07.09.2016

SRF

Schon wieder «Kassensturz»-Team attackiert

Erneut sind ein Redaktor und ein Kameramann des Konsumentenmagazins angegriffen worden. Der Fall erinnert an einen Autovermieter, der vor laufender Kamera ausrastete. Trotzdem: Solche Fälle seien selten, heisst es bei der Konsumredaktion auf Anfrage.
SRF: Schon wieder «Kassensturz»-Team attackiert
Griff während Dreharbeiten den «Kassensturz»-Redaktor und den Kameramann an: Der Geschäftsführer einer Möbelfirma. (Bild: Screenshot)
von Christian Beck

Der Angriff kam überraschend. Bei einem Dreh vor dem Showroom einer Möbelfirma in Regensdorf attackierte ein Mann das «Kassensturz»-Team und versuchte, die Kamera an sich zu reissen. Eine zweite Person riss dem «Kassensturz»-Reporter Unterlagen aus der Hand. Dabei seien die beiden Männer aggressiv zur Sache gegangen, heisst es auf der Konsumseite von SRF. Die von «Kassensturz» gerufene Polizei konnte schliesslich die Situation beruhigen.

Kurz nach diesem Angriff versuchte die Möbelfirma die Ausstrahlung des Berichts mit einer superprovisorischen Verfügung zu verhindern. Dies ohne Erfolg: Der Beitrag wurde am Dienstag gesendet.

Autovermieter ausgerastet

Bereits im April dieses Jahres kam es zu einer Eskalation. Ein Autovermieter lockte Kunden mit Tiefpreisen und zockte sie dann mit masslosen Forderungen ab. Bei der Konfrontation von «Kassensturz» flüchtete er zuerst in die Wohnung. Dann aber kehrte er mit einer Maske vermummt zurück und rastete vor laufender Kamera aus. Er bedrängte die Reporter und verängstigte Passanten. Vier Polizisten führten den Autovermieter schliesslich zur Einvernahme auf den Posten ab.

Tätliche Angriffe selten, verbale häufig

Zwei ähnlich gelagerte Angriffe auf «Kassensturz»-Reporter innerhalb kurzer Zeit – Zufall oder Alltag? «Dass Redaktoren oder ein Kameramann tätlich angegriffen werden, kommt glücklicherweise sehr selten vor», sagt Ursula Gabathuler, Redaktionsleiterin «Kassensturz» und «Espresso», auf Anfrage von persoenlich.com. Häufiger sind aber verbale Angriffe: «Das kommt während unserer Recherchen immer wieder mal vor, oft am Telefon. Dann wird aber meistens vor allem mit rechtlichen Schritten gedroht», so Gabathuler weiter.

Die Journalisten und Kameraleute seien jedoch geschult. Sie würden genau ihre Rechte und Grenzen kennen und würden wissen, was sie filmen dürfen und wo nicht. Gabathuler: «Im aktuellen Möbelhaus-Fall blieb das Team konsequent auf öffentlichem Grund und betrat das Privatgelände nicht.» Zudem seien die Mitarbeitenden angewiesen, nie zu provozieren und bei Auseinandersetzungen ruhig und sachlich zu bleiben. «Das war auch in diesem Fall so.»

Ob «Kassensturz» Anzeige gegen die Angreifer erstattet, wird von Fall zu Fall entschieden. «Im aktuellen Fall wurde vor allem der Kameramann tätlich angegriffen. Er wollte auf eine Anzeige verzichten», sagt Gabathuler.



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Kommentare

  • Giuseppe Trovato, 07.09.2016 17:54 Uhr
    Wahrscheinlich auch darum, weil keine Drehgenehmigung vorhanden war, sowie auch eine Einwilligung füd die Aufnahmen der Personen fehlte. Quintessenz - Kassensturz - machst eins auf "armer" dabei bist es wirklich...
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