10.08.2021

Österreich

Roland Weissmann wird neuer ORF-Chef

«Der ORF braucht dringend mehr digitale Bewegungsfreiheit, damit wir den Anschluss nicht verpassen», sagte er nach seiner Wahl.
Österreich: Roland Weissmann wird neuer ORF-Chef
Tritt sein Amt Anfang 2022 an: Roland Weissmann. (Bild: Keystone-sda)

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich bekommt nach 15 Jahren einen neuen Chef. Roland Weissmann wurde am Dienstag zum neuen Generaldirektor des ORF und somit zu einem der wichtigesten Medienmanager des Landes gewählt, wie ein Sprecher des Senders bekanntgab. Weissmann soll sein Amt zum Jahresbeginn 2022 antreten.

Bei der Abstimmung im ORF-Aufsichtsgremium konnte der bisherige Vizefinanzchef des Unternehmens vor allem auf die Unterstützung der Stiftungsräte zählen, die der konservativen Regierungspartei ÖVP nahestehen. Weissmann folgt auf Alexander Wrabetz, der das Medienunternehmen mit rund 3000 Mitarbeitern seit 2007 leitet und der sich um eine weitere fünfjährige Amtszeit beworben hatte.

Der ORF ist ein Schwergewicht in Österreichs Medienlandschaft: Die Fernsehsparte hat einen Marktanteil von 36 Prozent, die zwölf landesweiten und regionalen Radioprogramme kommen auf 74 Prozent.

Die Politik beeinflusst die Wahl des ORF-Generaldirektors. Die 35 Stiftungsräte sind zwar formell unabhängig, doch 24 von ihnen werden von der Regierung, den Bundesländern und den Parlamentsparteien entsandt. Das Gremium ist in informelle politische Fraktionen gegliedert. Weissmanns Bestellung galt dank seiner Nähe zur ÖVP schon seit Tagen als so gut wie ausgemacht.

Bei einer öffentlichen Präsentation der fünf zuletzt verbliebenen Bewerber hatte Weissmann am Montag angekündigt, den ORF digitaler, jünger und gesellschaftlich vielfältiger machen zu wollen. Er forderte eine Änderung der bestehenden gesetzlichen Regelung, die die Online-Aktivitäten des Senders einschränkt. «Der ORF braucht dringend mehr digitale Bewegungsfreiheit, damit wir den Anschluss nicht verpassen», sagte er.

Der designierte neue ORF-Chef stieg Mitte der 1990er Jahre in dem Unternehmen ein und wurde schon bald mit leitenden Redaktionsposten betraut. Seit 2012 ist Weissmann Chefproducer der Fernsehsparte, seit 2017 auch stellvertretender Finanzchef. (sda/dpa/wid)


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KOMMENTARE

Rudolf Penzinger
11.08.2021 09:52 Uhr
Mit der Wahl Weissmanns ist Bundeskanzler Kurz in seinem Bemühen, die wichtigsten Medien des Landes unter seinen Einfluss und seine Kontrolle zu bringen, einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Kurz und Österreich nähern sich damit immer weiter dem Nachbarland Ungarn und Orbán an.
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