15.05.2007

Weissberg

"Ohne Leser kann niemand Anzeigen verkaufen"

Interview mit dem "heute"-Chefredaktor.

Die Abenzeitung "heute" ist ein Jahr alt und hat sich zum Geburtstag ein aufgefrischtes Kleid geschenkt. Im Lesermarkt hat sich der Titel etabliert, publizistisch ist man auf dem richtigen Weg, nun kann man sich vermehrt dem Anzeigenmarkt widmen. "persoenlich.com" hat mit Chefredaktor Bernhard Weissberg über die Entwicklung "seines Kindes" gesprochen. Das Interview:

Bernhard Weissberg, ist "heute" nach einem Jahr über den Berg?

Am Anfang bestand ein gewisses Risiko, weil nicht sicher war, dass eine Abendzeitung auf dem Lesermarkt gut aufgenommen wird. Inzwischen verteilen wir in Zürich, Bern und Basel täglich insgesamt knapp 200'000 Exemplare von "heute", die Leserzahlen steigen stetig. Es hat sich gezeigt, dass das Konzept einer Abendzeitung funktioniert.

Ist der Break Even schon erreicht?

Es kann niemand Anzeigen verkaufen, ohne zu beweisen, dass man Leser hat. Darum haben wir uns zuerst vor allem dem Lesermarkt gewidmet. Die Leser können wir jetzt vorweisen. Der Business Plan ist nicht davon ausgegangen, dass wir bereits nach einem Jahr schwarze Zahlen schreiben.

Haben Sie die Ziele erreicht, die Sie sich für das erste Jahr vorgenommen haben?

In Sachen Lesermarkt und Auflagenentwicklung haben wir erreicht, was wir uns im Business Plan vorgenommen haben. Meine persönlichen Ziele wurden sogar übertroffen.

Sie sind mit "heute" also auch publizistisch Ihren Idealvorstellungen näher gekommen?

Bei einer der letzten Blattkritiken hat jemand gesagt, jetzt habe man endlich eine richtige Zeitung in der Hand. Wir sind sicher auch redaktionell gegenüber den Anfängen einen grossen Schritt weiter und liefern für unsere Zielgruppe inzwischen einen guten Mix aus Primeurs, News und Berichten im Magazin-Teil. Dies haben wir trotz kleinem Budget, dafür mit einer extrem motivierten Crew erreicht.

Machen Sie sich auch Gedanken über eine Gebietsexpansion?

Konkrete Pläne gibt es nicht. Diese Option behälten wir aber sicher immer im Auge.

Im September soll eine neue Gratiszeitung auf den Markt kommen. Macht man sich schon Gedanken über die neue Konkurrenten?

Selbstverständlich beobachten wir diese Entwicklung. Ich glaube aber nicht, dass eine Morgenzeitung eine Konkurrenz für eine Abendzeitung ist. Daher wären wir von diesem neuen Titel mit "heute" wohl weniger betroffen. Allerdings bedeutet ein weiteres Angebot am Morgen sicher einen zusätzlichen Wettbewerber für den Blick.

Sie arbeiten auch an der Neupositionierung des Blicks mit. Wie lange bleiben Sie "heute" noch erhalten?

"heute" ist mein Kind und Kinder sollte man nicht zu schnell verstossen. Die ersten acht Stunden meines Arbeitstages gehören primär der Abendzeitung. Die Arbeit für den Blick läuft im Rahmen einer Projektgruppe.


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