27.06.2022

Graubünden

Regierung lehnt Nachrichtenagentur vorerst ab

Ein Auftrag aus dem Parlament fordert eine umgehende Gründung einer kantonalen, italienischsprachigen Agentur. Die Regierung lehnt dies ab.
Graubünden: Regierung lehnt Nachrichtenagentur vorerst ab
Blick auf das Regierungsgebäude in Chur: Die Bündner Regierung will nicht in eine bereits laufende Entscheidungsfindung eingreifen. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller

Die Bündner Regierung will bei der Verbesserung der medialen Versorgung in Italienischbünden nicht vorpreschen. Die umgehende Gründung einer kantonalen, italienischsprachigen Nachrichtenagentur,
wie es ein Auftrag aus dem Parlament fordert, lehnt sie ab. Die Agentur bleibt aber ein Thema. Die Regierung will nicht in eine bereits laufende Entscheidungsfindung eingreifen, wie sie am Montag in ihrer Antwort auf den Vorstoss schrieb.

Das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement sei zusammen mit italienischsprachigen Interessengruppen daran, einen Vorschlag zur Verbesserung der medialen Versorgung von Italienischbünden auszuarbeiten. Die Schaffung einer Agentur sei eine von mehreren
Optionen. Die Regierung rechnet mit konkreten Resultaten Anfang nächsten Jahres.

Der Auftrag aus dem Parlament fordert die Gründung einer italienischsprachigen Agentur nach dem Vorbild der rätoromanischen Fundaziun Medias Rumantschas (FMR), welche die rätoromanischen
Medien mit journalistischen Inhalten beliefert. Alternativ sei eine mindestens zweisprachige (rätoromanisch-italienische) Redaktion oder Agentur denkbar.

Der von SP-Parlamentarier Lukas Horrer eingereichte Auftrag wurde von Mitgliedern fast aller Grossrats-Parteien mitunterzeichnet. Der Vorstoss orientiert sich an einer aktuellen Studie, die im Auftrag des Grossen Rates über die mediale Versorgung im dreisprachigen Graubünden erstellt wurde. Diese beurteilte das Angebot an regionalen Informationen in italienischer Sprache als kritisch.

Neue Agentur oder Ausbau bei Keystone-SDA

Zur Verbesserung der Situation schlugen die Studienautorinnen und -autoren die Schaffung einer Nachrichtenagentur vor, wie sie nun im Auftrag gefordert wird. Sie beurteilten aber auch weniger weitreichende Massnahmen als zielführend.

Denkbar sei der Ausbau einer in Graubünden bestehenden italienischsprachigen Redaktionsstelle bei der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Zudem könnten die drei italienischsprachigen Online-Nachrichtenportale finanziell und technisch unterstützt werden.

Die Studie war der Auslöser für die Aktivitäten des Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartements, auf welche die Regierung in der Antwort verweist. (sda/tim)


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