04.06.2026

Todesfall

Robert Ruoff ist gestorben

Am Dienstag ist eine prägende Figur des Schweizer Fernsehjournalismus gestorben, kurz vor seinem 82. Geburtstag.
Todesfall: Robert Ruoff ist gestorben
Wurde knapp 82 Jahre alt: Robert Ruoff. (Bild: zVg)

Urs Alter, ehemaliger Ausbildungsleiter von Radio und Fernsehen DRS, würdigt Ruoff in einem Nachruf als jemanden, der den publizistischen Stil des Schweizer Fernsehens wesentlich mitgeprägt hat. Nach einer Zeit bei der «Rundschau» wechselte er zur «Tagesschau», deren stellvertretender Leiter er von 1986 bis 1989 war, und wurde schliesslich Gesicht der «Freitagsrunde» – des Vorläufers der heutigen «Arena». Es war eine Zeit des Umbruchs: Privatfernsehen und -radio drängten als neue Konkurrenz auf den Markt, und rechtskonservative Kreise übten Druck auf die Politsendungen aus. Ruoff hielt an seinem journalistischen Credo fest: Faktengetreue Berichterstattung allein genüge nicht – analytischer Journalismus, der Ereignisse einordnet, sei essenziell für das Funktionieren von Demokratien.

Nach seiner Zeit vor der Kamera wirkte Ruoff als persönlicher Mitarbeiter von SRG-Generaldirektor Antonio Riva (1989–1991) und nahm so Einfluss auf die medienpolitischen Herausforderungen der SRG in jenen Umbruchjahren. Anschliessend war er Pressechef des Fernsehens DRS (1991–1996), bevor er den Bereich Bildung übernahm, den er bis 2004 leitete. Für ihn war dies keine Abkehr vom Journalismus, sondern eine Herzensangelegenheit: Er war überzeugt, dass ein öffentlich-rechtliches Fernsehen seinen gesellschaftlichen Auftrag nur erfüllen kann, wenn journalistische Qualität und Bildung miteinander verbunden werden.

Nach seinem Abgang von der SRG war Ruoff von 2004 bis 2007 für alt Bundesrat Adolf Ogi tätig, damals Uno-Sonderberater für Sport. Daneben blieb er journalistisch aktiv: Auch Infosperber würdigt seinen Tod und erinnert daran, dass er von 2011 bis 2021 dort 251 Artikel verfasste und der leitenden Redaktion angehörte. Zudem publizierte er in der Medienwoche sowie in verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen – stets zu den Themen, die ihn sein Leben lang beschäftigten: journalistische Qualität, der gesellschaftliche Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die Medienpolitik.

In seinen späteren Jahren trieb ihn die Frage um, wie ein demokratischer Service public in der digitalisierten Schweiz gestaltet werden kann. Ab 2017 baute er ein «Kompetenznetzwerk Mediendemokratie» auf und arbeitete mit Medienwissenschaftern, Journalistinnen und Journalisten sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen an der Idee eines «Public open space für die Schweiz» – eines Netzes verbundener Plattformen für den demokratischen Diskurs. Krankheit zwang ihn schliesslich, das Projekt aufzugeben. Er zog von seinem geliebten Jura nach Solothurn, wo er am 2. Juni starb. (cbe)


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