Im Arbeitskonflikt um einen Sozialplan beim Verlagshaus Tamedia haben sich die Sozialpartner geeinigt. Am Donnerstag hat die Arbeitnehmerdelegation die Redaktionen über das Ergebnis informiert. «Die Anwesenden zeigten sich mit dem Ergebnis zufrieden», schreibt der Berufsverband Impressum in einer Mitteilung. Auch Impressum halte die Leistungen des Sozialplans für korrekt.
Die Basis für die Einigung habe der Sozialplan gebildet, welchen Impressum und die Personalkommission im Sommer mit Tamedia in der Westschweiz ausgehandelt hatte (persoenlich.com berichtete). Der Sozialplan beinhaltet laut Mitteilung im Wesentlichen die Ausrichtung von Abgangsentschädigungen bei Entlassungen, Differenzzahlungen zur Kompensation von Lohneinbussen entlassener 50- bis 59-jähriger Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Arbeitslosengeld beziehen sowie Leistungen bei Frühpensionierungen. Zudem sind Beträge für Coaching, Weiterbildung, Umschulungen und Umzugskosten vorgesehen.
Impressum ist der Ansicht, dass die Abgangsentschädigungen korrekt sind. Bei den vorzeitigen Pensionierungen hätte sich der Berufsverband gewünscht, dass nicht erst Personen ab 61 (Männer) oder 60 (Frauen) davon profitieren können. Andere Sozialpläne sehen diese Möglichkeit bereits zwei Jahre früher vor. «Der grosse Wermutstropfen ist jedoch der Fakt, dass freischaffende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eine hohe Einkommensschwelle bei Tamedia erreichen müssen, um von einigen oder allen Leistungen des Sozialplans zu profitieren», heisst es weiter.
Trotz des «anständigen Sozialplans» fordert Impressum von Tamedia, die auszusprechenden Kündigungen auf ein Minimum zu reduzieren. Die Qualität der journalistischen Berichterstattung dürfe keinen Schaden nehmen, und Tamedia stehe in der Verantwortung, «die persönlichen Lebensumstände von verdienten Mitarbeitenden zu berücksichtigen».
Ein Gesamtarbeitsvertrag ist dringend nötig
Auch die Mediengewerkschaft Syndicom erachtet das Verhandlungsergebnis als gut. «Dass es dabei die Vermittlung der Eidgenössischen Einigungsstelle brauchte, wirft allerdings ein schlechtes Licht auf die Geschäftsleitung von Tamedia», heisst es in einer weiteren Mitteilung. «Für das grösste und wohlhabendste Medienunternehmen der Schweiz (…) müsste die Gewährung von fairen Sozialleistungen im Rahmen der laufenden Restrukturierung eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Leider scheint dies nicht der Fall zu sein.»
Der Verlauf der Verhandlungen zeige erneut den dringenden Bedarf für eine branchenweite Regelung im Rahmen eines Gesamtarbeitsvertrags. «Nach bald zwei Jahrzehnten im vertragslosen Zustand braucht es in der privaten Medienbranche dringend verbindliche minimale Standards für Löhne und Arbeitsbedingungen sowie Leistungen bei einem Stellenabbau», so Syndicom. Auch im Hinblick auf das neue Medienförderungsgesetz wäre es angezeigt, Hand zu bieten für eine gelebte Sozialpartnerschaft.
Am Montag unterzeichnet
Der unter Beizug der Eidgenössischen Einigungsstelle zustande gekommene Vertrag wurde am Montag unterzeichnet, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mitteilte.
Am Anfang des Arbeitskonfliktes bei der Tamedia Publikationen Deutschschweiz standen die Sparpläne des Konzerns. Im August 2020 gab Tamedia bekannt, in den kommenden drei Jahren um 15 Prozent oder 70 Millionen Franken zu reduzieren (persoenlich.com berichtete). Die Personalkommission und die Firmenleitung nahmen Verhandlungen über einen Sozialplan auf, die jedoch scheiterten.
Das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) hatte die Einsetzung der Eidgenössischen Einigungsstelle für kollektive Arbeitskonflikte auf Ersuchen der Dach-Personalkommission bei Tamedia am 5. Juli verfügt. Aufgabe der Einigungsstelle ist es, eine direkte Verständigung unter den Parteien zu erzielen. (pd/sda/cbe)