«Nun braucht es jüngere Kräfte mit anderen Ideen»

Schweizer Monat - Unter Ronnie Grob als Chefredaktor wurde der Schweizer Monat digital und interaktiv. Früh erkannte die Redaktion disruptive Trends wie Bitcoin und KI – Themen, die heute alle beschäftigen. Nach neun Jahren verlässt Grob das bürgerlich-liberale Debattenmagazin.

von Nick Lüthi

Ronnie Grob, Sie haben sich für ein Sabbatical entschieden und werden den Schweizer Monat verlassen. Kommen Sie so einem Burnout zuvor?
Es ist wahr, dass ich viel in den Schweizer Monat investiert habe. Als ich als Chefredaktor startete, hatten wir kaum Social-Media-Aktivitäten, keine Podcasts, keine Videos, keine wöchentlichen Newsletter, kaum Online-Texte, kaum Events und keine Apéro-Häppchen. Seit 2019 haben wir mit einem winzigen Team einen hohen Output geliefert.

Sie haben das Magazin moderner, digitaler und interaktiver gemacht. Kommt der Abgang auch deshalb, weil Sie das erreicht haben, was Sie mit dem Schweizer Monat vorhatten?
Ja, ich habe das, was ich einbringen konnte, eingebracht. Nun braucht es jüngere Kräfte mit anderen Ideen. Und ich will was Neues machen.

Weiterhin etwas mit Medien?
Ich bin ein politischer Mensch, und ich bin ein Publizist, der etwas zu sagen hat und das auch veröffentlichen will. So gesehen hat der Schweizer Monat sehr gut zu mir gepasst. Aber ich kann mir gut vorstellen, etwas ganz anderes zu machen. Medien machen ja heute alle. Die Blogs in den 2000er-Jahren wurden belächelt. Aber was waren sie anderes als der Startschuss zu einer Medienrevolution? Sie ist noch längst nicht abgeschlossen.

«Untätig bleiben werde ich aber nicht, das wäre ja langweilig»

Aber zuerst machen Sie mal Pause. Wie und wo werden Sie das Sabbatical verbringen?
Mein aktueller Plan beschränkt sich darauf, 2026 eine Auszeit zu nehmen und neue Dinge auszuprobieren. Untätig bleiben werde ich aber nicht, das wäre ja langweilig. Meinen Newsletter «Grob Gesagt» werde ich wohl weiterführen.

Vieles von dem, was unter Ihnen im Schweizer Monat zu lesen war, konnte man so oder in ähnlicher Form auch in der NZZ, in der Weltwoche oder im Nebelspalter lesen. Erschwerte das eine eigenständige Positionierung?
Das ist natürlich Unsinn; man merkt, dass Sie uns kaum gelesen haben. Anders als unsere bürgerliche Konkurrenz haben wir sehr viel publiziert über die technische Revolution durch KI, Quantencomputer und andere disruptive Technologien in allen Lebensbereichen.

… das macht die NZZ auch.
Wer uns in den letzten Jahren gelesen und ernst genommen hat, hat verstanden, dass sich etwa rund um digitales Geld, sprich: Bitcoin, eine Revolution anbahnt – unser erstes Dossier dazu erschien 2018. Glaubten die Zeitungsverleger einst, dieses Internet werde wieder verschwinden, so hoffen heute viele Banker und Zentralbanker, dieser Bitcoin werde wieder weggehen. Aber womöglich bleibt auch Bitcoin bestehen so wie das Internet.

Inhaltliche Überschneidungen mit den erwähnten rechtsbürgerlichen Publikationen gibt es aber schon.
Das ist korrekt. Vieles von dem, was den Schweizer Monat für lange Zeit alleine ausgezeichnet hat – nämlich Texte und Gespräche mit Tiefe ohne direkten Aktualitätsbezug – erscheint nun auch in Tageszeitungen. Viele denken sich dann: Ach, ich zahle ja jedes Jahr schon fast 1000 Franken für die NZZ, und schon da komme ich kaum nach mit dem vielen Lesestoff.

«Künftige Historiker werden dereinst ihre helle Freude an unserem Archiv haben»

Sie investierten viel in den Aufbau einer Community rund um die Marke Schweizer Monat mit Veranstaltungen. Sehen Sie darin ein Erfolgsrezept für die politische Nischenpublizistik?
Es ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Der Schweizer Monat ist jedenfalls eine grossartige Marke, die Unterstützung verdient hat. Künftige Historiker, welche die Schweiz im 20. und 21. Jahrhundert deuten möchten, werden dereinst ihre helle Freude an unserem Archiv haben. Es zeigt geistige Trends, Strömungen und Debatten in allen Jahrzehnten. Man merkt, wer wann was zu sagen hatte. Die ewigen Grundwerte, welche die Schweiz bestimmen, kehren als Themen immer wieder zurück: Föderalismus, Neutralität, Direkte Demokratie, Freiheit.

War der Schweizer Monat unter Ihrer Leitung kommerziell ein Erfolg?
Ich bin stolz darauf, dass wir uns in der gesamten Zeit privat finanzieren konnten und nicht, wie so viele andere, von Subventionen leben. Leider war der Schweizer Monat in seiner ganzen Geschichte mehr ein publizistisches Liebhaberprojekt als eine kommerzielle Gewinnmaschine. Er ist und bleibt eine grossartige Fundgrube für Debatten, wie sie in der Schweiz geführt werden. Das 100-Jahr-Jubiläum 2021 haben wir mit unseren Autoren Dürrenmatt, Hayek, Mises, Adorno, Hesse, Popper, Lüthy, Erhard und vielen anderen in einer Jubiläumsausgabe gefeiert.

«Das Verhältnis zu vielen anderen Journalisten zum Negativen gewandelt»

In Ihre Zeit als Chefredaktor fiel die Coronapandemie. Inwiefern haben diese Jahre Ihr politisch-publizistisches Selbstverständnis verändert?
Corona war ein Schock für mich, weil es mein Verständnis der anderen Journalisten auf den Kopf stellte. Die meisten von ihnen waren alles andere als wehrhaft gegenüber einem übergriffigen Staat und zeigten sich als Propagandaopfer und Mittäter. Überhaupt hat sich das Verhältnis zu vielen anderen Journalisten zum Negativen gewandelt: Viele fürchten andere Meinungen derart, dass sie sich auf Nischenplattformen wie Bluesky zurückziehen, um dort gegenseitige Fellpflege zu betreiben. Und selbst dort ist es schwierig, mit ihnen ins Gespräch zu kommen: Meine Interventionen werden oft mehr oder weniger höflich ignoriert.