12.09.2022

Presseschau

So kommentieren Medien den vierten «Tatort»

Die vierte «Tatort»-Ausgabe mit den Kommissarinnen Grandjean und Ott hat einen Marktanteil von 28 Prozent erreicht. Die Kritik hiesiger Medien fällt schonungslos aus – mit einer Ausnahme. Auch in Deutschland bewegt die Schweizer Ausgabe die Gemüter.
Presseschau: So kommentieren Medien den vierten «Tatort»
Die beiden Hauptdarstellerinnen in «Risiken mit Nebenwirkungen» (v.l.): Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler. (SRF/Sava Hlavacek)

Der vierte Schweizer Tatort «Risiken mit Nebenwirkungen» wurde am Sonntagabend ausgestrahlt. Der Film erreicht laut SRF einen Marktanteil von 28 Prozent. «Wir können nicht ganz zufrieden sein, da unser Anspruch für den Zürcher Tatort 30 Prozent Marktanteil ist», sagt Baptiste Planche, Leiter Fiktion bei SRF, auf Anfrage von persoenlich.com. Man wolle sich von den Tatorten aus Deutschland und Österreich (2021 durchschnittlich 25 Prozent Marktanteil) noch deutlicher abheben.

Insgesamt hätten am Sonntagabend in der Schweiz auch vor und nach dem Tatort ausserordentlich wenig Leute Fernsehen geschaut, was das tiefe Rating laut SRF erklärt. In Deutschland hingegen seien die Zahlen für «Risiken mit Nebenwirkungen» mit 25,8 Prozent Marktanteil sowie 7,3 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern erfreulich.

Das schreiben die Medien in der Schweiz und in Deutschland über diesen Tatort:

St. Galler Tagblatt

Das Urteil vom Tagblatt ist niederschmetternd: «Wann lernt das SRF endlich, was ein guter Krimi ist?» Die Figuren würden so oft das Genre wechseln, dass eine glaubwürdige Charakterzeichnung kaum möglich sei. Diese Widersprüche würden in heilloser Verwirrung enden. Die deutschen Drehbuchschreiberinnen Stefanie Veith und Nina Vukovic hätten ein Drehbuch geschrieben wie ein Lochsieb, heisst es weiter. «Als habe man sich erst in der Mitte des Drehbuchs auf den Täter geeinigt, fällt Handlungsstrang um Handlungsstrang durch die Maschen, ohne weiter verfolgt zu werden.»

Blick

Kritik hagelt es auch vom Blick. Vieles wirke überzeichnet und konstruiert. Der vierte Tatort gehe «nur als bittere Pille runter». Die im «Tatort» dargestellten Prozesse und Abläufe der pharmazeutischen Forschung, Medikamentenzulassung und der Markteinführung in der Schweiz würden nicht der Realität entsprechen, zitiert der Blick Samuel Lanz, Mitglied der Geschäftsleitung von Interpharma, dem Interessenverband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz.

NZZ

«Dieser ‹Tatort› ist ein Placebo, ein Scheinkrimi», schreibt die NZZ. Christine Repond inszeniere nach Rezept, frei von Risiko. Die Schauspieler würden an Dialogen scheitern, die in unfreiwillige Komik kippen.

Blue News

Ganz anders fällt die Rezension von Blue News aus. Der vierte Tatort gebe sich zwar «teils arg klischiert». Dennoch lohne es sich, ihn nachzuschauen, falls man ihn verpasst habe, lautet das Urteil, denn: Er sei handwerklich solide. «Kein Mega-Hit, aber auch kein Abtörner. Habe ich doch beim ‹Tatort› gucken schon ein paarmal verzweifelt weitergezappt – diesmal nicht», schreibt die Autorin.

Spiegel

Wenig Lob erntet der neue «Tatort» auch vom deutschen Spiegel. Lediglich zwei von zehn Punkten bekommt er in der Rezension. «Schlechtfühl-‹Tatort› für schlichte Gemüter», lautet das Urteil. Im Vergleich zu den ersten «Tatorten» aus Zürich sei die vierte Ausgabe enttäuschend. Es gebe keinen Clou und keine überraschenden Twists oder moralischen Ambivalenzen.

Zeit

«Dass die Performance schlimmer hätte ausfallen können, passt zum Gesamteindruck dieses Zürcher ‹Tatorts›», schreibt die Zeit. «Überraschende Handlungsumschwünge sind effektvoll; noch attraktiver wären sie, wenn sie nicht nur für den Moment, sondern auch darüber hinaus plausibel wirkten», heisst es unter anderem. (mj)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Peter Liechti
17.09.2022 14:00 Uhr
Eine nicht sehr objektive Presseschau, wenn alle positiven Rezensionen ausgelassen werden.
Marlies Strech
13.09.2022 14:50 Uhr
Mir haben zwei Dinge an diesem Tatort gefallen: Erstens versteht man den Text durchgehend gut. Bei vielen anderen Tatorten wird die Sprache durch Background-Musik übertönt, oder es wird ganz einfach lausig gesprochen. Zweitens sieht man viele Aspekte der Stadt Zürich in tollen Aufnahmen.
Anita Krebs
13.09.2022 10:04 Uhr
Den habe ich mir gespart, weil schon die Vorgänger in meinen Augen verschwendete Lebenszeit waren ... Aufgesetzte Dialoge, unstimmige Dramaturgie, irreführende Ortsaufnahmen – wenn z. B. in Richtung Kommissariat plötzlich einfach in die falsche Richtung gefahren wird, nur um schönere Aufnahmen am See oder der Limmat machen zu können ... usw. usf. Und dann noch die Hinzunahme des überflüssigen und schweizinternen Themas «Röstigraben», dem anscheinend Rechnung getragen werden soll durch die beiden Hauptdarstellerinnen (Let’s focus on me.) ... Wenn zuviel hineingepackt wird, wird’s eben oft schwierig. Weniger wäre mehr.
andi neukomm
13.09.2022 07:03 Uhr
Die Tagi Kritik war alles andere als schonungslos.
Kommentarfunktion wurde geschlossen