Immer noch sind die sogenannten non scripted Unterhaltungsformate auf dem Vormarsch. Das sind Programme ohne Skript und ohne Schauspieler. Zu Instant Stars werden hier gewöhnliche Leute. Mit ihren spontanen Reaktionen, die keinem Drehbuch entstammen, können sie ganz offensichtlich die Zuschauer mehr berühren als noch so grosse Schauspielkunst es fertigbringt. Und ganz angenehm nebenbei: Diese Programme sind bedeutend billiger herzustellen als alles Fiktionale.
Serien, Shows, Reality
Während einige Jahre Reality-Serien wie Bigbrother, Survivor, Ich bin ein Star, holt mich hier raus dominierten, dann Castingshows wie Musicstar und next Topmodel, sind jetzt bei Game- und Quizzshows interessante Innovationen festzustellen. Eines der spannendsten neuen Formate ist zum Beispiel die Quizzshow Are you Smarter than a 10 Year old?
Was wie eine banale Quizzshow in Form einer Klassenprüfung von Erwachsenen und Kindern aussieht, ist ein raffiniertes Stück moderner Fernsehunterhaltung, Erstens zielt bereits der Titel auf ein häufiges Familiendrama: Die Kinder kommen mit Schulaufgaben nach Hause und wollen die Hilfe ihrer Eltern. Und diese müssen feststellen, dass sie noch weniger verstehen als ihre Sprösslinge. Das ist ein Grundplot, der die ganze Familie vor dem Schirm versammelt.

Was wie eine banale Quizzshow in Form einer Klassenprüfung von Erwachsenen und Kindern aussieht, ist ein raffiniertes Stück moderner Fernsehunterhaltung, Erstens zielt bereits der Titel auf ein häufiges Familiendrama: Die Kinder kommen mit Schulaufgaben nach Hause und wollen die Hilfe ihrer Eltern. Und diese müssen feststellen, dass sie noch weniger verstehen als ihre Sprösslinge. Das ist ein Grundplot, der die ganze Familie vor dem Schirm versammelt.
Collective Viewing heisst das Zauberwort, das für die bei den Werbern begehrte junge Zuschauerschaft der unter 50jährigen sorgt. Zweitens wurde unterdessen das Casting der Teilnehmer so professionalisiert, dass eben auch ohne Skript im Studio packende Dialoge und Dramen stattfinden. Und weil oft clevere Kids gegen Anwaelte oder Doktoren gewinnen, löst sich auch zu Hause die Spannung in einem (schadenfreudigen) Lachen auf.
Kritik an Übernahme erfolgreicher Ideen führt in geistige Sackgasse
Diesen Frühling wurde das Programm erstmals von Fox in den USA ausgestrahlt und bereits wird es in weiteren 27 Ländern produziert. In Deutschland unter dem Titel Das weiss doch jedes Kind. Dies zeigt ein weiteres Element der modernen Fernsehwelt: Erfolgreiche Formate reisen wie der Blitz um den Globus. Und die Kritik unbedarfter einheimischer Medienjournalisten an der Übernahme erfolgreicher Ideen weltweit führt bloss in eine geistige Sackgasse. Wieso sollen wir nicht die besten Ideen aus aller Welt dem Schweizer Publikum zeigen. Wir kaufen schliesslich auch iPods aus den USA, Parfums aus Frankreich, Autos aus Japan und Uhren aus der Schweiz.
Eine interessante Weiterentwicklung nicht geskripteter Unterhaltung ist auch die Gameshow The singing Bee (ITV in England und NBC in den USA). Es ist eine Karaoke-Sendung, die einen gesellschaftliche Trend aufgreift und gezielt versucht, noch breitere Massen anzusprechen, als es mit der Castingshow Musicstar gelang. Denn wahrend man bei einem Gesangswettbewerb wirklich singen können sollte, kommt es bei dieser Karaoke Show nur darauf an, sich an den Text eines Songs zu erinnern.

Eine interessante Weiterentwicklung nicht geskripteter Unterhaltung ist auch die Gameshow The singing Bee (ITV in England und NBC in den USA). Es ist eine Karaoke-Sendung, die einen gesellschaftliche Trend aufgreift und gezielt versucht, noch breitere Massen anzusprechen, als es mit der Castingshow Musicstar gelang. Denn wahrend man bei einem Gesangswettbewerb wirklich singen können sollte, kommt es bei dieser Karaoke Show nur darauf an, sich an den Text eines Songs zu erinnern.
Das trauen sich mehr Leute zu und drängen darum in die Show. Und auch Zuhause machen beim Zuschauen mehr Leute mit. Grundvoraussetzung für eine Topquote. Auch bei dieser Show ist mit einem Siegeszug durch alle Kontinente zu rechnen.
Natürlich werden auch in Zukunft weiter fiktionale Drama- und Comedy-Serien und Telenovelas etc. produziert werden. Aber viele Stationen können sich keine Eigenproduktionen leisten sondern overvoicen nur amerikanische Serien wie The Sopranos, Desperate Housewives, Doctor House, Greys Anatomy etc. etc. Auch das Schweizer Fernsehen kann in diesem Bereich nur sehr beschränkt mit Eigenproduktionen mithalten.
Interaktivität nimmt weiter zu
In England platzten in den letzten Monaten einige Skandale bei interaktiven Programmen. Das Publikum wurde zum kostenpflichtigen Voting animiert -- dabei hatten die Fernsehstation bereits vorher selber bestimmt, wer gewählt ist. Bei anderen Sendungen wurden die Zuschauer mit gegenüber den Ankündigungen überhöhten Preisen abgezockt. Oder Zuschauer, die an einer Show teilnehmen wollten, wurden angewiesen, gebührenpflichtige Nummern anzurufen, obwohl bereits vorher feststand, dass sie keinerlei Chancen zur Teilnahme hatten.
Kurzfristig brach danach die Teilnahme an solchen interaktiven Programmelementen dramatisch zusammen. Trotzdem sind alle Branchengurus in Cannes fest überzeugt, dass interaktiven Telefon- und SMS-Elemente weiter stark zunehmen werden. Erstens sind sie ein wertvolles Instrument der Kundenbindung. Und zweitens erschliessen sie -- auch bei korrekter Anwendung -- neue Finanzquellen für die Sender.
In Cannes haben pessimistische Medienkritiker keine Chance. Hier hat sich eine Branche versammelt, die das Glas immer halb voll und nicht halb leer sieht. Und stagnierende Werbeeinnahmen oder Zuschauerzahlen werden hier höchstens als Herausforderung angesehen, sich durch andere Vertriebskanäle wie video on demand, Internet, Mobile Phone etc. etc. neue Märkte zu erschliessen. Es herrscht hier eine ganz andere Mentalität als in der Musikbranche, die vor allem über Piraterie und das Internet jammert. Jede neue Technik und jeder neue Vertriebskanal braucht neuen Content, jubelt die TV Branche.
(Text: Klaus Vieli)

