In der Berner Dampfzentrale fand am Dienstag die traditionelle Lesung der Gewinnerinnen und Gewinner des jährlichen Bund-Essay-Wettbewerbs statt. Das Publikum wählte seinen Lieblings-Essay zum Thema «Bekommen Sie kalte Füsse in der heissen Phase der Klimakrise?».
Den ersten Preis von 5000 Franken gewann Patrick Gsell mit «Halt auf Verlangen», wie es in einer Mitteilung heisst. Auf Platz zwei rangierte der Essay von Nicole Widmer und auf Platz drei der Essay von Sulamith Tamborriello. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 9000 Franken Preisgeld dotiert. Die Top 10 aller Essays sind auf derbund.ch publiziert, der Siegertext erscheint zudem in der Printausgabe.
1. Essay-Preis: Patrick Gsell, «Halt auf Verlangen»
Laudatio von «Bund»-Chefredaktorin Isabelle Jacobi: «Eine Zugfahrt irgendwohin. Eine Durchsage, die eine Bahn-Katastrophe ankündigt. Ein Kollektiv, das lieber über den Klima-Fussabdruck anderer Passagiere lästert, als den Notstopp zu verlangen. Ein Protagonist, der einnickt, statt Alarm zu schlagen. Schliesslich ein nicht über alle Zweifel erhabenes Happy End wie im Superheldinnen-Kino. Der Autor hat eine leichtfüssige Parabel zu einem schwerwiegenden Thema geschrieben. Er schafft es, am Rande des Abgrunds augenzwinkernd die Hoffnung zu wecken, dass nicht aller Tage Abend ist. Diese Frivolität tut gut. Es könnte womöglich überlebenswichtig werden, dass wir ans Unglaubliche glauben.»
2. Essay-Preis: Nicole Widmer, «Gesinnungswandel»
Laudatio von Jacqueline Strauss, Direktorin Museum für Kommunikation Bern: «Sieben kurze Dialoge zwischen einer Mutter und ihrer zehnjährigen Tochter, dazwischen sechs kritische Selbstreflexionen der schreibenden Mutter. ‹Weshalb geht es der Erde so schlecht?›, das fragt die junge Generation drängend und dringend. Die Tochter fordert enthusiastisch, die Mutter hofft zweifelnd. Gemeinsam packen sie den Kurswechsel an und suchen das Glück aller. Die Klimakrise verlangt einen Gesinnungswandel. Dies macht die Autorin mit der schrittweisen Entwicklung der Dialoge und Reflexionen greifbar. Souverän verbindet sie das Persönliche mit dem Globalen und bringt Wünsche sowie Widersprüche auf den Punkt.
3. Essay-Preis: Sulamith Tamborriello, «Erde, Existenz und Ethik – unsere Verantwortungen»
Laudatio von George Steinmann, Künstler: «Dieser Essay ist ein kluger, tiefschürfender Text mit weitem Horizont. Er geht über die Klimafrage hinaus und beinhaltet nebst natur-wissenschaftlichen Daten zur ökologischen Krise auch Aspekte der Philosophie und der Ethik. Der Essay thematisiert damit ein Zukunftsparadigma, das jenseits der Opposition von Natur und Kultur ein ganzheitliches Verantwortungsbewusstsein für die Erde einfordert. Das Existenzrecht anderer Spezies und der Natur an sich sind in das ethisch-moralische Selbstverständnis des Menschen miteinzubeziehen. Angesichts der Verletzlichkeit unserer Zeit ist diese Forderung eine Warnung und ein Versprechen zugleich.»
Auch dieses Jahr moderierte mit dem Kabarettisten Laurin Buser einer der aktuellen Träger des Salzburger Stiers den Abend. Das junge Duo Cellophane gab dem Abend einen passenden musikalische Rahmen. Die Slam-Performances von Finn Ben Atigue, Elena Atas und Gabriela Schenker gaben dann den Auftakt zur eigentlichen Preisübergabe. Gemessen am Applaus gewann Elena Atas den ersten Preis in der Sprintkategorie Bund-Slam. Die Slam-Texte werden in der Rubrik «O-Ton» im Bund publiziert. (pd/cbe)

