Mercedes-Werbung auf der ganzen Front

Sonntagszeitung - Ein Inserat statt journalistischer Inhalte: Auf der Frontseite der SoZ prangt auf schwarzem Hintergrund das Wort «Nichts.». Die Auflösung folgt auf der nächsten Seite: Es wird für die S-Klasse des deutschen Autoherstellers geworben. Tamedia betont auf Anfrage, die redaktionelle Berichterstattung über Mercedes sei komplett unabhängig erfolgt.

von Tim Frei

Auf der Frontseite der «Sonntagszeitung» vom 30. Juli sind für einmal nicht Artikel zu finden sondern ein Mercedes-Inserat. Auf der Seite zwei folgt sogleich eine Anzeige des deutschen Autoherstellers für dessen S-Klasse. Erst auf der dritten Seite kommt die eigentliche Titelseite mit journalistischen Inhalten. Auf der Frontseite der Westschweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche», die wie die SoZ der Tamedia gehört, prangte dieselbe Mercedes-Anzeige mit dem Wort «Rien.» (siehe Tweet).


«Die Sonderwerbeform wurde Mercedes exklusiv in der ‹Sonntagszeitung› und in «Le Matin Dimanche» zur Lancierung der neuen S-Klasse angeboten», erklärt Tamedia-Sprecherin Nicole Bänninger auf Anfrage von persoenlich.com. «Die redaktionelle Berichterstattung zur S-Klasse von Mercedes erfolgte komplett unabhängig», ergänzt Bänninger. Tamedia würde stets grossen Wert auf die Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten legen.

In der «NZZ am Sonntag» vom gleichen Tag gibt es dasselbe Inserat ebenfalls auf der zweiten Zeitungsseite – die Frontseite ist allerdings nicht betroffen. Erst im letzten Oktober hatte die «Neue Zürcher Zeitung», welche wie die NZZaS von der NZZ-Mediengruppe herausgegeben wird, ein Porsche-Inserat auf ihre Frontseite platziert. Dies hatte im Nachgang für heftige Kritik gesorgt – ein Werber betonte beispielsweise, dass die Marke dadurch langfristig kaputt gehe (persoenlich.com berichtete).

Nebst dem Mercedes-Inserat auf den ersten zwei Seiten folgt im letzten Bund der «Sonntagszeitung» auf Seite 62 ein Artikel über die S-Klasse des Autoherstellers.

Ausserdem: Im Wirtschaftsressort der SoZ gibt es einen Bericht über den Tesla-Chef Elon Musk. Darin heisst es: «Teslas ‹Model S› wurde in diesen beiden Jahren öfter verkauft als die Konkurrenzfahrzeuge von Mercedes, Porsche, Audi und BMW zusammen». Anders im Mercedes-Arikel: Dort steht, dass der Audi A8, der BMW 7er und der Jaguar XJ die Konkurrenten der S-Klasse seien. Vom Tesla keine Rede.

«Artikel haben nichts miteinander zu tun»

«Diese beiden Artikel wurden völlig losgelöst voneinander geschrieben und haben überhaupt nichts miteinander zu tun», erklärt Bänninger gegenüber persoenlich.com. Beim Autor des Artikels über Elon Musk würde es sich im Übrigen um einen externen Journalisten handeln, der als Korrespondent in New York arbeite.