In einer Woche startet ".ch", die neue Gratiszeitung von Neo-Verleger Sacha Wigdorovits. Ein Ereignis, das an der Zürcher Werdstrasse mit grösstem Interesse verfolgt wird. "Die Tamedia nimmt die Gratiszeitung .ch sehr ernst. Ich unterstütze sämtliche Ideen unseres Verlagshauses, um der neuen Konkurrenz zu begegnen", erklärt etwa Tages-Anzeiger-Chefredaktor Peter Hartmeier gegenüber "persoenlich.com". Sein Arbeitgeber wurde bislang nicht müde, gegen aussen zu bekräftigen, dass die Einführung der neuen Pendlerzeitung nicht in Zusammenhang mit der Lancierung von ".ch" stehe.
Dass dies bloss Lippenbekenntnisse sind, zeigt ein internes Schreiben, das "persoenlich.com" vorliegt: "Man wolle keinesfalls zulassen, dass ein Neuer Investoren suche, eine Zeitung lanciere, die ins Kerngeschäft von Tamedia dringe. Hier müsse Paroli geboten werden", wird darin Rolf Bollmann, Verlagschef des Tages-Anzeigers und Vater des Zeitungsprojekts, zitiert. Was die Medienmanager an der Werdstrasse befürchten: Realisiert ".ch" die angekündigte Auflage im Kanton Zürich, rutscht der Tages-Anzeiger auf Platz 3 ab. Und dies soll mit aller Kraft verhindert werden. Dabei erachtet es die Tamedia gerade im Markt der Stellenanzeigen als vordringlich, dass im Rahmen eines Anzeigenpools mit der neuen Zeitung den Werbeauftraggebern eine grössere Reichweite geboten werden kann.
Wie "persoenlich.com" in Erfahrung gebracht hat, handelt es sich bei der Pendlerzeitung um eine reine Nachrichtenzeitung, die aber qualitativ hochwertiger als 20 Minuten sein soll. Auf Kommentare, Analysen und eigene Recherchen wird verzichtet, diese bleiben den kostenpflichtigen Zeitungen vorbehalten. Das Projekt soll offenbar so schlank wie nur möglich gehalten werden: Im Gegensatz zum Widersacher ".ch" besteht kein Lifestyle-Angebot, kaum Service-Inhalte und nur wenige Bilder.
Das neue Blatt ist kein "Best-of"-Kompaktmodell der beteiligten Trägerzeitungen: Wer im Pendlerblatt nach Artikeln des Tages-Anzeigers, der BaZ oder BZ sucht, wird enttäuscht. Vorgesehen ist lediglich, Hinweise auf regionale und exklusive Geschichten der abonnierten Tageszeitungen aufzunehmen.
Für die Redaktionsleitung vorgesehen sind Philippe Pfister und Christian Maurer, wie "persoenlich.com" bereits vergangene Woche berichtete. Platziert wird das Redaktions-Team voraussichtlich im Zürcher Medienhaus an der Werdstrasse. Im Gegensatz zum Wigdorovits-Blatt werden indessen keine Lokalredaktionen in weiteren Städten aufgebaut.
Einen Auflageneinbruch für den Tages-Anzeiger erwartet die Tamedia im Zuge der Lancierung der neuen Pendlerzeitung nicht: Bollmann ist der Überzeugung, dass die grosse Bereinigung bereits mit 20 Minuten stattgefunden hat. Er geht davon aus, dass es viele Doppelleser geben wird. Auf eine Distribution in die Briefkästen verzichtet die Tamedia augrund bisheriger negativer Erfahrungen mit dem Tagblatt. Dieses hatte bloss 0.9 Leser pro Ausgabe -- 20 Minuten, das in Boxen verteilt wurde, dagegen laut Bollmann rund 3.4 Leser. (Text: David Vonplon)

