SonntagsZeitung
Noch selten habe ein Bundesratsfoto so viele Fragen aufgeworfen, schreibt die SonntagsZeitung. Die Botschaft sei «verwirrend». «Warum wirbeln da Blätter wild durch die Luft? Flogen in der Landesregierung schon Stunden vor dem offiziellen Amtsantritt der beiden neuen Bundesräte Elisabeth Baume-Schneider und Albert Rösti bereits die Fetzen? Ist es nun endgültig vorbei mit einer geschlossenen Regierung? Oder symbolisiert das Papier in der Luft Geldscheine, die keiner mehr will, weil sie bald wertlos sind? Stimmt uns die Regierung hier gerade auf eine anhaltende Inflation ein?», fragt der Autor.
«Dabei wollte Rösti doch nur einen Stuhl – Willkommen in der Berner Business-Class», lautet der Titel eines Kommentars im Tagi. Der Bundesrat spiele sich selber als «eine Runde von überbezahlten Managerinnen und Managern» – «und das ziemlich überzeugend», heisst es darin.
Das neue Bundesratsfoto ist da! Und sieht aus wie eine Szene aus einer erstaunlich lustigen Vorstandssitzung. https://t.co/ZHlG2k2yWd
— Philipp Loser (@philipploser) December 31, 2022
Keystone-SDA
Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA stellt fest: Frühere Bilder des Bundesrats waren heiterer. «Auf den Bundesratsfotos des laufenden Jahres und der vergangenen Jahre erschienen die Mitglieder der Landesregierung und der Bundeskanzler jeweils heiterer. Auf dem Bild von 2022 sieht man mehrheitlich lächelnde Personen auf einer Bahnkarte der Schweiz. Jede Person steht dort, wo sie herkommt.»
Nicht nur die Gesichtsausdrücke der Bundesratsmitglieder sind diesmal anders, erstmals ist der Bundesrat sitzend abgebildet, bemerkt Watson: «Berset entschied sich (…), den Bundesrat nach längerer Zeit wieder mal sitzen zu lassen. In den früheren Jahren – man erinnere sich an das SBB-Kartenfoto oder Ueli Maurers Selfie – standen die Regierungsmitglieder üblicherweise auf dem Foto. In den Jahren 2015 und 2023 zeigt sich der Bundesrat so, wie er eigentlich üblicherweise zusammentrifft: sitzend und diskutierend.»
Zur Sitzordnung bemerkt die NZZ in einem neutralen Kommentar: «Während die Sozialdemokratin Baume-Schneider für das Bundesratsfoto am runden Tisch Platz nehmen darf, gibt es für den früheren SVP-Chef Rösti keinen Platz».
Das Foto ist gar nicht gelungen findet der Blick. «Wer ist hier Judas?», fragt die Autorin. Das Bundesratsfoto erinnere an ein berühmtes Kunstwerk, nämlich das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci. Es strotze nur so von Symbolik. «Die Ähnlichkeit der beiden Bilder entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie. Soll nämlich das Bundesratsfoto laut Bundespräsident Alain Berset zeigen, ‹dass die Mitglieder des Bundesrats trotz unterschiedlicher Standpunkte gut zusammenarbeiten und sich gemeinsam für die Schweiz einsetzen›, zeigt da Vincis Abendmahl den Moment, als Jesus seinen Jüngern am Abend vor seiner Kreuzigung weissagt: ‹Einer von euch wird mich verraten›.»
Wenig schmeichelhaft abgebildet sei dabei die neue Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider: «Während sie sich wie eine neue Schülerin, die noch lernen muss, fleissig Notizen macht, ist SVP-Mann Albert Rösti schon voll integriert und haut schon mal mit der Hand auf den Tisch.»

