«Impfstoff: Wie Berset eine Chance verpasste» lautet die Headline der Titelgeschichte der NZZ am Sonntag. Wie die Zeitung in einem ausführlichen Artikel meldet, hat die Schweiz zwar lange auf einen eigenen Covid-19-Impfstoff gesetzt, habe dann aber ein Angebot für eine Produktionslinie bei Lonza in Visp ignoriert. Dies bestätigte Lonza-VR-Präsident Albert Baehny.
Diese Idee habe er dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am 1. Mai 2020 unterbreitet, was der Tagesanzeiger bereits vor zwei Wochen unter dem Titel «Der Bund wollte keine eigene Impfstoffproduktion» am Donnerstag, 11. März, gemeldet hatte.
Mehrere Schweizer Medien griffen die Geschichte auf, wonach Lonza der Eidgenossenschaft eine Anlage zur Produktion eines eigenen Impfstoffs angeboten, das Bundesamt für Gesundheit aber abgelehnt habe. Dies schlug hohe Wellen: In Bern wurde von der FDP bereits eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) gefordert.
Doch Alain Berset dementierte bei einer Medienkonferenz, indem er ausführte, die Lonza habe nur nach Staatsinterventionen gesucht. Der Tagesanzeiger sah sich dem Vorwurf einer Falschmeldung ausgesetzt und musste eine Korrekturmeldung publizieren (persoenlich.com berichtete).
Arthur Rutishauser fordert Untersuchung
Nun scheint der Tagi durch das Konkurrenzblatt NZZaS recht zu bekommen: Er habe auf einen Dialog mit dem Bund gehofft, so Lonza-VRP-Baehny im Interview, dass die Schweiz dank Lonza-Moderna eine führende Rolle im Kampf gegen Covid-19 und bei der Entwicklung von Impfstoffen anstreben könne. Doch er habe vom BAG nach einer Sitzung nichts mehr gehört. Berset bleibt auf Anfrage der NZZaS immer noch bei seiner Aussage, wonach eine Produktionsstrasse nur für die Schweiz kein Thema gewesen sei.
Gegenüber persoenlich.com meint Arthur Rutishauser, Chefredaktor Tamedia und SonntagsZeitung: «Mich erstaunt die Diskrepanz der Aussagen und es sollte untersucht werden, was wirklich passiert ist. Die Schweiz sollte unabhängig davon wieder eine eigene Impfinfrastruktur aufbauen, zum Beispiel zusammen mit Lonza. Und ich wäre etwas vorsichtiger, von Fakenews zu sprechen, nur weil eine Behörde widerspricht. Es könnte ja sein, dass die einfach keinen Fehler zugeben wollen.» (ma)
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29.03.2021 06:40 Uhr

