So handhaben die Redaktionen den 14. Juni

Frauenstreik - Am Mittwoch findet der feministische Streik statt. Mit welchen Konsequenzen müssen streikende Medienschaffende rechnen? Und was haben die Verlage ihren Mitarbeitenden vorab kommuniziert? persoenlich.com hat bei mehreren Medienhäusern nachgefragt.

von Michèle Widmer

Am Wochenende haben Medienschaffende unter dem Namen Medienfrauenstreik auf Social Media ihr Engagement im Vorfeld des feministischen Streiks vom 14. Juni gezeigt. Auf Twitter wurden zahlreiche Chefredaktorinnen und Chefredaktoren mit konkreten Fragen zu den Themen Chancengleichheit, Diskriminierung oder Sexismus konfrontiert (persoenlich.com berichtete).

Über 120 Medienschaffenden haben die Forderungen, die das medienhäuserübergreifende Kollektiv in Zusammenarbeit mit den Mediengewerkschaften Syndicom und SSM formuliert hat, unterzeichnet. Den Spirit vom Frauenstreik 2019 haben die Organisatorinnen bisher nicht erreicht. Damals standen am Schluss 500 Namen auf der Liste.

Dennoch ist davon auszugehen, dass in den Redaktionen der Schweizer Medienhäuser am Mittwoch einige Arbeitsplätze leer bleiben. Zum Beispiel bei der WOZ. «Am nächsten Mittwoch werden in der WOZ nur Männer arbeiten. Weil mittwochs die aktuelle Zeitung fertiggestellt werden muss, erfordert das kreative Planung», heisst es in der aktuellen Ausgabe dazu.

Wie handhaben das andere Verlage? Welche arbeitsrechtlichen Folgen hat ein Streik für die Mitarbeitenden an diesem Tag? Und inwiefern haben die Medienhäuser im Vorfeld aktiv kommuniziert? persoenlich.com hat bei mehreren Verlagen nachgefragt und folgende Antworten erhalten:


«Die Mitarbeitenden wurden im Vorfeld aktiv darüber informiert, dass sie sich an dem Anlass beteiligen können. Wer den Frauenstreiktag besuchen möchte, macht dies in der Freizeit und als Privatperson. Dabei muss sichergestellt sein, dass der Regelbetrieb aufrechterhalten bleibt – die Teams organisieren sich entsprechend selbst. In den Publizistischen Leitlinien von SRF ist verankert, dass Programmmitarbeiterinnen und -mitarbeiter mit Kamerapräsenz im Hinblick auf die unabhängige Berichterstattung keine Anstecker oder anderen symbolischen Zeichen des Frauenstreiktags tragen dürfen.»




«Die NZZ hat keine spezifischen Empfehlungen bezüglich des Streiks bekannt gegeben. Wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter am Streik teilnehmen möchten, gelten grundsätzlich die gleichen Regelungen wie bei anderen Formen von Abwesenheit. Es wird erwartet, dass sich die entsprechenden Kolleginnen und Kollegen innerhalb ihres Teams organisieren, um sicherzustellen, dass die Arbeitsabläufe weiterlaufen können.»


 

«Als neutrales Medienunternehmen wird Tamedia den Frauenstreik objektiv behandeln und über relevante Ereignisse und Positionen berichten. Unsere Leserschaft kann sich auf eine ausgewogene Berichterstattung verlassen. Infolgedessen hat Tamedia bisher keine aktive Kommunikation zu diesem Thema betrieben. Selbstverständlich können die Tamedia-Mitarbeitenden am Frauenstreik teilnehmen. Sie müssen jedoch einen Ferientag beziehen, sofern die reguläre Arbeitszeit davon berührt wird.»



«Die Geschäftsführung hat die gesamte Crew informiert, dass niemand, der am Streik teilnimmt, Konsequenzen zu befürchten hat. Weitere Empfehlungen oder Regelungen haben wir nicht ausgesprochen. Wir freuen uns ausserdem auf den Besuch der Medienfrauen, die auch im Rothaus einen Stopp einlegen werden, und unterstützen ihre Forderungen. Wir haben keine übergreifende spezielle Planung oder spezifische Regelungen für den 14. Juni. Aber wir haben genügend gute Männer im Haus, die den Laden auch mal einen Tag lang alleine schmeissen können, falls nötig. Publizistisch hat unser Programm ausserdem genügend Vorlaufzeit, dass keine Lücke entstehen wird. Abgesehen davon werden wir mit streikbedingten Abwesenheiten ad hoc umgehen, zum Beispiel Sitzungen wo nötig verschieben. Das hat bisher immer gut funktioniert.»




«Bei Ringier ermöglichen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Teilnahme am feministischen Streik. Die Teilnahme erfolgt als Privatperson und muss mit dem/der Vorgesetzten abgesprochen werden. Voraussetzung ist, dass der laufende Betrieb jeweils sichergestellt ist.»



«20 Minuten wird – in gewohnter Manier – neutral und unabhängig über den Frauenstreik berichten und verzichtet darauf, politische Zeichen zu setzen. Aufgrund unserer redaktionell neutralen Ausrichtung sind auch unsere Mitarbeitenden zurückhaltend mit öffentlichem Positionsbezug bei politischen Fragen. Entsprechend gibt es auch keine aktive Kommunikation oder Empfehlungen.»  




«Als familiengeführtes Unternehmen mit liberalen Werten verpflichten wir uns der Gleichstellung der Geschlechter. Unser Arbeitsumfeld ist geprägt von Offenheit, Toleranz und gegenseitigem Respekt. Wir bieten unseren Mitarbeitenden Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung und ein individuelles Zeitmanagement, das Rücksicht nimmt auf die beruflichen und persönlichen Bedürfnisse. Explizite Massnahmen zum Frauenstreik sind seitens CH Media nicht geplant.»





«Die Mitarbeiter:innen von Annabelle wurden darüber informiert, dass die Teilnahme am Streik für sie keine arbeitsrechtlichen Folgen hat. Annabelle unterstützt den feministischen Streik und ist mit einer Podiumsdiskussion im Hof des Landesmuseums zur Frage «Wie soll Arbeit gerechter werden?» aktiv am Streiktag beteiligt. Für den Streiktag sind keine Sitzungen angesetzt. Wir treffen uns hingegen zum gemeinsamen Frühstück, auch das aber freiwillig.»