Mit 20 Fakten die Zuschauer überzeugen

SRF - Warum braucht es SRF? Ein Faltblatt zeigt auf, was dank der Gebühren möglich ist. Mit der No-Billag-Initiative habe diese Broschüre nichts zu tun, heisst es.

Wer sich am Empfang im Zürcher SRF-Studio Leutschenbach meldet, erhält nicht nur einen Besucherausweis ausgehändigt, sondern auch ein Faltblatt mit dem Titel «Schweizer Radio und Fernsehen in 20 Fakten». Diese Broschüre liest sich wie ein Argumentarium für die Gegner der No-Billag-Initiative.

So heisst es beispielsweise, dass die Radio- und Fernsehabgaben ab 2019 einen Franken pro Tag betragen. «1 Franken pro Tag ist weniger als die Downloadkosten für einen aktuellen Song», steht im Leporello. Oder: «215 Franken würden die Gebühren pro Haushalt und Jahr ab 2019 betragen, wenn die Schweiz ein einsprachiges Land wäre». Der Leser erfährt ausserdem, dass 9 von 10 TV-Konsumenten jede Woche einen SRF-Sender wählen würden. Oder dass 90 Prozent der Eigenproduktionen zur Primetime gesendet würden – «Einen so hohen Anteil können sich kleinere, kommerzielle Sender nicht leisten.»

Sicherlich eine gute Idee, SRF-Besucher nicht nur mit persönlichen Eindrücken nach Hause gehen zu lassen, sondern auch mit Fakten für den Hosensack. Wird nun das Faltblatt im Hinblick auf die No-Billag-Abstimmung vom 4. März aktiver abgegeben? «Nein», sagt SRF-Kommunikationschefin Andrea Hemmi auf Anfrage. SRF produziere, wie die meisten Unternehmen, seit vielen Jahren Print-Publikationen mit Informationen zu den eigenen Leistungen. «Ende 2015 habe ich entschieden, die damals aktuelle, um einiges umfangreichere SRF-Unternehmensbroschüre nicht mehr neu aufzulegen – und stattdessen ein kompaktes, handliches Faltblatt zu entwickeln, das die wichtigsten Fragen unseres Publikums beantwortet», so Hemmi. Dieses entspreche dem steigenden Bedürfnis des Publikums nach «handlicheren» Informationen.

Das Faltblatt sei an den Empfängen aller SRF-Standorte erhältlich, zudem werde es auch den Besuchern von Studioführungen sowie von Aussenproduktionen abgegeben. Die aktuelle Version wurde nach dem Bundesratsentscheid zur Gebührensenkung angepasst und in einer Auflage von 40'000 Exemplaren gedruckt. Die Neuauflage habe nichts mit der No-Billag-Initiative zu tun. «Wenn sich Fakten ändern, werden diese angepasst», so Hemmi weiter.

SRF-Mitarbeitenden ist es laut den publizistischen Leitlinien untersagt, sich in den Dienst von öffentlichen Aktionen mit politischen Zielen zu stellen. Explizite Abstimmungsempfehlungen sind demnach untersagt. Im Oktober wurden jedoch die Bestimmungen für die Social-Media-Kommunikation der Mitarbeitenden gelockert. Programmschaffende dürfen nun auf Beiträge Dritter reagieren und die Leistungen der SRG thematisieren (persoenlich.com berichtete). (cbe)