Gestern Mittwoch präsentierten verschiedene Fernsehsender ihre kommenden Programme an der screnn-up & congress 2007. Den Anfang machten die SRG-Sender. Das Moderatoren-Duo Jann Billeter und Sandy Andermatt führte mit witzigen Dialogen, für die sie verschiedene Senderverantwortliche auf die Bühne holten, und Anekdoten durch die Programme von SF, TSR und TSI. Das Hauptthema, das die SRG-Sender im Jahr 2008 dominieren wird, ist die Fussball-Europameisterschaft. Eigens für dieses Grossereignis hat die SRG den Kanal HD Suisse vorangetrieben, um den Sportevent in HD-Qualität senden zu können. "Die Technik für HD", so SF-Chefin Ingrid Deltenre, "ist schon da -- nur die Sendungen fehlen." Ab Dezember soll es möglich sein, HD Suisse zu empfangen.
Mit einer gelungenen Präsentation fiel Super RTL auf. Der Sender, dessen Hauptzielgruppe die Kinder sind, nahm sich das Recht, etwas frecher aufzutreten. Mitten im Vortrag über die Zuschauerzahlen und Marktanteile schaltete sich über die Leinwand das Plüschtier Haselhörnchen ein, und beklagte sich, dass man bei der Präsentation fast einschlafe. Das Tier übernahm dann die Vorstellung der Programmneuheiten des Senders gleich selbst. Super RTL zeigte zudem als einziger Sender, wie er seine Crossmedia-Strategie umsetzen will. Dazu gehört nicht nur das Internet, sondern auch Live-Touren, bei denen die Moderatoren Shows präsentieren. Zudem gibt es seit neustem für Kinder ein Sommerlager, das von Super RTL ins Leben gerufen wurde.
Alberti: Muss nach Schawinski vieles korrigieren
Für die ProSiebenSat1-Gruppe führte der Komiker Christoph Maria Herbst -- alias "Stromberg" -- durch die Programmneuheiten. Pro Sieben war nicht der einzige Sender, der auf Prominenz setzte. Auch RTL liess mit Harpe Kerkerling einen Star antreten -- wenn auch nur auf der Leinwand. Herbst aber war vor Ort, und konnte so die gesamte Plattform nutzen, die ihm gegeben wurde. Das Publikum führte er dementsprechend nicht einfach durch die Programme 2008, sondern bot ihm auch noch eine Stand-up-Show. Aber auch die Sender-Chefs nutzen die Gelegenheit, um den einen oder anderen witzigen Kommentar anzubringen. So sagte Sat1-Chef Matthias Alberti in seiner Einleitung, dass er bei Sat1 vieles korrigieren und verändern musste, nachdem er vom ehemaligen Sat1-Chef Roger Schawinski den Chef-Sessel übernommen hatte.
Bei der Überleitung auf nachfolgende Präsentation von 3+, distanzierte sich Herbst vom jungen Schweizer Fernsehen mit den nicht ganz ernst gemeinten Worten: "Mit denen will ich wirklich nichts zu tun haben." Das tat der guten Stimmung von 3+-Chef Dominik Kaiser aber keinen Abbruch. Denn rund ein Jahr nach Sendestart weist der Privatsender einen Marktanteil von vier Prozent auf. Auch das Screening sorgte für gute Laune. Altbekannten Stars wurden Dialoge auf Schweizerdeutsch in den Mund gelegt, die so ihre Serien und Filme gleich selber vorstellten.
Bei den Programmpräsentationen wurde zwar viel von Innovation gesprochen, wirklich neu erfunden wird das Fernsehen aber auch im kommenden Jahr nicht. Die Sender setzen auf neue Variationen von erfolgreichen Formaten -- Doku-Soaps, Casting-Shows, Quizsendungen usw. Auch im Jahr 2008 werden amerikanische Serien einen wichtigen Platz einnehmen. Diese sind -- wie auch die Hollywood-Filme -- ein Muss, denn mittlerweile wartet so ziemlich jeder Sender mit Hitproduktionen aus Übersee auf. Trotzdem: Das Hauptaugenmerk haben die Sender auf die Eigenproduktionen gerichtet. Diese gilt es zu verstärken, weil sie für die Sender die einzige Möglichkeit darstellen, sich von den Konkurrenten abzuheben.
Digitalisierung verändert Kommunikation mit den Zuschauern
Der IGEM-Talk mit den Senderchefs Ingrid Deltenre (SF), Dominik Kaiser (3+), Matthias Alberti (Sat1), Anke Schäferodt (RTLII) und Catherine Mühlemann (MTV) widmete sich der Digitalisierung und der Konsequenzen für die TV-Sender. Alle waren sich darin einig, dass die Sender sich dem technischen Fortschritt nicht verschliessen können und über kurz oder lang alle Kanäle bespielen müssen. Währenddem die Sender auf dem Internet schon einiges anbieten -- vertiefte Informationen, Video on Demand, Online-Games, Archivfunktionen usw. -- hat man beim Mobile TV noch kein erfolgsversprechendes Geschäftsmodell gefunden. Der Tenor der Senderchefs: Wir wollen alle dorthin, wissen aber noch nicht wie.
Die Digitalisierung verändert aber auch die Produktionsprozesse bei den Sendern. Auf der einen Seite müssen die Programme in der digitalen Zeit technisch anders und auch für verschiedene Medien -- also crossmedial -- produziert werden. Auf der anderen Seite sind neue Formen entstanden, wie die Sender zu ihren Inhalten kommen. Die Zuschauer werden selbst zu Reportern, liefern Bilder von Ereignissen und werden so zu Content-Lieferanten. Fazit: Die Digitalisierung hat die Kommunikation mit den Zuschauern komplett verändert.
(Text: Florencia Figueroa / Stefan Wyss)
"persoenlich.com" zeigt die Bilder von der After-Show-Party:

