28.03.2021

Impfgate

NZZaS gibt Tagesanzeiger recht

Die NZZ am Sonntag schreibt in ihrer Titelstory, dass die Lonza dem Bund einen eigenen Impfstoff angeboten hätte. Als der Tagesanzeiger dasselbe schrieb, dementierte Alain Berset öffentlich.
Impfgate: NZZaS gibt Tagesanzeiger recht
Der Tagesanzeiger musste für die vermeintliche Falschmeldung eine Korrekturmeldung publizieren. Nun bekommt die Zeitung überraschend Unterstützung. (Bild: Keystone/Alessandro della Valle)

«Impfstoff: Wie Berset eine Chance verpasste» lautet die Headline der Titelgeschichte der NZZ am Sonntag. Wie die Zeitung in einem ausführlichen Artikel meldet, hat die Schweiz zwar lange auf einen eigenen Covid-19-Impfstoff gesetzt, habe dann aber ein Angebot für eine Produktionslinie bei Lonza in Visp ignoriert. Dies bestätigte Lonza-VR-Präsident Albert Baehny.

Diese Idee habe er dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am 1. Mai 2020 unterbreitet, was der Tagesanzeiger bereits vor zwei Wochen unter dem Titel «Der Bund wollte keine eigene Impfstoffproduktion» am Donnerstag, 11. März, gemeldet hatte.

Mehrere Schweizer Medien griffen die Geschichte auf, wonach Lonza der Eidgenossenschaft eine Anlage zur Produktion eines eigenen Impfstoffs angeboten, das Bundesamt für Gesundheit aber abgelehnt habe. Dies schlug hohe Wellen: In Bern wurde von der FDP bereits eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) gefordert.

Doch Alain Berset dementierte bei einer Medienkonferenz, indem er ausführte, die Lonza habe nur nach Staatsinterventionen gesucht. Der Tagesanzeiger sah sich dem Vorwurf einer Falschmeldung ausgesetzt und musste eine Korrekturmeldung publizieren (persoenlich.com berichtete).

Arthur Rutishauser fordert Untersuchung

Nun scheint der Tagi durch das Konkurrenzblatt NZZaS recht zu bekommen: Er habe auf einen Dialog mit dem Bund gehofft, so Lonza-VRP-Baehny im Interview, dass die Schweiz dank Lonza-Moderna eine führende Rolle im Kampf gegen Covid-19 und bei der Entwicklung von Impfstoffen anstreben könne. Doch er habe vom BAG nach einer Sitzung nichts mehr gehört. Berset bleibt auf Anfrage der NZZaS immer noch bei seiner Aussage, wonach eine Produktionsstrasse nur für die Schweiz kein Thema gewesen sei.

Gegenüber persoenlich.com meint Arthur Rutishauser, Chefredaktor Tamedia und SonntagsZeitung: «Mich erstaunt die Diskrepanz der Aussagen und es sollte untersucht werden, was wirklich passiert ist. Die Schweiz sollte unabhängig davon wieder eine eigene Impfinfrastruktur aufbauen, zum Beispiel zusammen mit Lonza. Und ich wäre etwas vorsichtiger, von Fakenews zu sprechen, nur weil eine Behörde widerspricht. Es könnte ja sein, dass die einfach keinen Fehler zugeben wollen.» (ma)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Gottlieb Trachsler
29.03.2021 06:40 Uhr
Ich bin zwar nicht so sicher ob Impfen das beste sei. Wenn ich den Impfstoff aber im eigenen Land unter den höchsten Sicherheits-Standards hergestellt wüsste, wäre das beruhigend. Als Biobauer ernte ich ja auch unter hohen Auflagen und sehr streng kontrolliert Nahrung für Menschen. Leider kaufen nur 15 % auch biologisch angebaute Nahrung. Dies obwohl bei Abstimmungen und Diskussionen über 80% auf einem Oekotripp sind. Masken tragen, wie das Taiwanerinnen und Taiwaner einfach tun, bringt Leben in die Gesellschaft zurück. Echt stark - und echt wirtschaftlich! Freundlichst Silosius IV.
Kommentarfunktion wurde geschlossen