Der Newsdienst von Google durchforstet Medien-Websites nach frei zugänglichen Nachrichten. Die Schlagzeilen der Zeitungsartikel listet die Suchmaschine in einer Übersicht auf. Aus Sicht der Verleger geht Google damit zu weit: "Wir sind der Meinung, dass Google mit seinem Newsdienst das Urheberrecht verletzt und unlauteren Wettbewerb betreibt", erklärt VSP-Präsidiumsmitglied Norbert Neininger auf Anfrage von "persoenlich.com". Der Verband befürchtet, dass vielen Lesern die Textanrisse auf news.google.ch genügen, und sie darauf verzichten, den Artikel in voller Länge auf den Newsportalen der Medienhäuser zu lesen.
Der Verband suchte deshalb seit Anfang Jahr intensiv nach Mitteln und Wegen, wie die Wilderei des Internetriesen auf den Websites der Schweizer Zeitungsverlage wirkungsvoll eingedämmt werden könnte. Es dauerte indessen Monate, bis sich die Verleger auf eine gemeinsame Strategie einigen konnten. Erst im Sommer traf sich eine Verhandlungsgruppe von Schweizer Presse mit der Konzernspitze von Google Schweiz. Mit welchen Forderungen die Verleger an Google herantraten, darüber schweigt sich der Verband aus. "Unser Ziel ist, unsere Rechte zu verteidigen", sagt Neininger. Er argumentiert, dass die Verlage künftig nicht mehr gewillt seien zu verschenken, wofür sie Geld bezahlen. "Schliesslich müssen die Verlage Journalisten für die Herstellung der Inhalte entlöhnen."
Branchenkenner gehen davon aus, dass die Zeitungsverleger für die Verwendung ihrer Inhalte von Google finanziell entschädigt werden wollen. Noch sind sich die Verleger indessen uneins, ob sie mit Google auf Schmuse- oder Konfrontationskurs gehen sollen. Oder in den Worten Neiningers: "Es gibt einen harten und einen weichen Weg." Konfrontation würde für die Verleger bedeuten, Klage gegen den Suchmaschinenbetreiber einzureichen. Diesen Weg haben Zeitungsverleger andernorts gewählt -- mit Erfolg. In Belgien hatte der Verband Copiepress geklagt, nachdem Google seinen Newsdienst in einer belgischen Version lanciert hatte. Vergangenen Februar dann verbot ein Gericht Google, auf Zeitungsartikel zu verweisen.
Der Rechtsstreit in Belgien wurde im Juni beigelegt, nachdem Google auf einige Forderungen der Verleger eingegangen war. Zuvor hatte das kalifornische Unternehmen die Anliegen der Verleger vornehmlich ignoriert. Doch auch in anderen Ländern Europas setzten sich Inhalteanbieter zur Wehr, indem sie den Rechtsweg einschlugen: In Frankreich etwa strengte Agence France Presse (AFP) einen Prozess an, der im April in eine aussergerichtlichen Lösung mündete.
Google Schweiz sucht partnerschaftliche Lösung
Es mag an diesen Erfahrungen im Ausland liegen, dass Google Schweiz gegen aussen nicht genug betonen kann, dass man einen Weg finden wolle, der alle beteiligten Parteien zufrieden stellt. "Es ist in unserem Sinn, dass wir eine partnerschaftliche Lösung mit den Verlegern finden", erklärt Matthias Graf, Sprecher von Google Schweiz auf Anfrage von "persoenlich.com". Er sieht diese Absicht darin bestätigt, dass Google Schweiz-Chef Andreas Schönenberger am diesjährigen Verlegerkongress im September ein Referat halten wird.
Graf betont, dass Google ein Technologie-Unternehmen ist -- und keine Inhalte besitzt: "Für uns ist deshalb wichtig, dass wir unsere Operationen auch in der Schweiz mit den wichtigen Partnern abstimmen und gemeinsam einen Weg beschreiten können."
Verleger planen Alternative zu Google News
Unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen mit Google Schweiz plant ein Verbund von sieben deutschschweizer Medienhäusern, eine Konkurrenz-Website zu google.news zu lancieren, wie Recherchen von "persoenlich.com" ergeben. Angeboten werden soll eine gemeinsame Übersichtsseite, welche die Schlagzeilen der beteiligten Zeitungstitel umfasst. Analog zu Google führen Links zu den Websites der einzelnen Portale. Der Newsdienst soll dabei nicht exklusiv den beteiligten Medienhäusern zur Verfügung stehen, sondern auch Artikel anderer Titel einbinden.
Die Verleger verbinden mit der Lancierung eines Konkurrenz-Angebots zu Google die Hoffnung, einen eigenen "Traffic-Generator" etablieren zu können: "Man kann eine erfolgreiche Website wie Google nicht nur bekämpfen, sondern muss auch versuchen, sie mit einer Alternative zu schlagen", sagt Neininger. Die Lancierung eines gemeinsamen Newsdienstes befindet sich derzeit noch in einer Projektphase. Abgeklärt wird, wie eine solche Nachrichten-Website beschaffen sein müsste, um gegen Google bestehen zu können. Mitte September wollen die beteiligten Medienhäuser entscheiden, ob sie die Google-Alternative tatsächlich realisieren.
(Text: David Vonplon)

