Er hätte es sein können. Die Glatze, die Erscheinung, ja seine Anwesenheit als Walliser im Walliser Bergkurort: All das sprach dafür, dass es sich um Gianni Infantino handeln könnte.
Er sah aus wie Infantino
Das dachte sich auch ein Reporter von CH Media, als er in Crans-Montana am vergangenen Sonntag einen Mann erblickte, den er für den Präsidenten des Weltfussballverbandes hielt. Als der Angesprochene auf eine entsprechende Frage bestätigte, dass er Gianni Infantino sei und gerne Auskunft gebe, schien die Sache klar. Doch drei Tage intensive Berichterstattung über das Unglück dürften ihre Spuren hinterlassen und die Wahrnehmung getrübt haben. Das erwähnen mit den Vorgängen vertraute Personen.
Und so nahm der vermeintliche Fifa-Präsident zu verschiedenen Aspekten der Brandkatastrophe Stellung: zum Deckenmaterial der ausgebrannten Bar (nicht feuerfest), zu den Schicksalen der Familien (keine Kleinigkeit), zur persönlichen Betroffenheit (nicht direkt).
CH Media publizierte den Artikel am Sonntag nach 17 Uhr auf seinen Zeitungsportalen, sowie auf Watson. Der Text bestand aus einer Ansammlung von Zitaten. Als Kontext erfuhren die Lesenden einzig, dass der vermeintliche Infantino «am Rande eines privaten Aufenthalts in Crans-Montana» mit dem Reporter gesprochen hatte.
Infantino war am Sonntag in Marokko
Der reale Fifa-Präsident hielt sich derweil beim Afrika-Cup in Marokko auf. Davon zeugen Bilder, die ihn auf der Tribüne beim Spiel des Gastgebers gegen Tansania zeigen. Zur Brandkatastrophe hatte er sich bereits am Neujahrstag im Namen der Fifa geäussert und den Familien und Angehörigen kondoliert.
Entsprechend gross war die Verwunderung in der Fifa-Zentrale in Zürich, als man am Sonntagabend davon las, dass sich der Chef nicht in Afrika, sondern im Wallis aufhalten und sich als Privatperson zur Tragödie in der Silvesternacht geäussert haben soll.
Die Fifa konnte und wollte das nicht stehen lassen und intervenierte deshalb bei CH Media und auch bei Blick, der einen Zusammenschrieb veröffentlicht hatte. Bei CH Media zögerte man anfänglich. Schliesslich könnte es sich die Fifa auch anders überlegt haben und Infantinos spontane Aussagen unter einem Vorwand zurückziehen wollen.
Doch dann ging es schnell. «Nachdem das Missverständnis entdeckt wurde, entschieden wir uns, den Artikel zu depublizieren», heisst es von Seiten CH Media auf Anfrage von persoenlich.com. Auch Blick liess den Text verschwinden. Die entsprechenden Links führen seither ins Leere. Den Grund der Depublikation erfährt der interessierte Leser nicht.
Pech hatte das Bieler Tagblatt, das den Artikel im Rahmen der Content-Partnerschaft mit CH Media erhalten hatte. Während CH Media rechtzeitig die Reissleine ziehen und am Sonntagabend dafür sorgen konnte, dass der Artikel nicht in den eigenen Zeitungen erscheint, findet sich der falsche Gianni Infantino beim Partner in Biel auf Papier verewigt.
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06.01.2026 07:26 Uhr
06.01.2026 06:35 Uhr

