti. Was hat sich damit geändert?
Als unabhängige Beratungskommission hat sich für die Emek durch den Wechsel wenig geändert. Unser Auftrag ist der gleiche geblieben, gestützt auf die Einsetzungsverfügung der Kommission: den Bundesrat und die Verwaltung in Medienfragen vorausschauend und im öffentlichen Interesse zu beraten. Wir können auf eigene Initiative Handlungsbedarf identifizieren und Lösungsoptionen vorschlagen.

Wenn Sie auf die medienpolitische Diskussion und die Entwicklung der Medienpolitik in der Schweiz blicken: Wo erkennen Sie die Handschrift der Emek?
Die Emek bringt vor allem Weitsicht, Übersicht und Unabhängigkeit in die medienpolitische Diskussion. Ohne sie würden langfristige Fragen manchmal zu kurz kommen, beispielsweise wie eine zukunftsgerichtete Journalismusförderung aussehen sollte oder was der mediale Service public im digitalen Zeitalter leisten muss. Dabei darf man nicht vergessen: Medienpolitik ist nicht einfach Industriepolitik für Medienhäuser, sondern immer auch Demokratiepolitik. Entsprechend erinnert die Emek gerne daran, dass sich weder die Medienhäuser noch die Politik von kurzfristigen Brancheninteressen leiten lassen sollten.

Welche Entwicklungen in der Schweizer Medienlandschaft bereiten Ihnen die grössten Sorgen?
Erstens beschäftigt mich, wie wir in Zukunft eine vielfältige journalistische Landschaft in allen Sprachregionen finanzieren können, die mehr ist als ein paar grosse Medienhäuser mit Mantelredaktionen. Zweitens stellt sich die Frage, wie der mediale Service public seinen Auftrag erfüllen kann, wenn gleichzeitig der Druck wächst, ihn immer stärker einzuschränken. Drittens beobachte ich, dass die Branche sich politisch zu oft in Kurzfristigkeit und Einzelinteressen verliert, statt gemeinsam nach langfristig tragfähigen Lösungen zu suchen. Das schwächt den Journalismus als Ganzen, der inzwischen in Konkurrenz steht mit allerlei Arten von Inhalten und Unterhaltungsangeboten.

Wie intensiv werden Sie auch nach Ihrem Ausscheiden die Medienentwicklung in der Schweiz verfolgen?
Ich gebe das Amt ab, aber nicht das Interesse. Das Informationsökosystem und die Medienentwicklung werde ich weiterhin aufmerksam verfolgen – nicht mehr als Kommissionspräsidentin, sondern als Bürgerin und Digitalisierungsforscherin.


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