Der Direktor des Westschweizer Fernsehens (RTS), Pascal Crittin, hat am Freitag per E-Mail anonyme Morddrohungen erhalten. Dies bestätigte RTS-Sprecher Christophe Minder gegenüber Blick. Das Unternehmen verstärkte in Absprache mit der Polizei umgehend die Sicherheitsvorkehrungen an den Standorten Genf und Lausanne.
Die Drohungen trafen einen Tag nach der offiziellen Einweihung der neuen RTS-Räumlichkeiten in Ecublens VD ein, bei der neben Crittin auch SRG-Präsidentin Susanne Wille und Staatsrätin Nuria Gorrite anwesend waren (persoenlich.com berichtete). Der Standort oder die Einweihung wurden in der Drohbotschaft jedoch nicht erwähnt. Bereits am Tag des Eingangs der Drohungen waren Leibwächter bei einem Mitarbeiterabend vor Ort, um die Direktion zu schützen. Die Motive für die Drohungen sind bislang nicht bekannt.
«RTS misst der Sicherheit ihres gesamten Personals höchste Bedeutung bei», erklärte Minder gegenüber Blick. Die Position des Direktors und die der Fernsehpersönlichkeiten seien von Natur aus sehr exponiert.
Reporter ohne Grenzen (RSF) Schweiz verurteilte die Drohungen scharf und fordert eine rasche Aufarbeitung. «Ein kritischer Dialog über die Rolle der Medien ist wichtig und richtig. Führende Journalisten und Medienvertreter mit dem Tod zu bedrohen, stellt aber einen inakzeptablen Angriff auf den Journalismus und auf unser Recht auf Information dar», so RSF-Generalsekretär Denis Masmejan laut einer Mitteilung vom Dienstag.
RSF weist darauf hin, dass dies nicht die erste Morddrohung gegen einen Schweizer Journalisten ist. 2018 wurde Lukas Hässig vom Finanzblog Inside Paradeplatz bedroht, 2019 der Investigativjournalist Arnaud Bédat. Während der Covid-Pandemie beobachtete RSF zudem eine starke Zunahme von Drohungen gegen Medienschaffende in der ganzen Schweiz.
Die Drohungen erfolgen zu einem angespannten Zeitpunkt: Im März 2026 wird über die Halbierungsinitiative abgestimmt, die das Budget der SRG halbieren will. (cbe)