Der Tamedia-Zeitungen schreiben zur Erstürmung des Kongresses in Washington durch Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump:
«Es sind verstörende Bilder, die uns aus der ältesten modernen Demokratie erreichen. Das mächtigste Parlament, der amerikanische Kongress, wurde gestürmt von einem Mob von fanatischen Trump-Anhängern. Eine Frau wird angeschossen, sie stirbt. Und der Präsident schaute am Fernsehen dem zu, was er angerichtet hatte. Es ist kein spontaner Ausbruch, sondern es ist die Saat der Gewalt, die aufgegangen ist. Gesät von Donald Trump persönlich, von dem Mann, der noch immer Präsident der USA ist. Zwei Monate lang tat der mächtigste Mann der Welt nichts anderes, als seine Anhänger aufzuhetzen. An den Wahlurnen hat Trump längst die Quittung für sein Verhalten erhalten. (...) Wann endlich kommt Amerika zur Besinnung, wann endlich ist dieser Albtraum vorbei? Trump hat gezeigt, dass er charakterlich nicht dazu taugt, Präsident der USA zu sein. Beruhigend ist lediglich, dass er in zwei Wochen keine Macht mehr hat. Trotzdem: Es sind zwei Wochen zu viel.» (


Die Neue Zürcher Zeitung schreibt: «Die Szenen, die wir in den letzten Stunden vom amerikanischen Capitol verfolgen konnten, sind aufwühlend, schockierend, historisch. (...) Trotz allem Entsetzen muss man die Relationen wahren. So steht fest, dass Joe Biden am 20. Januar sein Amt als der 46. Präsident der Vereinigten Staaten antreten wird. Die USA sind weiterhin eine funktionierende Demokratie, die den Willen der Wähler respektiert. Das hat gerade die Wahl vom November bewiesen. Diese fand statt unter den widrigen Umständen der Pandemie, eines sich aller Normen entledigenden Präsidenten und einer ihm in blinder Loyalität folgenden republikanischen Parteiführung. Dennoch verliefen die Wahlverfahren in den fünfzig Staaten korrekt. Die Resultate waren oft knapp, aber genau und transparent ausgezählt. (...) Dutzende Richter bis hinauf zum Supreme Court verwarfen die Flut der abstrusen Klagen von Trumps Anwälten und Verbündeten. (...) Die Szenen vom Capitol sind ein Skandal. Doch sie reflektieren nicht primär den Zustand der USA, sondern den Zustand ihres Präsidenten.» (sda/eh)

