Publizistische Leitlinien behandeln neu KI

SRF - Das Dokument enthält jetzt ein Kapitel zum Umgang mit künstlicher Intelligenz. Für die praktische Anwendung gelten künftig spezifische Handlungsanweisungen. Für das Gendern wurde eine klare Altersgrenze definiert.

SRF hat Anpassungen und Ergänzungen in den Publizistischen Leitlinien vorgenommen. Diese bilden die verbindliche Grundlage für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei SRF direkt oder indirekt an der publizistischen Arbeit beteiligt sind. Sie sollen «Qualität und Glaubwürdigkeit der Angebote von SRF» sichern, wie es in einer Mitteilung vom Mittwoch heisst.

SRF setzt KI schon heute ein, beispielsweise bei der Audio-Transkription, um das Gesprochene in Audio-Beiträgen in Text umwandeln zu können. So können unter anderem Untertitel erstellt werden oder es dient als Basis für Online-Artikel, heisst es bei SRF auf Anfrage. Weiter werde KI etwa genutzt, um Moderationstexte für Radio Swiss Classic automatisch generieren zu lassen.

«KI ist gekommen, um zu bleiben»

Am augenfälligsten bei der jüngsten Überarbeitung der Publizistischen Leitlinien, die seit Dienstag online einsehbar sind, ist das neue Kapitel acht zum Thema künstliche Intelligenz (KI). «Darin formuliert SRF sein Selbstverständnis im Umgang mit KI», steht in der Mitteilung. Dieses orientiere sich an den KI-Grundprinzipien der gesamten SRG: Verantwortung, Transparenz und Vertraulichkeit.

Für die praktische Anwendung von KI im Arbeitsalltag hat SRF spezifische Handlungsanweisungen entworfen. Sie regeln die Nutzung von KI-Anwendungen sowie KI-generierter oder -bearbeiteter Texte, Bilder und Audios. «KI ist gekommen, um zu bleiben. Entsprechend ist es wichtig, dass sich die Mitarbeitenden mit dieser Technologie auseinandersetzen. Gleichzeitig nehmen wir mit den Handlungsanweisungen unsere grosse Verantwortung als öffentliches Medienhaus wahr», wird Severin Mayrhofer zitiert. Er leitet die SRF-interne «KI-Ethik-Gruppe». Die Handlungsanweisungen sollen künftig regelmässig aktualisiert und weiterentwickelt werden.

Altersgrenze 45 beim Gendern

SRF betont in der Mitteilung, dass die aktuelle Überarbeitung der Publizistischen Leitlinien «keine Grundüberholung» sei. Eher seien «Feinjustierungen» vorgenommen worden. Eine dieser Feinjustierung betrifft die diskriminierungsfreie, gendergerechte und inklusive Sprache. Regeln hierzu gibt es seit der letzten Überarbeitung im Jahr 2021 (persoenlich.com berichtete).

Bislang hiess es beispielsweise nur: «Keine Genderpause in linearen Sendungen und Programmen.» Nur ausnahmsweise soll die Genderpause in Formaten für junge, sensibilisierte Zielgruppen auf digitalen Kanälen gesprochen werden. Neu heisst es explizit, dass auf jungen Kanälen wie YouTube oder in jungen Programmen wie Radio SRF Virus der geschriebene Genderdoppelpunkt oder der mündliche Glottisschlag (kurze Sprechpause) verwendet werden können.

Aber: «In linearen Sendungen und Programmen, die eine ältere Zielgruppe (Ü45) ansprechen, und auf der News-App verzichten wir grundsätzlich auf den geschriebenen Genderdoppelpunkt und den mündlichen Glottisschlag.» Neu wird also nach Alter differenziert.

Beispiele für Formate für eine jüngere Zielgruppe sind «rec.» oder «SRF Bounce», wie es auf Anfrage heisst. Ein Beispiel für ein Format, das primär mehrheitlich von über 45-Jährigen genutzt werde, sei «Potzmusig».

Keine Kreuz-Ketten mehr im Studio

Weitere Punkte, die in den Publizistischen Leitlinien geändert wurden:

  • Vor nationalen Wahlen sind Einzelauftritte von Kandidierenden in Informationssendungen ab drei Monaten vor dem Wahltag mit der Chefredaktion abzusprechen. Für Sendungen ausserhalb des Informationsangebots beträgt die Frist sechs Monate. Diese Fristen waren in der letzten Version so nicht aufgeführt.
  • Neu ist auch dieser Punkt: Bei journalistischen Auftritten verzichten SRF-Mitarbeitende grundsätzlich auf das Tragen von ideellen, politischen, religiösen und werblichen Symbolen. 2023 sorgte eine Kreuz-Kette von «10 vor 10»-Moderatorin Wasiliki Goutziomitros für Diskussionen. Wie SRF weiter schreibt, seien bewilligte Ausnahmen, zum Beispiel in Religionssendungen, digitalen Formaten oder auf sozialen Plattformen möglich.
  • Und schliesslich heisst es: In linearen Informationssendungen und Moderationsgesprächen unter SRF-Mitarbeitenden werden alle Personen weiterhin gesiezt. Ansonsten können «Du» oder «Sie» jeweils abgestimmt auf das Format, die Situation und das Zielpublikum eingesetzt werden.

«Die Publizistischen Leitlinien sind die DNA unseres Schaffens. Sie definieren unser journalistisches Selbstverständnis», wird Beat Soltermann, Leiter der für die Leitlinien verantwortlichen Kerngruppe, zitiert. «Um ein Medienhaus für alle zu sein, ist es wichtig, sie regelmässig an die Lebensrealitäten unseres Publikums anzupassen.» (pd/cbe)