450 000 Passanten zählt der Zürcher Hauptbahnhof jeden Tag. Durch die am Mittwoch eröffnete Video-Installation "City of Abstracts" des US-Choreografen William Forsythe werden sie jeweils für eine Stunde am Tag zu Tänzern des Alltags.
Das Auge einer Kamera erfasst unverhofft den Passanten auf seinem täglichen Gang durch Zürichs Verkehrsknotenpunkt. Mittels Computer werden die Bewegungen verfremdet.
Geschwindigkeiten und Richtungen ändern und werden als verzerrtes Alltagsballett auf einen 60 Quadratmeter grossen Bildschirm projiziert. Der Pendler ist dabei Akteur und Zuschauer zugleich.
"Die Installation funktioniert nur, wenn sich die Leute auch wirklich bewegen", erklärte der 56-jährige US-Choreograf William Forsythe am Mittwoch in Zürich vor den Medien. "Sie stellen dann plötzlich ein exzentrisches Verhalten zur Schau."
In Frankfurt, wo das Projekt schon einmal realisiert worden ist, hätten die Menschen plötzlich Dinge gemacht, die sie sonst nie tun würden, sagte Forsythe. Ältere Frauen zum Beispiel hätten sich mit ihren Einkaufstaschen um die eigene Achse gedreht. Andere seien sogar mit Requisiten oder kostümiert aufgekreuzt.

