Als die SRG per Ende 2024 die UKW-Verbreitung ihrer Radioprogramme einstellte, war absehbar, was folgen sollte: ein Einbruch der Hörerzahlen. Unklar blieb indes, in welchem Ausmass das Publikum nach der Abschaltung fernblieb und ob es irgendwann wieder zurückkommen würde. Auf die zweite Frage liefert der Blick nach Norwegen eine mögliche und wahrscheinliche Antwort. Nach einer vorübergehenden Baisse als Folge der UKW-Abschaltung erholte sich die Radionutzung im skandinavischen Land und die Hörer kamen zurück auf die digitalen Kanäle.
Auf die Frage, wie sich das UKW-Aus unmittelbar auf die Nutzung der SRG-Programme auswirkt, gibt es nun erste belastbare Zahlen. Sie zeigen ein deutliches, aber noch kein vollständiges Bild.
Private steigern Marktanteil auf 41 Prozent
Wie die SRG am Montag mitteilte, büssten ihre Radiosender im ersten Quartal 2025 Marktanteile ein und verloren an Nettoreichweite. Mit einem gesamtschweizerischen Marktanteil von 53 Prozent bleibe man «klar Marktführer», schreibt das Unternehmen. Allerdings bedeutet dieser Wert einen Rückgang um 6 Prozentpunkte im Vergleich zum ersten Quartal 2024. Davon profitierten zum einen die schweizerischen Privatradios, die ihr Programm weiterhin auf UKW ausstrahlen. Sie konnten ihren Marktanteil von 36 Prozent im Vorjahresquartal auf 41 Prozent steigern. Der Präsident des Verbands Schweizer Privatradios (VSP), Nicola Bomio, sieht diese Entwicklung positiv: «Die Privatradios der Deutschschweiz freuen sich sehr, derzeit viele neue Hörerinnen und Hörer begrüssen und begleiten zu dürfen. Wir sind überzeugt, dass wir viele davon nachhaltig von unseren tollen Programmen überzeugen werden.»
Zum anderen können auch ausländische Sender in einem ähnlichen Ausmass zulegen wie die Privatradios. Das zeigen insbesondere die Nettoreichweiten. Gemessen wird hierfür die Anzahl Personen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums mindestens einmal einen Radiosender der SRG gehört haben. Während die Reichweite der SRF-Radios in der Deutschschweiz um 18 Prozent eingebrochen ist im Vorjahresvergleich, verzeichneten RTS und RSI in der Romandie und dem Tessin einen ungleich grösseren Rückgang um 25, respektive 29 Prozent.
«Verschiebung zu ausländischen Sendern wahrscheinlich»
Eine mögliche Erklärung dafür liefert die stärkere Auslandsexposition der lateinischen Sprachregionen. Die Schwelle, um dort ausländische Radiosender zu hören, liegt wegen der gleichen Sprache im Nachbarland ohnehin schon tiefer als in der Deutschschweiz. Wenn nun Sender aus Frankreich und Italien weiterhin via UKW in der Westschweiz und im Tessin zu empfangen sind, liegt es nahe, dass die verbleibenden UKW-Hörer eher dorthin wechseln. «Eine solche Verschiebung hin zu ausländischen Sendern ist eine wahrscheinliche Erklärung», sagt SRG-Sprecher Nik Leuenberger auf Anfrage von persoenlich.com.
Der gesamtschweizerische Rückgang der Reichweite um 15 Prozent im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Vorjahres «entspricht den erwarteten Entwicklungen», so Leuenberger.
Genauere Zahlen liefert Studie im Sommer
Genauere Angaben zur Migration der UKW-Nutzung hin zu den digitalen Radiokanälen von SRG und Privaten lassen sich aufgrund der aktuell vorliegenden Zahlen nicht machen. Mediapulse misst nur die Radionutzung an sich, nicht aber den Vektor, über den sie erfolgt. Aussagen dazu wird die nächste Welle der sogenannten DigiMig-Studie im Sommer liefern. Wobei es nicht überraschen würde, wenn sich die ansteigenden Werte der Schweizer Privatradios halten würden, da sich diese Tendenz schon vor der UKW-Abschaltung gezeigt hatte.
Gemäss der Medienmitteilung von Montag geht die SRG «weiterhin davon aus, dass sich die Nutzungszahlen mit der fortschreitenden Digitalisierung erholen werden, wenn die gesamte Radiobranche spätestens Ende 2026 UKW gemäss Bundesratsentscheid ebenfalls abschalten wird.»
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08.04.2025 20:16 Uhr
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