Peter Wanner will als Letzter drucken

CH Media - Die Printzeitungen rentieren laut Verleger Peter Wanner nach wie vor. Zum 30-Jahr-Jubiläum der Aargauer Zeitung haben sich Vater und Kinder auch zu KI, Medienförderung und Nachfolge geäussert.

Peter Wanner, Verleger und Verwaltungsratspräsident von CH Media, hält an der gedruckten Zeitung fest. «Wir verfolgen eine Last-Man-Standing-Strategie. Wir wollen die Letzten sein, die drucken – erfolgreich und rentabel», sagt er im Interview mit der Aargauer Zeitung. Geführt hat das Gespräch CH-Media-Chefredaktor Patrik Müller. Neben Peter Wanner nahmen dessen Kinder Michael und Anna Wanner teil. Die Zeitung veröffentlichte das Interview in einer Sonderbeilage, auf den Tag 30 Jahre nach ihrer ersten Ausgabe vom 4. November 1996. Das Editorial der Beilage schrieb Medienminister Albert Rösti. Er betont darin die Bedeutung von Zeitungen für die direkte Demokratie.

Zahlen zur Rentabilität der Zeitungen nennt der Verleger nicht. Das Unternehmen insgesamt erzielte 2025 bei einem Umsatz von 406 Millionen Franken einen operativen Gewinn von 14,2 Millionen Franken. In den Druckstandort Aarau investiert CH Media bis 2027 einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag.

«Dass wir diesen Zug verpasst haben, ärgert mich»

Die AZ entstand aus der Fusion von Badener Tagblatt und Aargauer Tagblatt. Dem Badener Tagblatt sei es damals wirtschaftlich gut gegangen, sagt Peter Wanner. Er habe aber befürchtet, dass der Verlag langfristig gefährdet wäre, wenn er klein bliebe. 2018 folgte der Zusammenschluss mit den NZZ-Regionalzeitungen zu CH Media. Seit dem 1. April 2026 gehört das Unternehmen vollständig der Familie Wanner: AZ Medien hat die restlichen 35 Prozent von der NZZ übernommen. Eine weitere grosse Fusion kann sich CEO Michael Wanner heute schwer vorstellen. «Die Möglichkeiten für weitere grosse Zusammenschlüsse sind begrenzt.» Das Unternehmen wolle aus eigener Kraft wachsen, etwa mit Watson und dem im Sommer lancierten «Schweiz heute».

Bei den Inserateplattformen ging der Verlag leer aus. Der Online-Stellenmarkt Jobs.ch sei damals nur den grossen Zürcher Verlagen angeboten worden, sagt der Verleger. «Dass wir diesen Zug verpasst haben, ärgert mich.»

Zu den Folgen der Konzentration für die Medienvielfalt sagt Anna Wanner, Präsidentin des publizistischen Ausschusses: «Diese Entwicklung ist sicher nicht nur positiv.» Mit dem Fokus auf die Regionen bleibe aber der Lokalkolorit erhalten. Auf die Frage nach der Macht eines Hauses mit 70 Medienmarken verweist sie darauf, dass CH Media in Zürich und Bern mit Zeitungen wenig präsent sei. Ausserdem hat  CH Media die Berner Lokalsender TeleBärn und Radio Bern1 an die Bieler Gassmann-Gruppe verkauft (persoenlich.com berichtete).

«Nie hat jemand ein Machtwort sprechen müssen»

In der Familie hat inzwischen die fünfte Generation übernommen. Im November 2025 kauften Michael, Florian und Anna Wanner die Anteile ihres Vaters an AZ Medien. CEO Michael Wanner hält seither die Stimmenmehrheit, Florian Wanner leitet die elektronischen Medien. Peter Wanner behielt seine Funktionen als Verleger. «Ich komme immer mehr in die Rolle eines Consultants», sagt er. Anna Wanner betont den Konsens: «Es gab wirklich noch nie eine Situation, in der wir im Streit auseinandergegangen wären und jemand ein Machtwort hätte sprechen müssen.»

Die Redaktionen nutzen KI laut Anna Wanner täglich, etwa bei der Recherche. «Aber bei Texten muss immer ein Mensch der Urheber sein.» Michael Wanner räumt ein, dass es auch um Kosten geht: «Es wäre gelogen, wenn wir sagen würden, dass wir mit KI nicht auch effizienter werden wollen.» KI sei aber «keine reine Sparübung».

Zur Finanzierung des Journalismus setzt Anna Wanner auf ein besseres Urheber- und ein Leistungsschutzrecht. Sei dies nicht möglich, verschliesse man sich einer anderen Lösung nicht komplett. «Aber ordnungspolitisch ist es besser, wenn es ohne Subventionen funktioniert.» Michael Wanner fordert ein Leistungsschutzrecht auch gegenüber KI sowie eine Digitalsteuer: «Man müsste Big Tech besteuern und dieses Geld zweckgebunden wieder in den Journalismus zurückführen.» Peter Wanner verweist auf die indirekte Presseförderung. Das Parlament hat 2025 die Zustellermässigung erhöht und eine Förderung der Frühzustellung ab 2027 beschlossen, beides befristet auf sieben Jahre. Für die Zeit danach sagt der Verleger: «Ohne Medienförderung in der einen oder anderen Form geht es wohl nicht, wenn man die regionale Abdeckung erhalten will.» (nil)