20.03.2007

SF stellt neue Sendungen und Eigenproduktionen vor

Deltenre will in Prime Time stärker werden.

Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre darf auf ein erfreuliches Jahr 2006 zurückblicken. Der Marktanteil des Schweizer Fernsehens stieg um 1.2 Prozent, vom Publikum erhielt das Programm in Umfragen gute Noten. Einziger Wermutstropfen: Im Hauptabendprogramm verlor SF an Quote. Mit welchen neuen Sendungen und Eigenproduktionen SF die Prime Time stärken will, erklärten die Programmverantwortlichen an der Jahres-Medienkonferenz.

Für das laufende Jahr präsentierte SF-Chefredaktor Ueli Haldimann eine ganze Liste neuer Sendegefässe allein im Bereich "Information". Mitte April startet die neue wöchentliche Wissenssendung "Einstein", die von Monika Schärer, Mario Torriani und Jann Billeter moderiert wird. Die neue Sendung orientiert sich bewusst weniger stark an den Entwicklungen der Wissenschaft als seine Vorgängersendung "MTW" und soll damit stärker das breite Publikum ansprechen.

Mit einer neuen wöchentlichen Wirtschaftssendung, die ab August jeweils am Montag ausgestrahlt wird, sowie mit der elfteiligen Doku-Serie "Startup", will SF seine Wirtschaftskompetenz erhöhen. Damit soll ein Feld stärker besetzt werden, das laut Ueli Haldimann bislang ein "weisser Fleck im Programm" war. Wie bei der neuen Wissenssendung gilt auch in der Wirtschaftsberichterstattung die Maxime, komplexe Themen mit populär gehaltenen und leicht verdaulichen Beiträgen dem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Ebenfalls erfährt "Quer" eine grundlegende Erneuerung. Ausser der Zusammensetzung der Redaktion ändert sich bei der Sendung -- laut Haldimann ein "typisches Zeitgeistprodukt der 90er Jahre" – so ziemlich alles: Sie wird kürzer, erhält ein neues Dekor, eine neue Moderation und mit "Leben live" einen neuen Namen. Widmen wird sich das Format Be- und Erziehungsfragen. Gross geschrieben wird die Interaktion mit dem Publikum. So soll Moderatorin Fabienne Pfammatter über ein eigens entwickeltes Tool mit den Zuschauern in Kontakt treten.

Entscheid über Arena nach den Wahlen

Die Politsendung "Arena" bleibt vorerst im Programm: "Wir führen die Sendung sicherlich bis Ende Jahr weiter", sagte Haldimann an der Konferenz. Erst nach den Wahlen im Herbst soll ein Entscheid über das Format gefällt werden, das unter Zuschauerschwund leidet. Haldimann führt die wachsende Kritik am einstigen Erfolgsformat darauf zurück, dass man es verpasst habe, die Politsendung einer gründlichen Überarbeitung zu unterziehen.

Trotzdem wäre es laut Haldimann töricht, die Sendung abzuschaffen, da die Marke "Arena" weiterhin sehr stark sei. Weitere Programminnovationen im Bereich "Information" sind eine siebenteilige Doku-Serie, bei der das Schweizer Fernsehen die Bergretter von der Air Zermatt begleitet, sowie die neue Live Science-Sendung "Die Pfahlbauer von Pfyn" -- sofern dem Schweizer Fernsehen nicht doch noch "juristische Knebel zwischen die Beine geworfen werden", wie Haldimann erklärt.

Alt Bewährtes am Samstag Abend

Auch im Bereich Unterhaltung stellt das Schweizer Fernsehen die Erneuerung des Hauptabendprogramms in den Fokus, nachdem der Vorabend in den vergangenen Jahren programmlich stärker besetzt wurde. Nach einigen Flops in der Vergangenheit steht SF-Unterhaltungschefin Gabriela Amgarten unter beträchtlichem Druck, mit Programminnovationen aufzuwarten, die bei den Zuschauern ankommen. Gewohnt publikumsnah gibt sich SF unter seinem Unterhaltungslabel "SF bi de Lüt". In einer zwölfteiligen Serie, die am 13. April startet, trimmt SF die Bevölkerung während drei Monaten fit. Ziel der Aktion ist, dass die Bevölkerung des Rheinstädtchens insgesamt 3'000 Kilos innerhalb von drei Monaten abnimmt.

Am Samstagabend, dem Problemkind des Schweizer Fernsehens, wird auch in Zukunft vor allem alt Bewährtes serviert: Je sechs Mal werden die Quotengaranten "Benissimo", "Wetten, dass…" und "Musikantenstadel" ausgestrahlt. Premiere feiert am 15. Mai die neue Samstagabend-Kiste "Happy Day". Laut Amgarten soll die Show eine Lücke füllen. Während SF bei den Quizsendungen und volkstümlichen Sendungen aus eigener Wahrnehmung stark besetzt ist, wurden Formate vernachlässigt, die auf die Gefühle der TV-Zuschauer zielen. Mit Röbi Koller und Susanne Kunz als Moderatoren soll Versäumtes nun nachgeholt werden, indem das Schweizer Fernsehen die Herzenswünsche des Publikums erfüllt.

Möglich ist, dass das Schweizer Fernsehen wieder "Tatort"-Krimis ausstrahlt und dies bereits am Samstag statt wie bisher am Sonntag Abend. Man bemühe sich gegenwärtig über ein Vorausstrahlungsrecht, so Deltenre. Ob man dieses erhalte sei "sehr offen". Eine Rückkehr zum früheren Sendeplatz kann sie sich nicht vorstellen.

Lüthi & Blanc-Nachfolge nicht vor Mitte 2008

Den Fans von "MusicStar" verkürzt SF die Zeit bis zur nächsten Staffel, indem sie in der sechsteiligen Doku-Serie "Baschi national" den erfolgreichsten aller "MusicStar"-Kandidaten begleitet und ihm beim Komponieren über die Schultern schaut. Im Herbst dann folgen sechs Sendungen der Show "Der grösste Schweizer Hit". In verschiedenen Musikgattungen treten die Top Ten der jeweiligen Kategorie gegen einander an, das Publikum ermittelt zusammen mit der Jury -- Beni Turnheer, Francine Jordi und Roman Kilchsperger --, welcher Künstler Polo Hofers "Alpenrose" als bester Schweizer Hit aller Zeiten herausfordern darf.

Im Herbst startet ebenfalls auf der "Eventschiene" die achtteilige Casting-Show "Stunthero". Der international erfolgreiche Schweizer Stuntman Oliver Keller absolviert mit Kandidatinnen und Kandidaten ein professionelles Trainingsprogramm. Dem Gewinner winkt ein Stunt-Engagement in einer Hollywood-Produktion.


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