16.10.2017

Crowdfunding-Projekt

Mit sportlichem Ehrgeiz zu neuem Printprodukt

Ein neues Sportmagazin für die Schweiz. Nicht irgendeines, sondern: «No. 1 – Das beste Sportmagazin der Welt». 144 Seiten stark. Mit dabei: Das Who's Who der Schweizer Sportszene – und einige bekannte Journalisten.
Crowdfunding-Projekt: Mit sportlichem Ehrgeiz zu neuem Printprodukt
Soll im Herbst 2018 erscheinen: «No. 1 – Das beste Sportmagazin der Welt». (Bilder: zVg.)
von Christian Beck

Die Schweiz soll um ein Sportmagazin reicher werden. Seit Monaten wird hinter den Kulissen am Konzept gearbeitet. Im Herbst 2018 soll das Magazin unter dem selbstbewussten Namen «No. 1 – Das beste Sportmagazin der Welt» erscheinen, wie persoenlich.com weiss. Initianten sind auf redaktioneller und gestalterischer Seite Benno Maggi und Gianfranco Acocella von Partner & Partner, Bänz Friedli, Ursina Haller, Bruno Ziauddin, Mikael Krogerus, Benjamin Steffen und Christof Gertsch. Unterstützt wird «No. 1» von sportlichen Ambassadoren, darunter Ariella Kaeslin, Mujinga Kambundji, Nicola Spirig, Dominique Gisin, Viktor Röthlin und Iouri Podladtchikov. Weitere bekannte Spitzensportler sollen folgen.

100'000 Franken werden benötigt

Finanziert werden soll das Projekt mittels Crowdfunding, das am 27. November startet. 100'000 Franken werden benötigt. «Damit sollten wir in der Lage sein, alle Rechnungen zu zahlen, die wir von der Post, der Druckerei und anderen Unternehmen erhalten. Unternehmen, die es braucht, um so etwas zu realisieren, die jedoch nicht am Projekt partizipieren wollen oder können», sagt Mit-Initiant Christof Gertsch.

Das Sportmagazin soll vorerst einmalig erscheinen. «Wir sind im Herzen Sportler. Wir nehmen Wettkampf für Wettkampf. Fest steht: Wenn wir beim Crowdfunding mehr einnehmen, als wir brauchen, um die erste Ausgabe zu zahlen, fliesst das Geld in unsere Vereinskasse. Und bleibt zweckgebunden: Die Publikation des besten Sportmagazins der Welt», so Gertsch weiter. «No. 1» wird im regulären Verkauf nicht erhältlich sein. Wer eine Ausgabe will, muss während des Crowdfundings mindestens 25 Franken investieren.

«No. 1» soll laut dem Journalisten Gertsch eine Art Kunstprojekt sein – mit den besten Texten, Bildern und der besten Gestaltung. Ausserdem soll aufgezeigt werden, was im Sportjournalismus alles möglich ist. «Um herauszufiltern, was wir und unsere Crowd davon gerne lesen würden, haben wir unsere Ambassadoren – die Spitzensportler – in unserem Beirat», sagt Gertsch, der als Reporter bei «Das Magazin» arbeitet und für «No. 1» – wie alle anderen Mitwirkenden – seine Freizeit unentgeltlich opfert. «Manchmal ist es gut, nicht als allererstes zu fragen: Was krieg ich? Manchmal macht es auch einfach Spass zu fragen: Was begeistert mich?». Externe Autoren und Fotografinnen sollen jedoch entlöhnt werden.

Eigentlich kein Markt dafür

Da das Sportmagazin, 144 Seiten stark, vorerst nur einmalig erscheint, muss es entsprechend frei von Aktualität sein, sprich keine Spielberichte, Vorberichte oder Analysen. Was dann? «Sport kann auch episch, hintergründig, nerdig, zeitlos erzählt werden. Solche Texte brauchen Platz, weil sie sich Zeit lassen, genau hinschauen, öfter nachfragen, tiefer gehen», so der Mit-Initiant zu persoenlich.com. Einige der besten Schreiber des 20. Jahrhunderts seien im Herzen Sportjournalisten gewesen – so zum Beipiel David Foster Wallace, Ernest Hemingway, Joyce Carol Oates, Karl Ole Knausgård. «Das kann doch kein Zufall sein.»

Aber warum braucht die Schweiz überhaupt ein weiteres Sportmagazin? «Die kurze Antwort: Weil wir selber gerne eines lesen würden», sagt Gertsch. Und die etwas längere Version: «Wir wissen, dass es für Sportmagazine in der Schweiz eigentlich keinen Markt gibt. Das haben uns in zahlreichen Gesprächen schon viele Experten gesagt.» Lustigerweise hätten aber die gleichen Leute im nächsten Atemzug darüber gejammert, wie schade es sei, dass es nicht so ein Magazin gebe. Und sie hätten dann meist selbst eine oder mehrere irre Sportgeschichten erzählt. «Dann haben wir uns oft stundenlang über mögliche Inhalte unterhalten – und den Neinsagern und Pessimisten glühten dabei die Wangen vor Aufregung. Danach dachten wir jeweils: Die Schweiz braucht ein Sportmagazin», so Gertsch, der während zehn Jahren Sportredaktor bei der «NZZ am Sonntag» war.

No1_Totale


«No. 1 – Das beste Sportmagazin der Welt» – der Name ist übrigens «halb selbstironisch, halb ernstgemeint» – soll komplett unabhängig sein von einem Verlag. Deshalb soll es das Crowdfunding richten. Auf der Website können sich Interessierte für den Newsletter eintragen, um so den Start zum Crowdfunding nicht zu verpassen. «Vielleicht scheitern wir, und dann müssen wir andere Wege suchen oder die Idee begraben. Oder wir bringen das Ding zum Fliegen», sagt Gertsch. Eine ziemlich sportliche Einstellung.



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Kommentare

  • Oliver Brunner, 18.10.2017 10:22 Uhr
    Und wieder ein Produkt, das hochstehend sein soll (Eigenwerbung) und zum Vorneherein bezahlt werden muss, mehr Spende als Abo. Grundsätzlich ist es aber leider so, dass Sportler ausserhalb des Sports nicht sehr interessante Leute sind (das ist nicht abwertend, sie haben ja den grössten Teil ihrer Zeit mit Trainings verbracht, um an die Spitze zu kommen). Die People-Berichte, die den Profi zum begabten Maler, Fotografen, Physiker oder Friedensbotschafter machen, sind dann immer etwas gesucht und platt. Der Sport lebt von der Aktualität, diese kann man wunderbar beschreiben und analysieren. Will ich zum 500. Mal lesen, wieso das Wembley-Tor eins ist oder nicht, was Bernhard Russi gefühlt hat, als er in Sapporo unten ankam und wie die Dopingversorgung im Radrennsport funktioniert, warum Ungarn früher so toll Fussball spielte etc. etc.? Ein Sportzeitung, die beispielsweise die Super League vertieft analysiert und nicht immer Berichte und Vorschauen im Salzgeber/Suter/Fringer-Stil macht, würde ich abonnieren. Wahrscheinlich gibt es aber dafür zu wenig Publikum.

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