07.06.2007

Spiegel-Split

Nicht alles spricht für einen Erfolg

Facts und Weltwoche unter Druck.

Kaum hat Ringier die Schliessung seiner wöchentlichen Wirtschaftszeitung Cash bekannt gegeben, drängt das Wochenblatt Der Spiegel mit einer -- vorerst einmaligen -- Schweizer Beilage auf den Markt. Für die verbleibenden Platzhirsche könnte die Luft damit schon bald noch dünner werden, als sie ohnehin schon ist. "Facts und Weltwoche zählten im vergangenen Jahr etwa je 800 bezahlte Anzeigenseiten. Das ist nicht genug, um schwarze Zahlen zu schreiben", erklärt Christoph Kaufmann, CEO der Mediaagentur OMD gegenüber "persoenlich.com". Er ist überzeugt, dass ein Wochenblatt auf 1'100 - 1'200 bezahlte Anzeigenseiten kommen müsste, um rentabel zu sein.

Mit anhaltenden Problemen im Anzeigenmarkt hatte auch Cash gekämpft -- und ist schliesslich daran zugrunde gegangen. Gemäss der VSW-Statistik hatte die Anzahl Anzeigenseiten der Wirtschaftszeitung im ersten Drittel des laufenden Jahres trotz positiver Entwicklung auf dem Lesermarkt noch einmal um 20 Prozent abgenommen. Kaufmann: "Mich erstaunt nicht, dass Ringier das Blatt eingestellt hat." Das Szenario, Facts und Weltwoche könnten sich dank dem Wegfall des Konkurrenten Cash künftig ein grösseres Stück vom Anzeigenkuchen abschneiden, erweist sich wohl als Trugschluss, falls der Spiegel nach einer ersten Testphase dazu übergeht, seinem Magazin regelmässig einen Split beizulegen.

Trotz der kommerziellen Probleme der grossen Deutschschweizer Wirtschafts- und Nachrichtenmagazine halten Medienkonzerne in Deutschland den Schweizer Markt offensichtlich für erstaunlich attraktiv. Nachdem sich der Axel Springer Verlag vor wenigen Monaten die Jean-Frey einverleibte, stösst nun auch der Hamburger Spiegel Verlag mit mehr Kraft in die Eidgenossenschaft vor. "Die deutschen Verlage müssen im Heimmarkt um ihre Marktanteile kämpfen und haben dort Mühe, zu wachsen", erklärt Kaufmann. Starke Marken schielen deshalb vermehrt über ihre nationalen Grenzen hinaus nach lukrativen Expansionsmöglichkeiten. Der Spiegel kann dabei schon auf eine bestehende Basis bauen: Er verkauft bereits 20'000 Exemplare in der Schweiz, mit der Schweizer Beilage soll die Auflage hierzulande auf 50'000 Exemplare erhöht werden.


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